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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

28. Juni 2016 | 05:46 Uhr

Messerattacke in Wismar : Überfall auf Julian Kinzel nur vorgetäuscht

vom

Staatanwaltschaft ermittelt gegen Kommunalpolitiker der Linken. Ein Gutachten bestätigt: Art der Verletzungen stimmt nicht mit dem behaupteten Verlauf des Überfalles überein

Die Messer-Attacke von Rechtsradikalen auf einen Linken-Nachwuchspolitiker aus Schwerin hat das vermeintliche Opfer nach Einschätzung der Ermittler erfunden. Nach  Meinung eines  Rechtsmediziners seien die festgestellten Schnittverletzungen des 18-Jährigen nicht mit den Schilderungen zum Tatverlauf in Übereinstimmung zu bringen. Dagegen sei „hinreichend wahrscheinlich“, dass er sich die Verletzungen Anfang voriger Woche selbst zufügte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gestern in Schwerin. Gegen den jungen Mann sei daher ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Vortäuschung einer Straftat eingeleitet worden.

Eigenen Angaben zufolge war der 18-Jährige, der in Wismar studiert und Mitglied des Kreisvorstandes der Linken in Schwerin ist, am Montag vergangener Woche in der Hansestadt von drei unbekannten, der rechten Szene angehörenden Männern angegriffen, als „schwule Kommunistensau“ beschimpft und mit einem Messer mehrfach mit 17 Stichen verletzt worden.

Wegen einer möglicherweise politischen Motivation für die Tat war der Staatsschutz in die Ermittlungen einbezogen worden. Vertreter mehrerer Parteien hatten unmittelbar nach Bekanntwerden mit Entsetzen auf die Nachricht reagiert und sich mit dem jungen Mann solidarisiert. Der Linksfraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, schrieb auf Facebook: „Welcher Hass und welche kriminelle Energie muss in Menschen stecken, die den Tod eines Zwanzigjährigen in Kauf nehmen, dessen politische Gesinnung ihnen nicht gelegen ist?  Ich kenne Julian gut, er ist ein toller Student, dessen besonnenes politisches Engagement ich sehr schätze.“ Gestern schrieb Bartsch: „Lassen Sie uns gemeinsam die Ermittlungen abwarten.“ Ähnlich reagierte der Landesverband der Linkspartei.

Schon kurz nach dem Bekanntwerden des Falls waren Zweifel an den Darstellungen aufgekommen. Die Rekonstruktion des Vorfalls am Tatort im Beisein des vermeintlich Geschädigten habe die Zweifel bestätigt und schließlich zu den gegen ihn gerichteten Ermittlungen geführt, hieß es. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, konnte der junge Mann zudem den bei dem vermeintlichen Überfall beschädigten Mantel, der die Schnittverletzungen abgemildert haben soll, nicht vorlegen. Das Kleidungsstück sei kurz nach dem Vorfall entwendet worden, gab der Behördensprecher die Aussage des 18-Jährigen wieder.

Das Strafgesetzbuch sieht bei Vortäuschung von Straftaten  Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren vor

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erstellt am 11.Jan.2016 | 14:04 Uhr

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