zur Navigation springen

Güstrower Anzeiger

11. Dezember 2016 | 03:17 Uhr

Güstrow : „Bei mir ist alles nur Fassade“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Esther Dittmer bringt mit Farbe und ausgefallenen Ideen Witz und Heiterkeit an die Außenwände der Freien Schule in Güstrow.

„Bei mir ist alles nur Fassade“, sagt Esther Dittmer mit einen schelmischen Lächeln auf den Lippen, während sie auf dem Baugerüst der Freien Schule in Güstrow steht. Die Görzhausenerin ist Diplom-Restauratorin und Fassadengestalterin und kümmert sich derzeit um die farblichen Akzente an der Außenwand der Bildungseinrichtung. „Sie hat schon unseren Speiseraum gestaltet und so sind wir auf die Idee gekommen, sie auch für die Fassadengestaltung zu engagieren“, verrät Ines May, Geschäftsführerin der Freien Schule, und fügt hinzu: „Wir sind auf einer Wellenlänge und vertrauen ihr dabei voll und ganz.“

Dass eine Vielzahl von Worten und Wortgruppen auf der Fassade stehen werde, sei schnell klar gewesen. Bis dahin, war es indes ein langer Schaffensprozess in den auch die Schüler eingebunden wurden. „Wir hatten im Sommer eine Ideen-Box aufgestellt und zunächst alle Vorschläge gesammelt“, erinnert sich Ines May zurück. Gemeinsam mit den Schülern wählte Esther Dittmer schließlich Worte rund um das Thema Schule aus und fasste sie zu Wortgruppen zusammen. Von einer Werbeagentur ließ sie die Begriffe auf Folie drucken. „Am Ende hatte ich 160 laufende Meter Folie“, sagt Esther Dittmer. Allein der Schulname sei sieben Meter lang. Die Phase der Vorbereitung beschreibt Esther Dittmer daher auch als die schlimmste.

„Als all die Worte nach Themen geordnet auf dem Boden meines Ateliers in Rostock lagen, habe ich mich schon gefragt, was ich hier eigentlich mache“, sagt Dittmer lächelnd und fügt hinzu: „Jetzt beginnt aber die eigentliche kreative Arbeit.“ Die Fassadengestalterin setzt auf einen Wechsel von aufgemalten und plastischen Worten aus Stuck. „Das macht das Projekt schön und sinnlich“, beschreibt Dittmer, die die Worte zu einem harmonischen Bild zusammenfügt. „Wichtig ist mir dabei eine gewisse Leichtigkeit. Die kommt einerseits durch das Spiel mit den Farben und andererseits durch die luftige Anordnung“, sagt Esther Dittmer, die gerade eine Wortwolke rund um die Adverbien heraus, herein und unten gestaltet.

Ohne Maler Fred Loboschinski wäre das jedoch nicht möglich. „Dazu braucht man schon mindestens zwei Personen, damit man die Schablonen gerade an der Wand ausrichten kann“, weiß Esther Dittmer aus Erfahrung. Schöner sei es sogar, wenn zwei an der Fassade arbeiten und sie aus der Entfernung dirigieren könne. „Ich muss die Fassade immer wieder aus der Ferne betrachten – zu dritt müsste ich nicht immer wieder das Gerüst hinab klettern“, ergänzt Dittmer, die dennoch auch selbst gerne Hand anlegt.

Bei der Fassadengestaltung verschmelzen ihre Kenntnisse aus dem Bereich Restauration mit ihrem eigenen Gestaltungswillen. „Ich vermisse vielerorts die Heiterkeit, den spielerischen Umgang mit den Dingen. Hier kann ich mich richtig austoben und ich liebe es, dass ich die Leute mit meiner Arbeit berühre“, sagt Esther Dittmer. Schon viele Schüler und Eltern seien in den vergangenen Tagen stehen geblieben, hätten über die Begriffe geredet und gerätselt. „Das wollte ich erzielen und das macht mir Spaß“, sagt Esther Dittmer, die gerne mit den Passanten über ihre Arbeit ins Gespräch kommt.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Nov.2016 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen