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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

07. Dezember 2016 | 17:20 Uhr

Thandorf : Schräggatter sollen Raser ausbremsen

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die kleinste Nordwest-Gemeinde will Sicherheit ihrer Einwohner erhöhen. Experten warnen vor neuen Risiken

Im Kampf gegen Raserei und für mehr Sicherheit ihrer Einwohner will die Gemeinde Thandorf neue Wege beschreiten. So will sie als vermutlich erste Kommune in Nordwestmecklenburg so genannte Schräggatter an zwei Ortseingängen errichten lassen. Eine Idee, die umstritten ist.

Die weiß lackierten  Gatter sind zwischen 1,6 Meter und 2,5 Meter hoch und sollen Kraftfahrer zum Bremsen veranlassen.  „Die ,Schräggatter‘ lösen erwiesenermaßen durch die optische Verengungen einen emotionalen Moment aus. Durch den ,Fuß-vom-Gas-Reflex‘ wird in der Regel die gewünschte Geschwindigkeit von weniger als 50 km/h erreicht“, sagt Thandorfs Bürgermeister Wolfgang Reetz. Gute Erfahrungen mit solchen Schräggattern hätten bereits Kommunen im benachbarten Kreis Herzogtum Lauenburg gemacht. So zum Beispiel die Gemeinden Krummesse, Pogeez und Hemmelsdorf.

Nach Einschätzung der Thandorfer Kommunalpolitiker besteht in ihrem Ort derzeit ein erhöhtes Gefahrenpotenzial für  Einwohner  und insbesondere für Kinder. Denn die Geschwindigkeit von 50 km/h wird im Bereich der westlichen und südlichen Ortseingänge deutlich überschritten. „Messungen haben gezeigt, dass die gefahrenen Geschwindigkeiten dort sehr häufig 80 km/h und mehr betragen“, sagt Wolfgang Reetz.  Er verweist zudem darauf, dass derzeit im westlichen Bereich des Ortes ein neues Wohngebiet für neun Einfamilienhäuser entsteht. Und gegenüber befindet sich bereits ein Spielplatz mit Badestelle, Spielgeräten, Fußballtoren und Volleyballfeld. Das bedeute, dass alle Besucher, insbesondere Kinder, die dortige Kreisstraße 5 queren müssen.  Eine vergleichbare Situation gebe es am südlichen Ortsende, wo ebenfalls neue Eigenheime entstehen und wo es keinen Gehweg gibt.

Einstimmig haben die Thandorfer Gemeindevertreter für die Installation der  Schräggatter votiert. Nun ist der Landkreis Nordwestmecklenburg am Zug. Denn er müsste einen Nutzungsvertrag   mit der Kommune abschließen, damit Thandorf die Schräggatter an der Kreisstraße errichten darf.  Die Gemeinde hofft, dass der Landkreis grünes Licht für dieses Pilotprojekt in Nordwestmecklenburg für einen Zeitraum von 36 Monaten gibt.

Doch es gibt auch Zweifel. „Diese Art von  Gattern sind bei uns nicht bekannt“, sagte ein Sprecher des ADAC. Richtig sei allerdings, dass optische Eindrücke  generell Einfluss auf  die gefahrene Geschwindigkeit haben können.  Auch die Verkehrswacht des Landes kann die Frage nicht abschließend beantworte, ob Schräggitter sinnvoll sind. „Uns liegen dazu keine Erkenntnisse vor“, sagte deren Sprecher  Bernd Fritsch.  Der renommierte Verkehrsexperte Siegfried Brockmann, von der Unfallforschung der Versicherer  (UDV) in Berlin hat  sogar Zweifel, ob das Aufstellen des Schräggatters überhaupt genehmigt werden kann. Grund: „Die Gatter könnten  eine zusätzliche Gefahrenquelle darstellen, wenn sie direkt an der Fahrbahn stehen“, sagte Brockmann. Motorradfahrer etwa müssten mit schweren Verletzungen rechnen, wenn sie ausgerechnet  an dieser Stelle ins Schleudern kommen.     
 

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erstellt am 29.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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