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Güstrower Anzeiger

08. Dezember 2016 | 08:59 Uhr

Kreishandwerkerschaft Güstrow : Auszubildende als „kostbares Gut“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Güstrow fordert Ausbildungsoffensive.

Der Mangel an Auszubildenden brennt den Handwerksbetrieben unter den Nägeln. „Der Auszubildende wird immer mehr zu einem kostbaren Gut“, erklärt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Güstrow, Ulf Gudacker, und verweist auf den demografischen Wandel. Das Fehlen von Azubis sowie Fachkräften führe zudem zu einem „Auftragsstau“ bei den Betrieben. Er befürchtet sogar schon „skandinavische Verhältnisse“, wo Kunden bis zu einem Jahr auf einen Fachhandwerker warten müssen. Seiner Meinung nach sei der Großteil der 300 Innungsbetriebe der Kreishandwerkerschaft Güstrow ausbildungswillig und würde auch sofort einen Lehrling einstellen. „Und das nicht, um eine billige Arbeitskraft zu haben“, unterstreicht Gudacker.


Stärker um Nachwuchs bemühen


Gudacker fordert, dass sich das Handwerk um die weniger werdenden Nachwuchskräfte stärker bemühen müsse. Aktuell 634 Azubis im ersten Lehrjahr im gesamten Bezirk der Handwerkskammer Schwerin seien zu wenig. „Die Betriebe müssen die Azubis mehr an die Hand nehmen, sie führen, lenken und leiten“, sagt der 35-Jährige. Er setzt vor allem auch auf die Berufsfrühorientierung in den Schulen. Zudem müsse das Handwerk modernere Wege finden, sich selbst zu präsentieren. Stichwort: „Neue Medien“. „Viele Betriebe haben bereits erkannt, dass sie selbst etwas machen müssen. Wer sich jetzt nicht mit der Nachwuchsgewinnung auseinandersetzt, wird in zehn Jahren große Probleme haben“, ist Gudacker überzeugt. Das sei auch beim jüngsten Handwerkerstammtisch in Teterow zum Thema „Berufsnachwuchs“ mehr als deutlich geworden. „Wir müssen den Jugendlichen klar machen, dass es im Handwerk in der Region Ausbildungsmöglichkeiten gibt“, so der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Güstrow. Gleichzeitig müssten die Handwerksbetriebe ihre Ansprüche in Bezug auf die Berufseignung der potenziellen Kandidaten herunterschrauben.

Für eine Ausbildung im Handwerk spreche auch die positive Herbstkonjunktur im Handwerk in der Region, führt Gudacker aus. Mehr als 90 Prozent der Betriebe zwischen Bützow und Teterow bezeichnen laut einer aktuellen Umfrage der Handwerkskammer Schwerin ihre derzeitige Geschäftslage als gut oder befriedigend. Davon profitiere vor allem das Bauhandwerk. Der Großteil der Betriebe (59 Prozent) ist zudem bis zu 100 Prozent der vorhandenen betrieblichen Kapazitäten ausgelastet. Der Ausblick auf den Winter und die damit verbundenen Erwartungen an den weiteren Konjunkturverlauf fallen ebenfalls sehr positiv aus. 96 Prozent der Betriebe innerhalb der Kreishandwerkerschaft erwarten eine gute und befriedigende Geschäftsentwicklung, nur vier prozent befürchten eine Verschlechterung.

Unterdessen arbeitet der Betriebswirt Ulf Gudacker, der die Geschäftsführung der Kreishandwerkerschaft Güstrow erst vor kurzem übernommen hat (SVZ berichtete), daran, den Organisationsgrad des Handwerks in der Region „Stück für Stück“ zu verbessern. Dazu will er auch die anstehenden Innungsversammlungen nutzen. In der Kreishandwerkerschaft Güstrow gibt es elf Innungen. „Es gibt Innungen mit einem schlechten Organisationsgrad, wo also zahlreiche Betriebe des Gewerks nicht Innungsmitglieder sind. Andere wiederum wie die Kfz-Innung haben einen hohen Organisationsgrad“, sagt Ulf Gudacker.  

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erstellt am 07.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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