zur Navigation springen

Gadebusch-Rehnaer Zeitung

03. Dezember 2016 | 18:41 Uhr

ÖPNV in Nordwestmecklenburg : Linke scheitert mit Sozialticket

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Öffentlicher Personennahverkehr wird immer mehr zum Spielball der Parteien. Ex-Landrat Drefahl fordert ehrliche Aufarbeitung

Im Landkreis Nordwestmecklenburg wird der öffentliche Personennahverkehr immer mehr zu einem Politikum. So hat die Fraktion Die Linke die geplante Verschiebung eines neuen Zonentarifs auf August 2017 scharf kritisiert. „Stammfahrgäste, die bisher mit dem Bus gefahren sind, wollen wir noch mal neun Monate lang vertrösten? Die haben bis dahin andere Möglichkeiten gefunden, um von A nach B zu kommen“, warnte Linksfraktionschef Björn Griese in Grevesmühlen. Jeder weitere Monat Verschiebung koste Geld. „Und was noch viel schlimmer ist, es kostet uns Fahrgäste“, befürchtet Griese.

Kein Verständnis hat der Linkspolitiker zudem dafür, dass die vor mehr als einem Jahr beschlossene Sozialtarif -Einführung nochmals um neun Monate verschoben werden soll. „Es war genug Vorlaufzeit, das durchzurechnen“, sagte Griese. Er forderte, den Sozialtarif wie geplant zum 1. Januar einzuführen – scheiterte jedoch mit seinem Vorstoß.

Der SPD-Kreistagsabgeordnete Heiner Wilms verteidigte die geplante zeitliche Verschiebung. „Das Ganze muss sehr durchdacht werden. Wir haben heute eine Datenbasis, die nicht belastbar genug ist.“ Wilms warb daher für etwas mehr Geduld, auch wenn dies schwer falle. „Wir brauchen diese Zeit, um zu Ergebnissen zu kommen, die letztendlich zu dem Ziel führen mehr Fahrgäste zu bekommen“, so Wilms.

Auch die CDU-Fraktion sprach sich für mehr Zeit aus, wenn man seriöse Auswertungen vornehmen und ein besseres Tarifkonzept auf die Beine stellen wolle. „Wir haben zwar schmerzliche Defizite. Aber es macht keinen Sinn, etwas übers Knie zu brechen. Wir haben nur noch einen Schuss – und der muss sitzen“, sagte Karl Heinold Buchholz. Er sprach sich für ein neues Tarifwerk und Sozialticket aus einem Guss aus.

Die Debatte um den ÖPNV in Nordwestmecklenburg hat inzwischen auch den ehemaligen Landrat Dr. Udo Drefahl (SPD) auf den Plan gerufen. Er erinnert in einem offenen Brief die Kreistagsmitglieder daran, dass alle Investitionen im ÖPNV einmal mit Steuermitteln hoch gefördert worden seien. Bevor man nun zu notwendigen Veränderungen komme, stehe eines fest: „Nichts wird optimal gelingen, wenn die ÖPNV-Politik des Landkreises nicht von einem Klima des Miteinander (Kreistag, Gremien, Verwaltung, Landesbehörden, Gewerkschaften, IHK und alle tätigen Busuntenehmen) bestimmt wird.“

Drefahl hofft, dass der Wille für eine offene und ehrliche Aufarbeitung problematischer Entscheidungen aus der Vergangenheit und eine exakte Bilanz der gegenwärtigen Situation vorhanden sei. „Dazu gehört auch die Beendigung von Rechtsstreitigkeiten, bevor die Kostenspirale sich weiter dreht“, so Ex-Landrat Udo Drefahl. Seit Jahren streiten sich der Landkreis und zwei Privatunternehmen um Landeszuschüsse, die vom Landkreis nicht ausgereicht worden sein sollen.

 

zur Startseite

von
erstellt am 05.Nov.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen