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Güstrower Anzeiger

07. Dezember 2016 | 09:40 Uhr

Band-Jubiläum in Güstrow : 50 Jahre und kein bisschen leiser

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Die Herolds feiern Jubiläum. Mitglieder der ehemaligen Schülerband heute im Rentenalter.

Wenn am 5. November zur 20. Güstrower Super-Oldienacht in die Sport- und Kongresshalle eingeladen wird, feiert eine Güstrower Band ihr zweites Jubiläum: Die Herolds sind 50. Als Schülerband in der John-Brinckman-Schule fanden sich Eckhard Podack, Hans-Jürgen Kowalzik und Gerhard Ziglowski mit Peter Lorenz als viertem Gründungsmitglied zusammen und spielten Beatmusik, wie es damals hieß. Die Lords und Tony Sheridan, The Shadows, Roy Orbison und natürlich die Rolling Stones und Beatles waren ihre Idole. Deren Lieder übten sie im Bootshaus der Zuckerfabrik am Inselsee ein, ehe sie später zur Stammband im Jugendklubhaus „Walter Griesbach“ avancierten. Die Einstufung als offiziell zugelassene Amateurtanzkapelle war dafür Voraussetzung.

Nach der Schulzeit hielt die Band noch eine Weile zusammen, doch die Lebensläufe der Mitglieder machten das gemeinsame Spielen schwierig. Rhythmus-Gitarrist Gerhard Ziglowski etwa studierte in Berlin Außenhandel, und die Hauptstadt wurde sein Lebensmittelpunkt, wie man am Berlinern des Berliners unschwer erfährt. „Im ersten Jahr bin ich zweimal die Woche zum Auftritt nach Güstrow gefahren, das ging irgendwann nicht mehr.“ Da half es auch nicht viel, dass Drummer Hans-Jürgen Kowalzik nach seinem Journalistik-Studium in Leipzig in seine Heimatstadt zurückkehrte – das Ende der Band schien unvermeidlich.

Allein „Keule“ Eckhard Podack machte dagegen weiter Musik. Das Physik-Studium in Greifswald, für das er angeworben worden war, brach er nach anderthalb Jahren ab. In Güstrow wurde für den „Klub der Werktätigen“ ein Leiter gebraucht. Weil die Kulturarbeit eher seinen Ambitionen entsprach, landete Podack in dieser Einrichtung, die zu DDR-Zeiten den kulturellen Bedürfnissen der arbeitenden Bevölkerung Beine machen sollte. Als wenig später in „seinem“ Jugendklubhaus in der Rostocker Straße ein Leiter gesucht wurde, war das der passende Job für den ambitionierten Musiker. Schließlich machte Leadgitarrist und Sänger Podack als „staatlich geprüfter Kapellenleiter“ die Musik zu seiner Profession. „Eine Alternative gab es für mich nicht wirklich“, sagt er auch mit Blick auf seine heutige Stammband Eastern Comfort.

Während für Podack die Musik sein Leben wurde, blieb es für die anderen ein Spaß nebenbei. „Eine Profikarriere wäre nie im Leben etwas für mich gewesen“, spricht Gerhard „Flöh“ Ziglowski auch für die anderen Bandmitglieder. Und dennoch: 1997 schlug erneut die Stunde für die Herolds. Eckhard Podack konzipierte die Super-Oldienacht, zu der sich ehemalige Güstrower Bands zusammenfinden und für und mit Güstrowern in alten Zeiten schwelgen wollten. Dass die Herolds seitdem immer dabei sein würden, war da sicher noch nicht abzusehen. Doch es blieb bisher dabei, jedes Jahr kurz vor der großen Oldieparty treffen sich die Bandmitglieder zu einem dreitägigen Probenwochenende. „Alle üben natürlich auch zu Hause, sonst ginge das nicht“, sagt Hans-Jürgen Kowalzik, der regelmäßig in der Güstrower Musikschule seine Stöcke auf den Drums tönen lässt, wenn dort frei ist.

Leiser sind sie nicht geworden mit den Jahren, dafür die Gründungsmitglieder im Rentenalter. Die Oldienächte sind inzwischen der einzige Auftritt, den sich die Herolds noch gönnen. „Anno 68“ hieß eine Fete im Jugendklubhaus 1988, dann kam 1996 der 90. Schulgeburtstag, auf denen sie sich wieder zusammenfanden. Zweimal haben sie auch privat gespielt, für einen ehemaligen Roadie, und einmal am 65. Geburtstag ihres langjährigen Technikers Reinhard Prüß. „Ohne den ging damals gar nichts“, blickt Kowalzik zurück, „was der alles gebastelt und organisiert hat…“

Und einen Wechsel hat es gegeben. Für Bassist Peter Lorenz aus Krakow am See, der 1999 aus gesundheitlichen Gründen ausstieg, sprang Reinhard Steltner, mit aktuell 62 drei Jahre jünger als die anderen Bandmitglieder, ein. „Ich hatte schon vorher mit ,Keule’ zusammen Musik gemacht. Daher lag das nahe, bei den Herolds einzusteigen“, sagt der gebürtige Rostocker, der seit langem in Beckum in Nordrhein-Westfalen lebt. Mit seinen klassischen Ursprüngen – „Stelze“ hatte mal am Rostocker Konservatorium Oboe gelernt – bringt der gelernte Besamungstechniker und heutige Baumarkt-Angestellte eine neue Note rein. Ihrem Stil sind die Herolds dennoch treu geblieben. Hans-Jürgen Kowalzik: „Wir spielen das, was wir früher gespielt haben, authentisch. Das kommt bei den Leuten an.“

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erstellt am 29.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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