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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

10. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

Flüchtlinge in Nordwestmecklenburg : Hohe Stromkosten für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Landkreis setzt in Nutzungsvereinbarungen mit anerkannten Asylbewerbern für vorübergehenden Wohnraum Pro-Kopf-Pauschalen ein

195 Euro Stromkosten pro Monat? Das ist ganz schön happig, sogar für eine fünfköpfige Familie. Vor allem dann, wenn sie in nur zwei Zimmern auf wenigen Quadratmetern untergebracht ist und sich sowohl Sanitär- als auch Küchenbereich mit weiteren Hausbewohnern teilt. So wie die anerkannten Asylbewerber, die im ehemaligen Lehrerhaus im Wismarer Stadtteil Wendorf untergebracht sind.

13 bis 22 Quadratmeter groß sind die Zimmer, in denen die Asylbewerber dort untergebracht sind. Und zwar so lange, bis sie ihren Anerkennungsstatus erhalten haben. Mit dem Ende des Monats, in dem ein Asylbewerber seine Anerkennung erhält, entfällt die Berechtigung zum Verbleib in der während des Asylverfahrens genutzten Unterkunft, die vom Landkreis Nordwestmecklenburg unterhalten wird. Der nunmehr anerkannte Asylbewerber muss sich um eine eigene Wohnung kümmern. „Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass ein Auszug aus der Unterkunft des Landkreises und der Bezug des eigenen Wohnraums in der Kürze dieser Zeit nicht zu erreichen ist“, sagt Landrätin Kerstin Weiss. Um daraus resultierende drohende Obdachlosigkeit zu vermeiden, gestattet der Landkreis den Asylberechtigten, bis zum Ablauf von höchstens drei Monaten noch in der Unterkunft zu verbleiben, um sich in der Zwischenzeit eigenen Wohnraum zu suchen. Für diesen Übergangszeitraum werden keine Mietverträge, sondern so genannte Nutzungsvereinbarungen zwischen Landkreis und Asylberechtigten geschlossen. Inklusive einer Nutzungspauschale.

Und die hat es in sich. Neben den eingangs aufgeführten Stromkosten kommen in dem konkreten Fall noch pauschal 600 Euro für genutzte Zimmer hinzu. Die Stromkosten werden pauschal pro Asylberechtigtem erhoben. 60 Euro pro Erwachsener, 25 Euro pro Kind. Macht bei drei Erwachsenen und zwei Kindern 195 Euro pro Monat. Und das bei einer sehr spartanischen Ausstattung mit elektrischen Geräten, die mit bundesdeutschen Maßstäben nicht einmal ansatzweise zu vergleichen sind. Kühlschrank und Beleuchtung im Zimmer, Elektroherd in der Gemeinschaftsküche und eine Waschmaschine zur gemeinschaftlichen Nutzung im Sanitärbereich.

Da lohnt sich der Blick in ein Stromvergleichsportal im Internet. Die Suchmaschine spuckt für eine allerdings nur vierköpfige Familie in Wismar-Wendorf – bei einem bundesdeutschen durchschnittlichen Verbrauch von rund 416 Kilowattstunden im Monat – eine Summe von circa 95,48 Euro Stromkosten pro Monat im günstigsten Tarif aus. Selbst der teuerste unter insgesamt 426 Tarifen liegt mit 158,88 Euro noch knapp unter der 195 Euro-Lehrerhaus-Pauschale des Landkreises.

Auf SVZ-Anfrage erklärt die Verwaltung dies wie folgt: „Die Erfahrungen des Landkreises im Rahmen der dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern in vom Landkreis angemieteten Wohnraum hat gezeigt, dass die durchschnittlichen Pauschalen, insbesondere Nutzung für Wasser, Abwasser, Strom und Heizung, nicht ausreichen, um den tatsächlichen Verbrauch angemessen zu decken. Der nutzende Personenkreis hat ein vom bundesdeutschen durchschnittlichen deutlich abweichendes Verbrauchsverhalten.“

Während die „Miete“ aus der Nutzungsvereinbarung zwischen den Asylberechtigten und dem Landkreis vom Jobcenter Nordwestmecklenburg getragen werden muss, bezahlen diese den Strom übrigens aus der eigenen Tasche.

 

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erstellt am 02.Nov.2016 | 04:45 Uhr

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