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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

09. Dezember 2016 | 22:18 Uhr

Sporttaubenzüchter aus Rehna : Rennpferde des kleinen Mannes

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Brieftaubenzüchter der Reisevereinigung Schwerin stellen am Sonntag in Lützow 130 Tiere aus

Leise rieselt der Schnee auf den Taubenschlag. Im Innenraum gurren die Tiere um die Wette. Außer, dass der Winter sehr zeitig Einzug hält, ist für Karl-Heinz Winckler aus Rehna alles in bester Ordnung. Der gestrige Kontrollgang im Taubenschlag ist Routine. Der Brieftaubenzüchter und Sportler findet mehrmals am Tag den Weg zu seinen Tieren. Dort hat alles seine Richtigkeit. „Hier sind die Männchen, dort die Weibchen und direkt daneben die Jungvögel untergebracht“, erzählt er. Aus dem Hintergrund dudelt ein Radio. Die Musik sei für ihn, meint der Sporttaubenfan, aber sie halte natürlich auch die Marder fern.

Rund 130 Tiere zählt die Zucht seiner Brieftauben. Es sind besondere Tiere, die unter dem Dach der Reisevereinigung Schwerin - der Zusammenschluss von Brieftaubensportlern aus Lützow, Rehna, Schwerin und Brüel - über die Einsatzstelle Gadebusch jährlich an Wettkämpfen teilnehmen. Diese finden u.a. in Deutschland und Polen statt.

Mit zehn Mitgliedern gehört der Verein „Gut Flug Rehna“ zum Team, das am kommenden Wochenende die Tiere innerhalb der Reisevereinigung Schwerin Preisrichtern und Fans des Brieftaubensports vorstellt – eine Veranstaltung vor den Toren der Landeshauptstadt. „Ab Sonntag sind die Tiere im Mehrzweckhaus in der Pokrenter Straße 4a ausgestellt“, sagt Winckler.

Wenn die Brieftaubensportler dort am Wochenende ihre Türen öffnen, dürfen sich die Tauben ausruhen. Da bleibe Zeit für Gespräche und Fachsimpelei, gibt Winckler zu verstehen. Wo sonst kann über tierische Leistungen wie einem Flug aus Mallorca nach Deutschland, von Starts in Neustadt in Schleswig-Holstein, der Insel Usedom oder Afrika berichtet werden. Preisgelder von mehreren tausend Euro und Dollar sind bei solchen Preiswettkämpfen nicht selten im Spiel.

Winckler und mit ihm zahlreiche Sportfreunde aus Mecklenburg sind viel lieber zwischen Elbe und Oder unterwegs. „Unsere Welt sind die Meisterschaften, und da starten wir beispielsweise in Seelow oder im polnischen Zielona Goro“, sagt Winckler. Strecken mit einer Luftlinie von 240, 342 oder gar 650 Kilometern legen die gefiederten Sportler dabei innerhalb von vier und mehr Stunden zurück. Eine beachtliche Leistung. Gemessen wird diese beim Start und bei der Ankunft im heimischen Stall mit Hilfe modernster Elektronik. Eine Fachgruppe errechnet aus der Zeit und den zurückgelegten Kilometern die Geschwindigkeit. „Sie liegt meist zwischen 70 und 75 Stundenkilometern“, sagt Winkler. Ein Wert, der für die spätere Platzierung enorm wichtig ist.

Nicht immer reichen Kraft und Geschwindigkeit, wenn Raubvögel die ziehenden Vögel vom Himmel holen. Damit müsse man rechnen, meint der Rehnaer. Andere Tauben sind erschöpft und pausieren unter fremden Dächern, bevor sie die Heimreise fortsetzen. „Nach Hause gelangen sie meistens immer. Denn eine Sporttaube kehrt dahin zurück, wo sie das erste Mal ausgeflogen ist“, so Winckler.

Die erfolgreichsten sind am Sonntag in Lützow ausgestellt. Ganz ohne Vorbereitung geht solch eine Präsentation natürlich nicht: „Die Tiere baden zweimal in der Woche. Am Freitag gibt es noch ein Fußbad oben drauf. Alles muss gut ausschauen“, sagt Sportfreund Winckler. Das Brieftaubenhobby teilt er sich mit seinem Enkel Lukas. Ein sichtlich gutes Gefühl, wie es sich aus seinem Gesicht ablesen lässt. Winckler lacht zufrieden, denn die Nachfolge scheint zumindest im Taubenschlag der Familie gesichert.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 04:19 Uhr

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