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Güstrower Anzeiger

25. Juli 2016 | 02:19 Uhr

Tiere im Pflegeheim : Dackel wecken Lebensgeister

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Reinhard Sugge besucht mit seinen Dackeln regelmäßig Alten- und Pflegeheime in der Region

Liebevoll hält Jutta Eggers den braunen Dackel Balinka im Arm. Sie hat gar keinen Blick für das, was um sie herum passiert. Immer wieder gibt sie dem Dackel ein Leckerli und der wiederum schaut sie mit seinen treuen Augen fest an. Es scheint eine geheime Absprache zwischen den beiden zu geben, doch die Zeit der zwei ist begrenzt. Denn der Dackel gehört zu Reinhard Sugge, der regelmäßig im Pflegeheim der Volkssolidarität in Zapkendorf hereinschaut, immer mit Dackeln im Gepäck, die den Senioren den Tag verschönern und so manchen für kurze Zeit seine Leiden vergessen lassen.

Reinhard Sugge hat eine Ausbildung zum tiergestützten Therapeuten und zuvor zum Altenbetreuer absolviert. Nun ist er unterwegs und hat damit sein Hobby zum Beruf gemacht. „Ich bin sehr tierlieb, hatte schon als kleiner Junge einen Dackel. Später hielt ich einen Zwergdackel und einen Schäferhund. Auch vier Main Coon-Katzen gehörten zur Familie“, erzählt der 64-Jährige, der in Wolken bei Bützow zu Hause ist. Seine Tochter hat jetzt eine Hobbyzucht amerikanischer Zwergdackel und weißer Tigerdackel in Lang- und Kurzhaar. „Sie hat insgesamt neun erwachsene Dackel und stellt mir diese für den Einsatz in den Heimen zur Verfügung“, sagt Reinhard Sugge. Dafür bekommt er allerdings kein Geld, sondern bietet Seniorenheimen in Güstrow, Bützow und Zapkendorf dies unentgeltlich, also ehrenamtlich an.

Durch eine Sendung im Fernsehen sei er auf die tiergestützte Therapie aufmerksam geworden und habe sich für diese Ausbildung entschieden. Einmal monatlich bietet er inzwischen diese Abwechslung für die Bewohner in Heimen an – insbesondere in Pflegeheimen, wo Menschen mit Demenz betreut werden. „Die Tiere wecken die Lebensgeister – das ist phänomenal“, weiß er. Auch direkt am Pflegebett habe er mit seiner Therapie mit den Vierbeinern schon Erfolge erzielen können.

Auch in Zapkendorf ist die Wirkung der kleinen Dackel nicht zu übersehen. So manches Lächeln schleicht sich ins Gesicht der Bewohner – und manch sehnsuchtsvoller Blick, der vermuten lässt, dass sie an früher denken. „Ich hatte auch mal einen Schäferhund“, fängt Karl-Peter Beier zu erzählen an. Jetzt wurde er im Rollstuhl in den Park gefahren und hält liebevoll den kleinen Dackel fest. Bei schönem Wetter kommt nämlich Reinhard Sugge mit seinen Hunden direkt in den Park des Pflegeheimes. Wenn es kälter wird, wird die Stunde wieder ins Haus verlegt. Doch missen möchte es keiner der Anwesenden, denn jeder kann selbst entscheiden, ob er dabei sein möchte. Auch für den 64-Jährigen Sugge ist diese Beschäftigung wichtig. Denn arbeiten kann er nicht mehr. Schon seit einigen Jahren ist er erwerbsunfähig, könnte nie mehr den ganzen Tag arbeiten. Doch diese kleine Aufgabe, erfüllt ihn. „Ich kann helfen, das ist entscheidend“, sagt er.

Hintergrund: Hundgestützte Therapie 

Tiergestützte Therapieverfahren sind alternativmedizinische Behandlungsverfahren zur Heilung oder zumindest Linderung der Symptome bei psychiatrischen, psychisch/neurotischen und neurologischen Erkrankungen und seelischen und/oder geistigen Behinderungen, bei denen Tiere zur Verbesserung des Wohlbefindens des Patienten eingesetzt werden.  Die hundgestützte Therapie   ist sehr bekannt und verbreitet. Ein Hundeführer besucht mit seinem Hund Einrichtungen um mit dem Klienten gezielte Aktivitäten zur Förderung des Allgemeinbefindens und der Lebensqualität zu gestalten.  Hunde wirken einerseits beruhigend, andererseits funktioniert ihre Kommunikation anders als die zwischenmenschliche. Diese Verschiebung der Kommunikationsweise bewirkt, dass zwischen Hund und Patient  offener interagiert wird. Hunde besitzen einen hohen Aufforderungscharakter, was Kontaktaufnahme und Zuwendung betrifft. Darüber hinaus wirken sie integrierend.

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