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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

29. Juli 2016 | 07:57 Uhr

Gadebusch : Linke will „Hexen“ rehabilitieren

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ungewöhnlicher Antrag im Stadtparlament mit Blick auf Fremdenhass.

Das Stadtparlament von Gadebusch soll die im 16. und 17. Jahrhundert bei der Hexenverfolgung zu Unrecht verurteilten und hingerichteten Frauen und Männer rehabilitieren. Eine für Gadebusch bislang ungewöhnliche Beschlussvorlage, die die Linkspartei dem Stadtparlament am kommenden Montag vorlegt.

Zeitgemäß, meint Thomas Konieczny. Der Stadtvertreter der Linkspartei sieht Parallelen zur aktuellen politischen Auseinandersetzung in Deutschland und will eine Zeichen für ein faires und couragiertes Miteinander setzen. Konieczny: „Ein Antrag, der nur auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint. Wir schieben die Vorgänge von damals oft der Unwissenheit der Menschen zu. Auch heute sind Auswüchse von Rassismus, von Vorurteilen gegenüber Ausländern und Flüchtlingen, die Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen, Hetzkampagnen im Internet sichtbar. Es scheint mir, dass eine wachsende Anzahl von besorgten Pegida-, MV-Gida -Mitbürgern nicht viel weiter sind, als die Menschen von damals.“ So reichte vor Jahrhunderten die Denunziation durch einen missgünstigen Nachbarn, vermeintliche Zeugen wurden wahllos befragt und Geständnisse unter Folter erzwungen.

„In unserem Antrag formulieren wir unsere Erwartung, dass die Stadtvertretung eine Rehabilitation auch als Zeichen für ein faires und couragiertes Miteinander in der heutigen Zeit sieht“, so Konieczny gegenüber der SVZ. Die Stadt Gadebusch könnte damit auch ein Signal gegen jede Form menschenverachtender Vorurteile, Diskriminierung und Ausgrenzung in Gegenwart und Zukunft setzen. Der Kultur und Sozialausschuss der Stadtvertretung soll federführend bei der Ausgestaltung der Gedenktafel bzw. Gedenkstelle sein. Über Gedanken, Hintergründe und zur Geschichte soll Gastrednerin Pastorin Ariane Baier am Montag vor dem Stadtparlament sprechen.

Die Idee einer Gedenkstele, die findet Gerhard Schotte nicht weniger spannend. Er arbeitet mit zahlreichen engagierten Gadebuschern an einer Ausstellung zum Lutherjahr 2017 in Gadebusch. Allein in Gadebusch wurden laut einem Auszug aus dem Hexenmuseum Penzlin 37 Menschen angeklagt, verurteilt und sogar hingerichtet.

Schotte hält somit eine Erinnerung für wichtig: „Die Hexenverfolgung ist ein Thema und soll, wenn die Stadt mitgeht, in Form einer Stele mit Blick auf den geschichtlichen Hintergrund bedacht werden.“ Für eine politische Auseinandersetzung sei die Stele weniger geeignet. Das Thema habe allerdings parteiübergreifend Gewicht. Schotte macht deutlich: „Was die Verbindung in die heutige Zeit anbelangt, da sehe ich durchaus Parallelen. Die Hexenverfolgung war eine Zeit, in der die Menschen in großer Verunsicherung lebten. Es war die Zeit des überwuchernden Aberglaubens, der Einfluss auf die Menschen hatte. Sie sind nicht selten jenen gefolgt, die falsche Parolen ausgaben.“

Gadebusch Bürgermeister Ulrich Howest wollte sich vor der Sitzung nicht abschließend zum Thema äußern: „Ich bin gespannt auf die Sitzung und die Debatte.“ Die öffentliche Stadtvertretersitzung von Gadebusch beginnt am Montag um 19 Uhr im Gadebuscher Rathaus.  

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erstellt am 11.Dez.2015 | 06:20 Uhr

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