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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

29. April 2017 | 05:35 Uhr

Schaalsee : Wirtschaften in der Biosphäre?

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Viele Landwirte aus dem Nordwesten sind skeptisch. Agrarausschuss will vor der Sommerpause eine Empfehlung an den Landtag geben

Es war kein turnusmäßiger Besuch des Agrarausschusses in der Schaalseeregion, der da am Donnerstag stattfand. Die Bauern aus dem Nordwesten hatten darum gebeten, obwohl es eigentlich um die Vorbereitung des Gesetzes für die neue Biosphäre an der Elbe geht. Doch der Schaalseebereich steht für die Erfahrungen, die Bewohner aber auch die in der Region Wirtschaftenden mit diesem Schutzstatus haben. Auch wenn die Öffentlichkeit nur für ein improvisiertes Pressegespräch am Ende des langen Tages zugelassen wurden, so war schnell klar, dass man von eitel Sonnenschein noch weit entfernt ist. Denn die Bauern, die besucht wurden, sprach Klartext. Sie befürchten, dass die Regelungen, die jetzt für die Elbe getroffen werden, auch auf die Biosphäre Schaalsee gemünzt werden können. Dafür gibt es bisher keinen Beleg. Formal ist das neue Gesetz für die Flusslandschaft-Elbe kleiner, überschaubarer. Aber es würde dem Biosphärenamt noch mehr Spielräume geben, die für die Wirtschaft wichtigen Details zu regeln. Und genau davor haben viele Angst.

Diese Botschaft scheint bei den Landtagsabgeordneten im Ausschuss angekommen zu sein. Sowohl der Vorsitzende Prof. Dr. Fritz Tack (Die Linke) sprach von Problemen, die zu lösen seien als auch Thomas Krüger von der SPD. Kommunikationsprobleme wurden als Hauptsorge ausgemacht, das unterstrich auch Beate Schlupp von der CDU. Allen geht es um die Einheit von arbeiten, leben und wirtschaften. Vom Tourismus allein werde das Biosphärengebiet nicht leben können, zumal an einen sanften Tourismus gedacht sei. Es müsse, so Schlupp, auch ein erfolgreiches Wirtschaften in der Region möglich sein. Und da gehe es hauptsächlich um Landwirtschaft.

Andere Abgeordnete hielten die Proteste für übertrieben und organisiert. Der BUND z. B. steht klar hinter dem Biosphärengedanken. Landwirtschaftsminister Till Backhaus, der bei den Besuchen ebenfalls dabei war, sowieso.

Aber Backhaus, der in Sachen neuer Biosphäre schon einige strittige Runden hinter sich hat, kennt die Stimmung der Gegner. Gleich mehrfach betonte er, dass die Kernzonen in dem neuen Biosphärengebiet für ihn nur auf Flächen denkbar sind, die sich in Landeseigentum befinden. Viele dieser Flächen könnten auf dem früheren Truppenübungsplatz Lübtheen zu finden sein, den das Land vom Bund gern übernehmen möchte. Widerstände und Befürchtungen gegen die Biosphäre hatte es in der Vergangenheit auch im Elbgebiet gegeben. In einer Krisenrunde im Boizenburger Rathaus hatte Backhaus dann Landwirten, Anglern und Jägern versprochen, die Probleme zu lösen. Backhaus verwies am Donnerstag in Zarrentin auf eine repräsentative Umfrage, wonach 90 Prozent der Bewohner in der Region für die Biosphäre seien und 75 Prozent würden zugeben, dass ihre Region durch den Status bekannt geworden sei.

Nahezu alle Redner verwiesen in Zarrentin darauf, dass es wichtig sei, die Bevölkerung mitzunehmen. Klar sei aber auch, dass Einschränkungen geben werde. Eine Wanderweg in der Kernzone sei eben nicht möglich.

Der Ausschuss des Landtages will in den kommenden Tagen seinen Besuchsreise nun umfassend auswerten und noch vor der Sommerpause eine Empfehlung geben. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Gesetzgeber wohl mehr Details verbindlicher festschreiben will. Das Gesetz soll erst im Herbst zur zweiten Lesung in den Landtag kommen und dann beschlossen werden.

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erstellt am 26.Apr.2014 | 00:00 Uhr

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