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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

08. Dezember 2016 | 01:15 Uhr

Einsatzübung Wohlenberger Wiek : Ölhavarie auf der Ostsee

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Landesämter und Einsatzkräfte von THW und Feuerwehren testen Belastbarkeit aus

Mäßiger Nordostwind drückt die Wellen in Richtung Wohlenberger Wiek. Gischt schäumt um den Bug der „Heiligendamm“. Leicht hat es die Zweimannbesatzung des 80 PS starken Bootes nicht beim Manöver vor der nordwestmecklenburgischen Küste. Es sind Einsatzkräfte der Fachgruppe Ölschaden des THW Bad Doberan. Zwei von insgesamt 60 geschulten Helfern aus THW, Feuerwehr, Bundeswehr, Mitarbeitern des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur (StALU), die am Sonnabend die Koordination für den Ernstfall proben: eine Ölhavarie vor der Ostseeküste in Nordwestmecklenburg.

Das ist kein Sandkastenspiel, sondern eine Übung vor realem Hintergrund: „Wir haben es bereits heute mit kleineren Einsätzen im Sportbootbereich zu tun. Problematisch ist, dass der Großschiffverkehr zunimmt – Frachtschiffe und Öltanker auf der Ostsee“, sagt Frank Hecht, Einsatzleiter der Übung und Mitarbeiter des StALU.

Die mecklenburgische Küste und eine eh schon durch Nährstoffe belastete Ostsee vor einer möglichen Katastrophe zu bewahren, ist und bleibt eine Mammutaufgabe. Das Szenario ist längst real. Darauf wiesen die Nautischen Vereine Kiel, Lübeck, Neustadt, Rostock, Wismar bereits in ihrer Bestandsaufnahme Schiffsicherheit hin. In ihrer Analyse, erstellt u.a. auf Grundlage einer EU-Studie, wird allein am Engpass Fehmarnbelt mit einer Verdopplung der Schiffspassagen von 40 000 auf 80 000 Schiffe bis 2030 gerechnet. Ein dichter Schiffsverkehr direkt vor der Haustür Nordwestmecklenburgs. Vor allem Russland und die Baltischen Staaten bauen ihre Kapazitäten weiter aus. Schiffe, die auf einem engen Korridor an der deutschen Küste entlangfahren. Angesichts des zunehmenden Schiffsverkehrs ist es auch aus Sicht von Einsatzleiter Hecht lediglich eine Frage der Zeit, bis es zu einem Unglück auf der Ostsee kommt.

Doch wer koordiniert in solch einem Szenario die Helfer und die Technikanforderungen? Fragen wie diese, galt es am Sonnabend bei der Übung am alten Kartoffelanleger in der Wohlenberger Wiek zu beantworten.

Praktische Erfahrung, die sammelte die Zweimannbesatzung der „Heiligendamm“. „Die Stärke des Bootes reicht zur Installation von 270 Metern Ölbarrieren“, sagt Roger Brückner vom StALU. Anzubringen sind diese an Schiffslecks, und rund um Ölteppiche, den wiederum Spezialpumpen aufnehmen und in Sicherheitsbehälter pumpen.

Es ist ein Spiel auf Zeit. Nichts anderes durchläuft Maya Dreger. Die junge Frau vom THW Bad Doberan schaut auf die Uhr: „Acht Minuten dauert das Umkleiden einer Person in eine Schutzkleidung hinein“, sagt sie. Diese weißen Overalls müssen im Ernstfall bis zu 500 Einsatzkräfte überziehen. „Nach dem Einsatz geht es in die Dekontaminierung, Reinigung“, sagt Brückner. Gesundheitsschädliche Stoffe wie Benzol und weitere Kohlenwasserstoffverbindungen sind oftmals Bestandteile der öligen Ladung, die die Tanker mit sich führen.

„Schutzkleidung ist somit ein Muss“, sagt Hecht. Zum Schutz der Helfer und Absicherung im Ernstfall rüstete das Havariekommando Cuxhaven die Mecklenburger Einsatzkräfte im April mit einem Ölwehrgerät aus. Inhalt: Umkleidekabine, Dusche, Einsatzgeräte, neue Kleidung und Schutzanzüge.

Dass eine Kabine zum Umkleiden nicht reicht, wurde am Sonnabend mehr als deutlich. „Schaue ich auf mein Zeitenprotokoll, wird klar, dass wir bereist ab 13 Einsatzkräften zwingend eine weitere Umkleidekabine aufbauen müssen“, sagt Maya Dreger. Das ist ein Ergebnis der Übung im Umgang mit der neuen Technik. „Wir müssen die Kapazitätsgrenzen kennen“, sagt Hecht. Letztlich muss das mobile Einsatzkommando im Havariefall die Koordination zusätzlicher Kräfte über die Landesgrenzen hinaus organisieren.

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erstellt am 16.Okt.2016 | 18:30 Uhr

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