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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

03. Dezember 2016 | 22:51 Uhr

Pokrent : Riesenschlange im Wald entdeckt

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Tier wurde vermutlich ausgesetzt und verendete.

Pokrent Der Fund einer Riesenwürgeschlange    sorgt  rund um Pokrent für reichlich Gesprächsstoff. Wie die Polizei gestern mitteilte, entdeckte dort am Sonnabend ein 46-jähriger Mann die Schlange an einem  Waldstück am Verbindungsweg  der Bundesstraße 104 nach Pokrent.  Bei dem ungewöhnlichen Fund  handelt es sich  nach ersten Einschätzungen und Vergleichen  der Muster um   eine  Boa constrictor, die üblicherweise in Südamerika beheimatet ist.  Wie  das 2,5 Meter große Reptil in den  Wald nach Pokrent  kam, bleibt vorerst ungeklärt. Untersuchungen waren nicht möglich. „Die Schlange war   bereits tot“, so die Polizei. Die Beamten stellten den Kadaver sicher und übergaben diesen dann dem zuständigen Veterinäramt.

Amtstierarzt Karl-Heinz Klamt, Leiter des  Veterinär-und Lebensmittelüberwachungesamtes,  bestätigte gegenüber der SVZ die Übergabe: „Die körperlichen Reste bestanden im Wesentlichen aus der Rumpfmuskulatur und der Haut. Der Grad der Zersetzung lässt weitere Untersuchungen nicht zu.“  Eine fachgerechte Beseitigung  sei veranlasst worden.

Wäre der Fund besser erhalten gewesen,  hätte der Tierkörper seinen Weg über das staatliche Untersuchungsamt in Rostock zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin genommen, fügt Klamt hinzu.

 Warum und wieso diese besondere Schlange im winterlichen Wald bei Pokrent ihr Ende fand, bleibt womöglich ungeklärt. Der Landkreis weist darauf hin, dass es in MV  im Gegensatz zu anderen Bundesländern,  kein Gefahrtiergesetz gibt. „Die Haltung gefährlicher Tiere ist aber bei den zuständigen Ordnungsbehörden anzuzeigen“, teilt das Veterinäramt mit.  Bislang sei der Fund exotischer  Schlangen  noch nicht angezeigt worden, wohl aber der einer Bartagame, ein in Australien beheimatetes Schuppenkriechtier.

Ob die 2,50 Meter lange Boa constrictor ihrem Halter über den Kopf wuchs oder andere Gründe  womöglich zum Aussetzen führten, vermag auch  Mirko Daus nicht zu beantworten.   Daus  wohnt in Pokrent  Meierei und ist Experte. Er leitet  den Zoo in Wolgast. „Menschen, die sich bewusst für das Halten eines solchen Tieres entscheiden, gehen mit ihnen anders um.  Boa’s werden relativ häufig  gezüchtet. Dieses Exemplar dürfte mit seinen 2,5 Metern  zirka zehn Jahre alt gewesen sein“.  Da  es sich bei einer  Boa constrictor um einen Lauerjäger handele, sei die Schlange in einem strukturierten Terrarium gut zu halten. Dass sie   die Flucht ergreifen, gar aus einem Fenster entwischen, sei  selten. Die im  Wald bei Pokrent ausgesetzte Schlange sei mit Sicherheit erfroren.

Kritik wird laut, die Daus nachvollziehen kann. Er spricht sich allerdings  deutlich gegen eine generelle Verurteilung  aller Tierhalter aus: „Eine gute Tierhaltung in Menschenhand ist in unserer urbanen Welt unverzichtbar.  Wir sprechen hier von erzieherischen Faktoren bei Kindern und Jugendlichen zur Natur, über Bildungsfragen und  das Übernehmen von Verantwortung.“ Dies alles müsse vor dem Hintergrund eines dramatischen Artenschwundes auf der Erde Beachtung finden.

 „Zahlreiche private Tierhalter sind beispielsweise führend in der Amphibienbiologie und kooperieren mit Zoos“, sagt Daus.  Der Fund einer Schlange oder  anderer  exotischer Tiere sei eine Ausnahme, allerdings  auch  etwas Außergewöhnliches. Daraus resultiere, dass solche Ereignisse  stärker  ins Blickfeld rücken  als der Umgang mit anderen Tieren.

Wer   Tiere welcher Art auch immer halte, der müsse sich seiner Verantwortung bewusst sein.   Wird die Tierhaltung  kompliziert, weiß jemand  mit Schlangen oder anderen exotischen Tieren nicht weiter, dem empfiehlt Mirko Daus einen Kontakt zur Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde. Dort gebe es Wissenswertes über Auffangstationen und deren Vermittlung. Für Daus ist klar: „Einfach aussetzen, das geht gar nicht. “ Volker Bohlmann

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erstellt am 21.Nov.2016 | 20:15 Uhr

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