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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

30. Mai 2016 | 06:53 Uhr

Tag der Deutschen Einheit : Jubiläumsfest erinnert an Mauerfall

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Hunderte Menschen zog es am Tag der Deutschen Einheit an die ehemalige Grenze bei Rosenhagen

Strahlende Gesichter, herzliche Umarmungen und Tränen der Rührung: Das 25. Brückenfest der Feuerwehren Kittlitz und Kneese am gestrigen Tag der Deutschen Einheit in Rosenhagen war sichtlich emotional. Das Fest soll an die Grenzöffnung vor 25 Jahren erinnern und an den anschließenden Bau der Brücke zwischen Dutzow (Nordwestmecklenburg) und Rosenhagen (Lauenburg).

Marlies Schulz bekam feuchte Augen, als sie gestern auf die Grenzöffnung an der B208 in Mustin zurückblickte: „Das war Geschichte, einmalig.“ Für sie und ihren 79 Jahre alten Ehemann Günther sei es neben der Heirat und der Geburt der beiden gemeinsamen Kinder der „emotionalste“ Tag in ihrem Leben gewesen. „Es war wunderschön zu sehen, wie glücklich die Leute waren“, blieb Günther Schulz beim Erzählen für kurze Zeit die Stimme weg.

Für Wolfgang Farken, dem ehemaligen Wehrführer von Kittlitz, war das, was nach dem Fall der Mauer in Kittlitz und Kneese passierte, ein „einschneidendes und unvergessliches“ Ereignis. In der Nacht vom 11. auf den 12. November 1989 begannen die Grenztruppen der DDR zwischen Gadebusch und Mustin mit den Arbeiten für einen Grenzübergang.

Für die Gemeinden Kneese und Kittlitz hatte die Öffnung „besondere Auswirkungen“, erzählt Farken. Die Feuerwehrleute erfüllten sich den Wunsch nach einer Verbindung zwischen Rosenhagen und Rosenow. Die Pläne für den Bau einer Brücke von Ost nach West reiften erstmals im Februar 1990. „Es hat niemand gefragt, wie wollt ihr die Brücke bauen, oder welche Größe und Belastbarkeit habt ihr vorgesehen“, erinnert sich Farken. Geplant war eigentlich nur eine Fußgängerbrücke. Was kam, war eine Verbindung – auch für Autos.

Die Gemeinde Kittlitz hatte die für den Bau benötigten Materialien zu Verfügung gestellt. Die Organisation des Bauablaufs lag in den Händen von Wolfgang Farken. Am 12. Mai 1990 war es soweit. Frühmorgens trafen sich die Feuerwehrleute auf beiden Seiten des Grenzbaches. Eine schwankende Leiter über das Wasser war die erste Verbindung. Anschließend wurden auf Ost- und Westseite die Widerlager hergerichtet, die die Balken tragen sollten. „Allerdings stellten wir während des Baus fest, dass die vorgesehenen Balken nicht reichen für eine stabile Brücke.“ Doch Farken und Co. wussten sich zu helfen. In einem nahe gelegenen Wald fällten sie Bäume und brachten sie mit Traktoren zur „Baustelle“. Schon am Abend war die Brücke fertig. Jetzt musste nur noch die Tragfähigkeit überprüft werden. Zunächst mit einem Trecker, anschließend mit den Kittlitzer und Kneeser Feuerwehrfahrzeugen. Die Brücke hielt. Sehr zur Freude der Einwohner. Einige von ihnen nutzten die neue Verbindung zwischen dem Lauenburgischen und Mecklenburg noch am selben Tag. Offiziell eingeweiht wurde das Bauwerk gut zweieinhalb Wochen später – am 2. Juni 1990.


Bürger verteidigten die Brücke


Kittlitz`Bürgermeisterin Barbara Eggert ist sich sicher, „dass die Brücke nicht entstanden wäre, wenn beherzte Bürger sie nicht gebaut und verteidigt hätten.“ Denn der illegale Neubau war einigen ein „Dorn im Auge“. Beschäftigte des Kreises Herzogtum Lauenburg hätten mehrfach den Versuch unternommen, die Nutzung der Brücke zu unterbinden. Dank der Einwohner aus Ost und West ohne Erfolg.

Zweieinhalb Jahre lang ersparte die provisorische Verbindung den Einwohnern aus den Gemeinden Kneese und Kittlitz einen etwa acht Kilometer weiten Umweg – bis sie durch einen festen Neubau ersetzt wurde. „Heute“, sagt Kneeses Bürgermeister Hans-Jürgen Hoffmann, der damals beim Bau der Brücke mit angepackt hatte, „ist die Verbindung zwischen Dutzow und Rosenhagen nicht mehr wegzudenken.“ Seit 25 Jahren feiern Einwohner, Gäste und Feuerwehrleute das Brückenfest in Rosenhagen – immer am Tag der Deutschen Einheit. „Es ist, glaube ich“, sagt Farken, „fast das einzige Fest, das von den Einheitsfeierlichkeiten im Umkreis übrig geblieben ist.“

Meinhard Füllner, Präsident des Kreises Herzogtum Laubenburg, lobte das Engagement der Einwohner von Kittlitz und Knesee und freute sich, dass mehrere hundert Besucher den Weg an den Schaalsee gefunden hatten. Füllner bedauerte in seiner Rede aber auch, dass „heute unser Nachbarkreis (Nordwestmecklenburg/Anm. d. Red.) nicht vertreten ist.“

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erstellt am 04.Okt.2014 | 10:38 Uhr

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