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DDR-Geschichte : „Ich hoffe auf eine bessere Gesellschaft“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Theologe Heiko Lietz sprach über die Folgen der Biermann-Ausbürgerung

Im Zusammenhang der derzeit im Grenzhus gezeigten Ausstellung „Der Mut der Wenigen“, fand am Sonnabend ein Zeitzeugen-Gespräch statt. Eingeladen war der Güstrower Theologe und Weggefährte vieler Oppositioneller der ehemaligen DDR, Heiko Lietz. Die rund 30 Besucher älteren Semesters lauschten den Worten des 1943 geborenen Widerständler gegen das SED-Regime. „Ich habe damals nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann einen Brief an Erich Honnecker geschrieben“, erzählt der ehemalige Pfarrer.

Lietz, der nie wegen seiner Protestaktionen gegen die DDR-Obrigkeit im Gefängnis war, schilderte die Zusammenhänge der damaligen Zeit. Er ordnete sowohl die Beweggründe Biermans, den er gut kennt, als auch seine eigenen in die politische Debatte vieler Intelektueller in den 1970-er Jahren ein. „Die Ausbürgerung Biermanns war der Anfang vom Ende der DDR“, lautete sein Fazit.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Martin Klähn. Der Schweriner war ebenfalls in der Oppositionsbewegung aktiv. Zur Zeit der Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976 war er 17 Jahre alt. „Ich hatte vorher eigentlich nie etwas von ihm gehört. Erst als dann die Proteste vieler DDR-Künstler – Schriftsteller, Musiker, Schauspieler – losgingen, wurde mir die Tragweite dieser Vorgehensweise bewusst“, erinnert sich Moderator Martin Klähn.

Sowohl Moderator als auch Gesprächsgast verweigerten den Dienst mit der Waffe und waren in der Friedensbewegung aktiv. Heiko Lietz war damals als Studentenpfarrer in Berlin tätig und besuchte Biermann mehrfach in dessen Wohnung, wo der dann seine Lieder vorspielte. „Biermann stammte aus kommunistischem Hause, ist freiwillig 1953 in die DDR übergesiedelt, weil er hier das bessere Deutschland sah“, so Lietz. Seine Kritik habe sich gegen Partei- und Staatsführung gerichtet. Auch ich habe an eine bessere Gesellschaft geglaubt und tue das immer noch. Ich kann dem Neoliberalismus der BRD nichts abgewinnen“, zieht der Zeitzeuge sein Resümee.

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erstellt am 19.Mär.2017 | 23:08 Uhr

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