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Güstrower Anzeiger

05. Dezember 2016 | 01:27 Uhr

Pflege : Als Angehörige allein gelassen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Marianne Böttcher berichtet über ihre Erfahrungen mit dem Sterben einer Verwandten

Einen geliebten Menschen zu verlieren ist nie leicht – besonders nicht, wenn es dann doch so plötzlich passiert, wie bei Familie Böttcher. „Meine Schwiegermutter kämpfte ein qualvolles Jahr gegen den Krebs. Und wir mit ihr“, schreibt Marianne Böttcher in einem emotionalen Brief an unsere Redaktion, in dem sie die letzten Tage im Leben der Güstrowerin nachzeichnet. Besonders die Schwierigkeiten, die sich für Angehörige in einer solch schweren Zeit ergeben, macht Marianne Böttcher deutlich.


Kein Fall für die Palliativstation


Am 30. November vergangenen Jahres verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Seniorin rapide. „Ihr ging es so schlecht. Sie wog mittlerweile nur noch 42 Kilogramm“, erinnert sich ihre Schwiegertochter und fügt hinzu: „Sie kam zum Liegen, war zu schwach sich selbst zu bewegen und konnte auch keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Wir mussten uns damit abfinden, sie lag im Sterben.“ Doch die Aussicht auf einen Platz auf der Palliativstation im KMG-Klinikum in Güstrow machte den Angehörigen Hoffnung auf Unterstützung in dieser schwierigen Zeit. „Allgemein gilt, dass eine Palliativstation spezialisiert ist auf die Behandlung und Betreuung schwerstkranker Patienten mit dem Ziel, die krankheitsbedingten Beschwerden zu lindern und den Gesundheitszustand des Betroffenen so zu stabilisieren, dass er wieder in die häusliche Umgebung entlassen werden kann“, bestätigt auch KMG-Sprecherin Kathrin Grützmacher auf SVZ-Nachfrage. Warum die schwer kranke Patientin jedoch für diese Station nicht in Frage kam, konnte sie indes nicht erklären. „Gerne nehmen wir dezidiert Stellung zu dem Sachverhalt, sofern uns der Name bekannt gegeben wird und wir von den Angehörigen der Patientin von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden werden“, erklärt Grützmacher weiter.

Für Marianne Böttcher war die Entscheidung des Klinikums jedenfalls nicht nachvollziehbar. „Solche Fälle kommen immer wieder vor“, erklärt Wiebke Cornelius, Patientenberaterin bei der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. „Oftmals handelt es sich um Kommunikationsprobleme. Solche sensiblen Gespräche brauchen Zeit und Geduld – in Krankenhäusern ist diese Zeit aber häufig knapp. Es ist denkbar, dass es da zu Missverständnissen kommt“, so Cornelius weiter.

Alternativ suchten die Böttchers schließlich nach einem Heimplatz für die Schwiegermutter. „Ich hätte sie gerne zu Hause begleitet und gepflegt“, erklärt Marianne Böttcher. Der Pflegeaufwand sei aber doch zu hoch gewesen, denn die bettlägerige Frau musste alle zwei Stunden umgelagert werden – alleine nicht zu schaffen und für den betreuenden Pflegedienst nicht leistbar. Zwar wurde nun ein Heimplatz vermittelt, dieser war aber in Rostock. Für Marianne Böttcher „unmöglich“.


„Wahre Juwelen mit Herz und Mitgefühl“


Wiebke Cornelius rät in diesen und ähnlichen Fällen selbst aktiv zu werden: „Die ,Weiße Liste‘ ist beispielsweise ein unabhängiges Portal, wo sich Angehörige über Pflegeeinrichtungen, freie Plätze und die jeweiligen Kosten informieren können. Auch die kommunalen Pflegestützpunkte und die Pflegekasse sind hierfür gute Anlaufpunkte.“ Besonders die ambulanten Hospizdienste hebt die Expertin hervor. „Diese sind ein guter Beistand und geben sowohl den Betroffenen als auch den Angehörigen in dieser schweren Zeit Halt“, sagt Wiebke Cornelius weiter.

Unterstützung erfuhren Marianne Böttcher und ihre Familie schließlich tatsächlich im „Haus Lindeneck“ einem Pflegeheim der Volkssolidarität in Güstrow. „Ich traf dort auf wahre Juwelen mit Herz und Mitgefühl“, sagt die engagierte Schwiegertochter. Hier habe die Familie viel Trost erhalten und die inzwischen Entschlafene habe in Ruhe ihre letzte Reise antreten können.

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erstellt am 19.Jan.2016 | 06:00 Uhr

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