zur Navigation springen

Gadebusch-Rehnaer Zeitung

11. Dezember 2016 | 07:04 Uhr

Kastanienhof Bülow unterstützt Syrer : Neue Runde im Räumungsstreit

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Jetzt beschäftigt sich der Bürgerbeauftragte des Landes MV um eine vom Landkreis angeordnete Wohnungsräumung eines Asylbewerbers

Der Geschichte um den syrischen Asylbewerber, dessen Wohnung in Kirch Grambow im Auftrag des Landkreises Nordwestmecklenburg geräumt wurde (SVZ berichtete), wird ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Denn jetzt beschäftigt sich auch ein Mitarbeiter des Bürgerbeauftragten des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit den Geschehnissen rund um die Räumung der Wohnung von Marek Al Karki.

„Wir haben den Landkreis um Akteneinsicht gebeten. Ich gehe davon aus, dass dies in der kommenden Woche geschehen wird. Vorher können wir keine Bewertung vornehmen“, sagt Dr. Wolfgang Leist, der Referent des Bürgerbeauftragten.

Hans-Joachim Kahl vom Kastanienhof Bülow e.V. hatte sich an das Schweriner Büro gewandt, um Licht ins Dunkel um die aus Vereinssicht unrechtmäßige Räumung der Wohnung zu bringen. „Die mit der Räumung beauftragte Firma hat Hausfriedensbruch begangen“, sagt der Bülower, der deshalb auch Strafanzeige gegen das Grevesmühlener Unternehmen gestellt hatte.

Bei der Aktion sei der gesamte persönliche Besitz des Syrers – Oberbekleidung, Schuhe, Unterwäsche, Wintersachen, Hygieneartikel, ein Koffer, zwei Rucksäcke, wichtige Dokumente von Ausländerbehörde und Krankenkasse sowie Jobcenter, eine Dose mit 700 Euro Bargeld – entsorgt worden. „Das war sechs Monate zusammengespartes Trinkgeld, das mir meine Landsleute für das Schneiden ihrer Haare gegeben haben“, sagt Marek Al Karki. Damit hätte er Kleider für seine Frau kaufen wollen, die er nach Deutschland nachholen möchte.

Zwischenzeitlich hatte der Landkreis einen Termin in der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes in Wismar organisiert, wo sich der 26-Jährige mit Wintersachen eindecken konnte. „Wir freuen uns sehr, dass der Landkreis gemeinsam mit uns versucht, Herrn Al Karki zu helfen“, sagt Hans-Joachim Kahl und spricht in diesem Zusammenhang in einer Pressemitteilung davon, dass sich der Landkreis Nordwestmecklenburg um Wiedergutmachung bemühe.

Das wiederum ruft den Juristen des Landkreises auf den Plan. „Bezug nehmend auf die Pressemitteilung gilt es richtig zu stellen, dass sich der Landkreis nicht um Wiedergutmachung bemüht hat. Vielmehr hat der Landkreis rechtmäßig gehandelt, als er die vom Landkreis zur dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern angemieteten Räumlichkeiten zur Rückgabe an den Vermieter vorbereitete“, sagt Yann-Christoph Collin. Der Syrer habe sich seit seiner Anerkennung als Asylberechtigter im Februar dieses Jahres und weiteren zwei Monaten Übergangszeit unberechtigt in den Räumlichkeiten aufgehalten. Ihm sei mehrfach mitgeteilt worden, dass er sich um eigenen Wohnraum bemühen muss.

Mittlerweile wohnt der anerkannte Asylbewerber in einer kleinen Ein-Raum-Wohnung auf dem Kastanienhof Bülow und arbeitet bei der dortigen Kastanienhof GbR auf Basis eines geringfügig Beschäftigten als Küchenhilfe. Sein dortiger Verdienst wird dem jungen Mann auf seine Leistungen aus dem Arbeitslosengeld II angerechnet. Ab November hat sich der Kriegsflüchtling darüber hinaus zu einem sechsmonatigen Deutschkurs bei der Volkshochschule in Gadebusch angemeldet.

 

zur Startseite

von
erstellt am 12.Okt.2016 | 04:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen