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Güstrower Anzeiger

30. September 2016 | 15:28 Uhr

Gefahr für Helfer : Anarchie in Ukraine verhindert Hilfe vor Ort

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Derzeit keine Reise nach Mariupol möglich. Martina und Heinz Nitzsche berichten über Situation in Ukraine

Seit Jahren leisten Martina und Heinz Nitzsche aus Serrahn wohltätige Aufbauarbeit und Hilfe in Osteuropa, vor allem in Mariupol in der Ukraine, tragen „den Geist von Serrahn“ in dieses krisengeschüttelte Land. Doch seit einigen Monaten konnten sie nicht vor Ort sein. „Als wir im Februar von einer Deutschlandreise wieder zurück fahren wollten, legte das Auswärtige Amt uns nahe, nicht wieder nach Mariupol zu reisen“, erzählten sie. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände verhindern zurzeit die aktive Hilfe vor Ort.

Über die Lage in Mariupol würden sie von ihren derzeit 15 Mitarbeitern informiert. „Die Arbeit läuft im Hospiz, in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Gemeindearbeit und auf allen Stationen der Psychiatriestation“, so Heinz Nitzsche. Die Mitarbeiter seien Ukrainer und könnten ihre Arbeit fortsetzen. Lediglich für Europäer sei es derzeit nicht ungefährlich, vor Ort zu sein. „Banken wurden abgebrannt und ausgeraubt, Geldtransporte überfallen, Geschäfte und Autohäuser geplündert“, erzählte Martina Nitzsche. Viele würden kein Geld, keine Rente erhalten, hätten kein Einkommen. Außerdem seien etwa 120 Familien im Gebiet durch die Schießereien ohne Väter. Leute seien erschossen worden und man wisse gar nicht, wo sie sind.

„Nur 200 Meter von unserem Kinder- und Jugendhaus haben die Separatisten ihr Lager aufgeschlagen“, berichten die beiden aktiven Serrahner. Die Mitarbeiter stünden nun zwischen zwei Fronten. Einerseits würden die Separatisten sie zur Unterstützung auffordern und andererseits wollten die Pro-Ukrainer Verbandsmaterial von ihnen. Für Nitzsches steht die Frage, wie sie es schaffen, ihre Mitarbeiter finanziell abzusichern. Hilfsgüter finden derzeit den Weg über die Westukraine.

Einen Nachfolger für diese Arbeit haben Martina und Heinz Nitzsche noch nicht gefunden. Da sei vor allem jemand mit Kontakten nötig, der es schafft, immer wieder genügend Spenden für diese Arbeit einzuwerben. „Aber wir haben ein ukrainisches Ehepaar, das viele Arbeiten in den Gottesdiensten und in der Gemeinde abdeckt“, freut sich Heinz Nitzsche.

Immer wieder suchen sich die Nitzsches neue Baustellen, wo sie helfen können. Für das Ehepaar ist wichtig, dass vor allem die Kinder ein Stück Liebe empfangen. Und an vielen älter Gewordenen sei etwas von ihrer Arbeit zu merken. „Die Prägung in den 13 Jahren war nicht umsonst“, sagt Heinz Nitzsche. Und beide hoffen, dass es bald eine Entspannung in der Ukraine geben wird. Denn sie möchten natürlich so schnell wie möglich wieder selbst vor Ort sein und mit anpacken.



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