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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

05. Dezember 2016 | 17:41 Uhr

Gadebusch : Münzstadt will den Burgsee retten

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Machbarkeitsstudie bescheinigt mögliche Renaturierung. Fördermittel von rund 1,2 Millionen Euro erforderlich

Eisvögel, Enten, Reiher, seltene Muschelarten – an der Tierwelt am Burgsee erfreuen sich viele Besucher. Wie lange der Lebensraum in seiner jetzigen Form erhalten und erlebbar bleibt, scheint endlich. Grund: Die Schlammschichten türmen sich auf. Die Verlandung des Gewässers nimmt zu. „Die Wassertiefe beträgt an einigen Stellen nur noch einen halben Meter“, sagt Uwe Tews.

Die Stadt Gadebusch will dem teils natürlichen Verlandungsprozess nicht tatenlos zuschauen. Der Bauausschuss der Stadtvertretung als auch Experten des Umweltbüros „biota“ beraten über eine Möglichkeit zur Entschlammung des Kleinods. „Eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Stadt Gadebusch liegt uns vor“, sagt Bauhofleiter Uwe Tews. Demnach gibt es drei Wege, dem Burgsee ein wenig mehr an Tiefe zu geben. Der Haken: Nach bisherigen Schätzungen belaufen sich die Kosten auf bis zu 1,2 Millionen Euro. Tews rechnet mit einer Unterstützung durch das Land MV: „Wir müssen nach Fördermöglichkeiten Ausschau halten.“ Ob das über Ausgleichsmaßnahmen von Bauprojekten oder entsprechend der Wasserrahmenrichtlinie des Landes möglich wird, sei zu prüfen. „Entscheidend ist das Ergebnis der Studie. Und die besagt: Das Projekt ist machbar und genehmigungsfähig“, so der Bauhofleiter. Nicht zuletzt sitze die Untere Naturschutzbehörde mit im Boot.

Dr. Tim Hoffmann vom Institut für Ökologische Forschung und Planung GmbH – „biota“ verweist auf bisherige Erfahrungen seines Hauses bei Gewässern wie dem Burgsee: „Die Schlammentwicklung ist das Ergebnis von hohen Nährstoffeinträgen, Altlasten, die auf eine schlechte Reinigung von Abwässern zurückzuführen sind. Darüber hinaus erfolgen Einträge von Phosphor und Stickstoff durch das Grundwasser. All das begünstigt das Algenwachstum.“ In den zurückliegenden Jahren habe die Stadt große Anstrengungen zur Verbesserung der Wasserqualität in den Zuflüssen unternommen. Darunter eine kontrollierte Abwasserentsorgung in angrenzenden Kleingärten. Folglich könne man nun über eine Sanierung sprechen.

Ein Maßnahmenplan, der im günstigsten Fall inklusive Genehmigungsverfahren fünf Jahre in Anspruch nehmen dürfte. Als umsetzbar wird die Variante mit dem Auspumpen, Verpressen und anschließender Abfuhr von Schlamm als Trockensubstrat angesehen. „Der Schlamm gilt als nicht belastet und kann auf Ackerflächen verbracht werden“, sagt Tews. Ein direktes Aufbringen, wie es eine der Varianten vorsehe, sei allerdings organisatorisch nicht möglich. Ein Auspumpen und Ablagern auf benachbarten Flächen des Burgsees kommt ebenso nicht in Frage. „Der Bauausschuss hat jetzt die Stadtvertretung beauftragt, einen Antrag auf Förderung zu stellen“, sagt Uwe Tews.

Er und Dr. Timm Hoffmann sehen die Sanierung des Burgsees als zukunftsorientierte Maßnahme im Sinne der Erhaltung des Naherholungsgebietes an. Als Alternative bliebe nur ein Verlust. Hoffmann, der mit dem Institut „biota“ verschiedene Projekte an der Radegast und dem Mühlenteich Rehna im Blick hat, beschreibt die Situation des Neddersees: „ Innerhalb von 20 Jahren verlor das Gewässer zirka ein Drittel seiner Wasserfläche.“

Kaum anders sehe es beim Burgsee aus. Tews führt Untersuchungsergebnisse an: „Studien aus den Jahren 2002 und 2016 belegen, dass die Schlammschicht um 50 Zentimeter stärker ausfällt.“ Das sei dem hohen Pflanzenwachstum zuzuschreiben. Die Sedimentschicht sei mehrere Meter stark. Nach einer Entschlammungsaktion rechne er mit einer Gewässertiefe von einem Meter.  

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erstellt am 07.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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