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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

01. Oktober 2016 | 05:10 Uhr

Schlingerkurs in Wismar : Wer kürzer fährt, soll wenig zahlen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Weil vor allem auf kürzeren Strecken zu wenig Fahrgäste den Bus nutzen, könnte zum 1.1.2017 ein neues Tarifsystem kommen

Ein gut 2,2 Millionen Euro schweres Defizit wird am Ende des Jahres die Kassen der Nahbus Nordwestmecklenburg GmbH belasten. 1,2 Millionen mehr als ursprünglich prognostiziert. Hauptursache sind deutlich hinter den Erwartungen zurückgebliebene Einnahmen aus den Fahrgastentgelten des Öffentlichen Personennahverkehrs. Jetzt will der Landkreis dem mehr als besorgniserregenden Schlingerkurs des neuen ÖPNV mit einem neuen Tarifsystem gegensteuern. Motto: Wer kürzer fährt, soll auch weniger zahlen.

Kritikpunkt der vergangenen Monate seit Einführung des neuen ÖPNV zum 1. Januar dieses Jahres war immer wieder, dass kürzere Fahrten vor allem im Landkreis – außerhalb Wismars – einfach zu teuer sind. Vier Euro für Fahrten zwischen zwei Haltestellen, die länger als fünf Minuten auseinanderliegen, während der geneigte Fahrgast für den gleichen Preis mal locker zwischen Schwerin und Boltenhagen pendeln könnte. Wohl vor allem deshalb wird die Kurzstreckenkarte mit einer maximalen Nutzungszeit von fünf Minuten im Regionalverkehr fast nicht genutzt. Fazit der Fahrgäste: zu teuer.

„Wir arbeiten gerade an einer Lösung, die für Tarifgerechtigkeit und somit für mehr Fahrgäste sorgen soll“, sagt Dr. Roland Finke als Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Regionalentwicklung und Planen des Nordwestkreises. Denn die Fahrten im Kurzstreckenbereich seien im ÖPNV nun mal die mit Abstand am häufigsten genutzten. Deshalb sei man gemeinsam mit externen Beratern gerade dabei, „etwas auszubrüten“.

Wohin das führen wird, ist bislang nicht klar. Ein Modell mit mehreren Tarifzonen könnte zur finanziellen Entlastung der Fahrgäste führen. In der Diskussion sind für den ländlichen Bereich – ausgenommen Wismar – drei verschiedene Zonen mit Tarifen zwischen zwei und vier Euro für eine Einzelfahrt. Für eine Fahrt im Gesamtnetz könnten dann fünf statt bislang vier Euro fällig werden.

Ob ein solcher Lösungsansatz die Menschen tatsächlich im großen Stil zum Umsteigen auf den ÖPNV bewegen wird, wagt niemand vorherzusagen. „Kann ich damit so viel mehr Fahrgäste ziehen? Wer weiß, wie groß der positive Effekt tatsächlich sein wird? Hier traue ich mir keine Prognose zu“, erklärt sogar Stabsstellenchef Finke.

Schon einmal ist der Landkreis mit Prognosen zum neuen ÖPNV auf die Nase gefallen. Um das 1,8-fache sollten demnach die Fahrgastzahlen im sogenannten „Jedermannsverkehr“ steigen. Heute redet man von Zahlen, die erst nach einer gewissen „Einschwingphase“ erreicht werden sollten. Wie lang diese sein soll, auch diese Prognose wagt niemand. Drei Jahre setzt man für städtische Räume mit etablierten ÖPNV-Systemen an. Weil im Nordwestkreis bislang allerdings kein entsprechendes Angebot existierte, sei eher von einer längeren als von einer kürzeren Einschwingphase auszugehen.

 

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erstellt am 20.Sep.2016 | 04:40 Uhr

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