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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

27. Mai 2016 | 00:22 Uhr

Flüchtlinge in MV : Polizei ermittelt nach Demo

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Rechtsextremist greift in Wismar Polizeibeamten an. Gegendemonstranten werben für Weltoffenheit und Respekt

In MV haben am Wochenende an mehreren Orten Gegner der Flüchtlingspolitik demonstriert. An den meist von rechten Gruppen organisierten Aufzügen  nahmen laut Polizei insgesamt mehr als 1000 Menschen teil. Gegendemonstranten warben für Toleranz – mit Argumenten statt Gewalt.

Etwa im Landkreis Nordwestmecklenburg. Dort gingen erneut hunderte Menschen auf die Straßen. Während die Einen in der Wismarer Altstadt für Weltoffenheit und das Recht auf Asyl demonstrierten, forderten die Anderen wie der aus Schleswig-Holstein angereiste Frank Poschau den Regierungssturz. Er sprach während einer Demonstration  von „Politmonarchie, die Bürger zu Knechten machen soll“ und von Polizisten, die Vasallen seien.  Volksdichter nennt sich dieser Mann. Und er stand mit einem Mikro in der Hand zum Teil schwarz gekleideten Zuhörern mit kahl geschorene Köpfen gegenüber.

Während dieser Demo kam es  zu einem Angriff auf einen  Polizeibeamten, der unverletzt blieb. „Der 37-jährige polizeibekannte Tatverdächtige ist bereits in der Vergangenheit wegen Gewaltdelikten und auch rechtsextremen Straftaten auffällig geworden.  Gegen einen weiteren alkoholisierten 46-jährigen Teilnehmer ermittelt die Polizei nach Zeigen des Hitlergrußes“, sagte ein Polizeisprecher.

An anderer Stelle tänzelte ein etwa vierjähriges Mädchen mit Luftballons in der Hand über das Kopfsteinpflaster des Wismarer Marktplatzes. Es ist ein Flüchtlingskind. Inzwischen leben 1200 Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge in Nordwestmecklenburg. Das seien weniger als ein Prozent der Einwohnerzahl, rechnete Landrätin Kerstin Weiss während einer Kundgebung am Rathaus vor. „Es muss doch mit dem Teufel zugehen, wenn die anderen 99 Prozent es nicht schaffen, diese Personen aufzunehmen, ihnen Schutz und Hilfe zu bieten, ihnen ein Dach über den Kopf zu geben und sie auch zu integrieren.“, sagte Weiss.

„Nazis einen Vogel zeigen“ ist auf einem der Transparente am Rathaus zu lesen. Der Bundestagsabgeordnete Frank Junge (SPD) reckte es in die Höhe. Er will Rechtsextremen nicht die Straßen  überlassen. „Sie wollen die Demokratie abschaffen, eine Diktatur errichten und jegliche Vielfalt unterdrücken. Mit ihren Parolen und Forderungen zeigen sie mehr denn je ihr wahres Gesicht“, sagte Junge. Die Asyldebatte sei nur ein gefundener Anlass, um die menschenverachtenden Parolen zu verbreiten. Auch Redner der Linken, der FDP, der Bündnisgrünen, der IG Metall und des Bündnisses „Wismar für Alle“ bezogen Stellung. „Es ist ein Akt von Mitmenschlichkeit zu sagen: Wir sind da und wollen unterstützen“, so Silke Gajek,  Vizepräsidentin des Landtages.

In Stralsund gab es bei einer Aktion der so genannten MV-Patrioten  drei Verletzte, darunter durch einen Flaschenwurf. Dort hatte sich mit 440 Teilnehmern die größte Gruppe von Flüchtlingsgegnern versammelt, denen linke Gruppen entgegentraten. In Demmin zogen rund 280 Demonstranten mit Schildern wie „Die Presse lügt“ durch die Stadt, darunter ein NPD-Landtagsabgeordneter und mehrere rechtsextreme Kommunalpolitiker. „Es gibt keinen Anlass für solch eine Demonstration in Demmin“, sagte Bürgermeister Michael Koch (CDU). In der Stadt mit 11 500 Einwohnern lebten dezentral in Wohnungen knapp 200 Flüchtlinge, darunter 27 Schulkinder. Probleme gebe es nicht.

Bereits am Freitagabend hatten etwa 60 dunkel gekleidete Menschen unangemeldet in Ueckermünde gegen Asylbewerber demonstriert. Als Beamte eintrafen, flohen sie. Die Kripo ermittelt wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. In Burg Stargard hatten sich  rund 100 Demonstranten gegen die Flüchtlingspolitik versammelt, denen etwa 50 Mitglieder der linken Szene gegenüberstanden. Es kam zu Flaschenwürfen. Nach Einschätzung des Ordnungsamtes beteiligten sich bei den Rechten erstmals auch Mitglieder von Motorradrocker-Gruppen.

In Schwerin hat der Staatsschutz  gegen sieben Frauen und Männer Ermittlungen aufgenommen, die in der Nacht zu Freitag den Wachdienst einer Flüchtlingsunterkunft mit Holzpfählen und einer Bierflasche angegriffen haben.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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erstellt am 27.Sep.2015 | 21:00 Uhr

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