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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

08. Dezember 2016 | 10:49 Uhr

Notfallübung in Bentin : Zügige Rettung in der Nacht

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Kollision bei Bentin: Gemeinsame Einsatzübung der Freiwilligen Feuerwehr Gadebusch mit Kräften vom DRK Schönberg

Zwei Pkw kollidieren im Gegenverkehr. Sie überschlagen sich. Unter Schock und augenscheinlich verwirrt, befreit sich ein Beifahrer aus dem Pkw, andere Insassen scheinen leblos, während eine Fahrerin leise Hilferufe abgibt. Das Szenario an der Kreuzung der Landstraße Rögnitz/Bentin wirkt echt. Nicht zuletzt sorgen der starke Herbstwind und die Regenschauer für Authentizität. Glücklicherweise handelt es sich um eine Übung der Feuerwehr Gadebusch. „Zwei davon führen wir im Jahr durch“, sagt Sebastian Otto. Der Gadebuscher Wehrführer schaut auf die Uhr und spitzt mit Karina Herzog die Ohren. „Noch ist keine Sirene zu hören“, sagt Herzog. Sie ist die stellvertretende Leiterin vom DRK Ortsverein Schönberg und unterstützt mit der Jugend-Rot-Kreuz-Gruppe die Einsatzübung. Die jungen Helfer spielen ohne Wissen der anrückenden Einsatzkräfte die Verletzten in den „verunfallten“ Fahrzeugen.

Otto und Herzog warten auf das Eintreffen der Wehr. Mit der Alarmierung um 18.51 Uhr wurden über die Leitstelle 24 Einsatzkräfte nach Bentin beordert. Es gehe um das Retten von Verletzten und die Erste Hilfe, so Otto. Aufgaben, die das insgesamt junge Team der Wehr in den zurückliegenden Monaten bei der Ausbildung der „First Responder Gruppe“ – der Ersthelfer – einstudierte. Der Einsatzort Bentin ist zugleich eine Lehrfahrt. Die jungen Fahrer brauchen Praxiserfahrung. Gleichzeitig ergeht an die Gemeinde Rögnitz das Signal, dass die Gadebuscher ihren vertraglichen Vereinbarungen zum Brandschutz nachkommen.

Mittlerweile rollen die drei Einsatzfahrzeuge vor. Einsatzleiter und Teile der Mannschaft springen ab und verschaffen sich einen Überblick. Sebastian Otto spricht von Chaosphase: „In diesen Minuten müssen sie die Lage genau definieren, sich finden. Das ist wichtig, damit der Einsatz gut strukturiert abläuft.“

Bekannt ist in diesen Minuten nur, dass es sich womöglich um vier Insassen handelt, während ein junger Mann für Verwirrung unter den Einsatzkräften sorgt – er stieg unter Schock und orientierungslos aus dem Fahrzeug. Es kommt situationsbedingt zu Übergriffen auf die Einsatzkräfte. „Die machen das gut“, sagt Karina Herzog und lobt ihre Schützlinge der Jugend-Rot-Kreuz-Gruppe.

Die Aggregate starten und kurz darauf leuchten die Scheinwerfer die Unfallstelle aus. Mitglieder der First Responder Gruppe sprechen die Verletzten an. Schnell wird deutlich, dass Kopfverletzungen und Knochenbrüche zu versorgen sind. Eingeklemmt im Fahrzeug gelingt dies kaum. Schere und Spreizer kommen zum Einsatz. Mit tonnenschwerer Kraft wird die Fahrertür aufgebogen, während am zweiten Fahrzeug die Verletzten mit der Trage aus dem Straßengraben gerettet werden. „Bei dieser Übung kommt Schminke bei den Darstellern zum Einsatz. Das wirkt realer, die Rettungskräfte sehen konkret, wo sie handeln müssen“, sagt Herzog. Franziska Gerdes und Andre Sack gehören zur neuen First Responder Gruppe. „Wir leisten organisierte Erste Hilfe bis die Rettungskräfte und Ärzte eintreffen“, sagt Sack. In seiner Freizeit absolviert er ein Studium in Krisen- und Notfall-Management. Er wolle gerüstet sein und helfen, sagt er. Die Gespräche beruhigen die Unfallopfer. Franziska Gerdes erhält von ihnen wichtige Daten für das Protokoll. „Dies wird später den Kräften im Rettungswagen übergeben“, sagt sie. Sebastian Otto schaut zufrieden aus. Gemeinsam mit Bürgermeister Andreas Rühmling und dem ehemaligen Wehrleiter Alfred Lengning verfolgt er den Einsatz. Lengning fühlt sich an die Zeit erinnert, als die kleine Gemeinde noch über eine eigene Wehr verfügte. „Wir waren gut und erhielten Auszeichnungen“, erzählt er. 30 Jahre war er in der Wehr und bis 1989 ihr Chef. Dass die Gadebuscher Feuerwehr nun die Aufgaben übernimmt, ist den sich ändernden Bedingungen auf dem Lande geschuldet. Dazu gehört vor allem ausreichend und gut ausgebildetes Personal. Letzteres habe den Einsatz gemeistert, schätz Sebastian Otto zum Übungsende ein.  

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erstellt am 07.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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