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Güstrower Anzeiger

08. Dezember 2016 | 08:59 Uhr

Landkreis Rostock : 70 Prozent weniger Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Fachdienst Integration und Unterbringung des Landkreis Rostock rechnet in diesem Jahr mit 850 Zuweisungen.

Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der Flüchtlinge, die dem Landkreis in diesem Jahr zugewiesen wurden. „Es sind rund 70 Prozent weniger als im vergangenen Jahr“, berichtet Landrat Sebastian Constien. Der Fachdienst Integration und Unterbringung rechne in diesem Jahr mit 850 Zuweisungen. Im vergangenen Jahr waren es rund 3000 gewesen. „Die außergewöhnliche Flüchtlingssituation des Jahres 2015 haben wir im Landkreis Rostock gut bewältigt“, schätzt der Landrat ein. Aktuell sehe er die Arbeit mit den Flüchtlingen „in geordneten Bahnen“.

Mit Stand vom 27. Oktober sind 2424 Flüchtlinge und Asylbewerber im Landkreis untergebracht. Dabei hält sich die Zahl der anerkannten Flüchtlinge und derer, die Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz erhalten, in etwa die Waage. 1881 Frauen, Männer und Kinder sind dezentral untergebracht, 543 wohnen in Gemeinschaftsunterkünften in Güstrow, Bad Doberan, Jördenstorf und Lohmen.

Zur Folge hat der drastische Rückgang bei den Zuweisungen von Flüchtlingen gegenüber dem vergangenen Jahr, dass der Landkreis, der 2015 händeringend nach Wohnungen auch im kleinsten Dorf gesucht hatte, bis Ende Oktober die Mietverträge für 170 Wohnungen gekündigt hat. Beispiele: Diekhof und Pölitz (SVZ berichtete). Weitere werden folgen. „Diese Wohnungen waren hauptsächlich notwendig, um fehlende Kapazitäten in Gemeinschaftsunterkünften auszugleichen“, erklärt Constien. Anerkannte Flüchtlinge seien dazu angehalten, sich selbst Wohnraum zu besorgen. Der Fachdienst unterstütze dabei, wenn Flüchtlinge Wohnungen, die der Landkreis angemietet hat, selbst übernehmen wollen. Der Landkreis konzentriere sich wieder auf Gemeinschaftsunterkünfte, Asylbewerber und Flüchtlinge ohne Aufenthaltstitel würden vorrangig dort untergebracht. Dies stelle einen „wirtschaftlichen und sparsamen Einsatz öffentlicher Mittel“ sicher.

Als ganz besondere Herausforderung bezeichnet Landrat Constien den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die ohne Eltern oder Verwandte nach Deutschland gekommen sind. Seit genau einem Jahr ist infolge einer geänderten Gesetzgebung des Bundes das Jugendamt des Landkreises für die unbegleiteten minderjährigen Ausländer verantwortlich. Bis September seien 208 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge laut Verteilerschlüssel dem Landkreis zugeordnet worden. Erste Anlaufstelle für sie sind die drei so genannten Clearingstellen in Lalendorf, Bad Doberan und Dahmen, wo derzeit 49 Kinder und Jugendliche wohnen. Am Ende des Clearingverfahrens wird der weitere Hilfebedarf festgelegt. Danach, so erklärt Constien, sei in der Regel eine weitere Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge notwendig. 38 seien derzeit stationär aufgenommen, drei würden ambulante Hilfen bekommen. „Andere haben das Erwachsenenalter erreicht. Damit greifen für minderjährige Flüchtlinge genau dieselben gesetzlichen Regelungen und Hilfen wie für hilfebedürftige einheimische Minderjährige“, unterstreicht der Landrat.

Insgesamt schätzt Constien ein, dass mit dem Rückgang der Zuweisungen „die Flüchtlingsbetreuung wieder auf das Normalmaß“ zurückgeführt werden könne. Die Aufgaben, die der in schwieriger Situation gegründete Fachdienst Integration und Unterbringung erfülle, könnten bei weiter sinkenden Flüchtlingszahlen wieder im Sozialamt angesiedelt werden. Die Zahl der Mitarbeiter in der dezentralen Flüchtlingsbetreuung habe bereits von 40 auf jetzt 25 reduziert werden können. Die für die weitergehende soziale Betreuung vorgesehenen vier Integrationslotsen sollen „bedarfsorientiert ausgebaut und besetzt“ werden, so der Landrat.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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