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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

23. März 2017 | 09:17 Uhr

Flucht, Vertreibung, Neuanfang : Zeitzeuge hält Erinnerung wach

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Buchlesung im Gymnasium zum Thema Flucht, Vertreibung und Neuanfang im Rahmen des 2. Weltkriegs als Geschichtsunterricht

Einen Geschichtsunterricht der ganz anderen Art erlebten gestern die zwölften Klassen des Gymnasiums. Ihr Mitschüler Steve-Mattes Herbers hatte dafür gesorgt, dass ein Zeitzeuge des 2. Weltkriegs und der Nachkriegszeit von seinen Erlebnissen berichtete. „Ich habe Herrn Schwarz während einer Buchlesung in der Bibliothek Brüsewitz kennen gelernt. Von ihm stammt eine der Geschichten aus dem von der SVZ heraus gegeben Buch ,Flucht, Vertreibung, Neuanfang‘. Da wuchs in mir die Idee, ihn ins Gymnasium einzuladen“, schildert der Schüler die Entstehungsgeschichte.

Anton „Toni“ Schwarz kam als 13-Jähriger im Januar 1946 mit anderen Vertriebenen mit einem Zug aus Danzig in die Münzstadt. „Die haben uns einfach rausgeschmissen“, erinnert sich der heute 85-Jährige und erzählt den 63 Schülern und ihren Lehrern, wie das war damals. Von den Bauern in Mecklenburg, die ihnen vorerst mehr oder minder widerwillig Unterschlupf gewährten. „Die standen mit ihren Pferdefuhrwerken an der Bahnhofsrampe und teilten uns untereinander auf. Ich kam nach Drieberg“, erinnert er sich. Heute lebt Anton Schwarz in Schwerin.

Eine der Autoren des Buches ist SVZ-Journalistin Katja Haescher. Sie erzählte den Schülern von der Entstehung des Buches und den Hintergründen. „Geschätzte 980 000 Flüchtlinge und Vertriebene aus Ostpreußen, Pommern, Sudeten und Schlesien hat allein Mecklenburg aufgenommen. Dadurch hatte sich die Einwohnerzahl auf einen Schlag nahezu verdoppelt“, sagt Haescher zu den Gymnasiasten.

Die Tatsache, dass diese besondere Geschichtsstunde durch das Engagement eines Schülers zustande gekommen ist, freut Schulleiter Ingolf Litzner ungemein: „Das ist das, was wir wollen – eigenständige, engagierte junge Menschen. Wir sind deshalb jederzeit offen für solche Aktionen“, so Litzner.

Für Steve-Mattes Herbers war das Ganze ein tolles Erlebnis. „Man muss solche Chancen nutzen und diese Zeitzeugen hören, so lange sie noch da sind, damit die Geschehnisse jener Zeit nicht in Vergessenheit geraten“, meint der Schüler.

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erstellt am 14.Mär.2017 | 04:45 Uhr

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