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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

28. Mai 2016 | 00:03 Uhr

Gadebusch : Schloss-Odyssee nimmt kein Ende

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Eigentümer verschenkt Haus an wenig aktiven Verein. Gadebuscher schlagen Alarm: Denkmalbehörden sollen weiteren Verfall stoppen

Unser wertvollstes Gut ist die Hoffnung“ - mit diesem Slogan wirbt der Verein „Hoffnungsgut“, ein seit Jahren in Gründung befindlicher gemeinnütziger Verein. Sein Ziel: die Belebung des Gadebuscher Schlosses.

Bislang, zumindest augenscheinlich, ohne Erfolg. Stattdessen bröckelt der Putz von den Wänden, zieht Feuchtigkeit ins Mauerwerk, reißen Fensterstürze und werden Scheiben eingeschlagen. „So kann es nicht weitergehen mit unserem Schlossberg“, sagt Klaus Leuchtemann. Gemeinsam mit Kornelia Neuhaus-Kühne und Gerald Brincker schlägt der Gadebuscher Alarm. Möchte aufrütteln, vermitteln, echte Hoffnungsträger finden. Leuchtemann: „Die Folgen von Vandalismus sind sichtbar. Wir appellieren an die Eigentümer, Sicherungsmaßnahmen am Schloss auszuführen. Legen Sie der Stadt ein Konzept vor, damit der Standort sich entwickelt. Versprechungen gab es bereits genug.“

Deutliche Worte, die auch bei der Denkmalschutzbehörde des Kreises Gehör finden sollen. Davon geht zumindest Bürgermeister Ulrich Howest aus. „Nach meinen Informationen befasst sich die Denkmalbehörde des Kreises mit dem Gebäude und fordert Sicherungsmaßnahmen ein.“ Fenster und Türen seien in Mitleidenschaft gezogen. Die Nordwand sehe nicht besser aus.

Selbst wenn die Stadt Gadebusch über gut gefüllte Kassen verfügen würde, einen Zugriff auf das Schloss hat sie aktuell nicht. Darüber hinaus dürfte ein bereits diskutiertes Enteignungsverfahren juristisch kaum von Erfolg gekrönt sein. Fakt ist: Die Oberfinanzdirektion Rostock hat das Schloss Mitte der 1990er Jahre für zirka 50 000 Mark an einen privaten Investor verkauft. Nach Liquiditätsproblemen ging im Sommer 2002 das historische Gebäude an Herbert Freisleben-Liechtenstein in Rimpar, Kreis Würzburg. Nach anfänglicher Kontaktaufnahme wurde es still um den Investor. Der angekündigte Umbau in 2009 fand nicht statt. Nach SVZ-Informationen hat Freisleben-Liechtenstein das Schloss jetzt dem Verein „Hoffnungsgut“ übereignet. Gegenüber der SVZ bestätigte Bürgermeister Ulrich Howest einen Eigentümerwechsel.

Das Problem: Vom Verein gibt es keinerlei Lebenszeichen. Über die auf der Internetseite angegebene Telefonnummer war auch für die SVZ niemand erreichbar. Ein letztes Lebenszeichen hinterließ „Hoffnungsgut“ vergangenes Jahr. Leuchtmann spricht von einem Leerzug des Bürogebäudes auf dem Schlossberg, quasi über Nacht. Heute bedecken Dornenbüsche den Eingangsbereich, schimmert eine Hinweistafel im Abendlicht an der Schlosswand, findet sich als letzte Spur eine Internetseite sowie eine zuletzt im Juli 2013 aktualisierte Facebookseite von „Hoffnungsgut Schloss Gadebusch“ im weltweiten Datennetz. Inhalt bei Facebook sind Designervorschläge für Schloss-Studios.

Von Design in Gadebusch keine Spur. Die Realität sieht anders aus. Berge von Müll türmen sich unter historischen mit alten Malereien versehenen Balken. Statt Besucher und Bewohner schlängelt sich eine abgestellte Wasserleitung wie eine Riesenanakonda über den aufgerissenen Holzfußboden, bröselt der Putz aus den Fugen, fallen Steine aus den Fensterrahmen.

Ein trauriges Bild, meint auch Gerhard Schotte. Er sieht das Schloss in einer Linie mit Schwerin und Ludwigslust: „Es handelt sich um die Residenz von Fürst Nicolaus. 1571 baute es Herzog Christoph zum Renaissanceschloss um.“ Darüber hinaus soll sich die herzogliche Münzstätte auf dem Schlossberg befunden haben. „Gadebusch ist ein Ausgangspunkt Mecklenburger Geschichte“, meint Schotte. Die Akteure aus Gadebusch starten mit einer Öffentlichkeitskampagne. Ihr Ziel: Denkmalbehörden für das Kleinod in der sanierten Stadt zu sensibilisieren. 

 

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erstellt am 17.Mär.2015 | 00:21 Uhr

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