zur Navigation springen

Gadebusch-Rehnaer Zeitung

05. Dezember 2016 | 09:33 Uhr

Erntezeit : Hochadel auf dem Kastanienhof

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Herbstzeit ist Erntezeit für Apfel- und Birnensorten mit Namen wie „Kaiser Wilhelm“, „Prinz Albrecht von Preußen“ oder „Gräfin von Paris“

Bei meinen Sparziergängen durch den Kastanienhofgarten komme ich mir derzeit vor wie in einem Freiluft Swingerclub des europäischen Hochadels vergangener Zeiten: Da kullert „Kaiser Wilhelm“ ganz verliebt in den blassen Taint und das duftende Fleisch seiner Gespielin, einer „Edlen von Thiriot“, durchs Gras und „Prinz Albrecht von Preußen“ treibt es mit einer Dame Namens „Rosa Perle“ von unbekannter, zweifelhafter Herkunft. Etwas genierlich, hinter einer Hecke verborgen, kuscheln „Fürst Blücher“ und „Herzogin Elsa“ unter einem dichten Blätterdach. Und da es auch auf dem Kastanienhof bunt ist, haben der „Herbstprinz“ und sein Freund, der königliche „Kurzstiel“ ihren Spaß im feuchten Gras. Weitere illustre Gäste beim gemeinsamen Schaukeln an Zweigen und Ästen, beim Kullern und Herunterplumpsen sind „Kaiser Alexander“, „Großherzog Friedrich von Baden“, die rotbackige „Goldrenette von Blenheim“ und die süße „Gräfin von Paris“, die übrigens in vielen mecklenburgischen Gärten anzutreffen ist.

Als wir vor fast dreizehn Jahren auf den Kastanienhof gezogen sind waren wir begeistert von den vielen noch erhaltenen alten Obstbäumen im Garten. Da gab es einen „Roten Krieger“-, „Boskoop“- und „Hasenkopf“-Apfel. Aber auch die bekannte „Williams Christ“-Birne und die „Köstliche Birne von Charneux“. Angetan von diesen stattlichen Bäumen, von denen einige noch aus der Aufsiedlungszeit des Hofes vor fast 150 Jahren stammten, haben wir uns intensiver mit alten Apfel- und Birnensorten beschäftigt und viele historische Sorten neu in unseren Garten gepflanzt.

So gibt es jetzt einen „Altländer Pfannkuchen“-Apfel, „Holsteiner Cox“, „Apfel von Croncels“, eine „Sommerscheibe“ und viele mehr.

Genauso wie die Vorbesitzer unseres Hofes haben wir bei der Auswahl der Apfel- und Birnensorten darauf geachtet, nicht nur Früchte, die zum sofortigen Verzehr geeignet sind, zu kultivieren, sondern auch solche Sorten, die lange Zeit lagerfähig sind.
Die „Gräfin von Paris“ ist beispielsweise eine lagerfähige Birne, die langsam nachreift und manchmal bis in den Januar hinein genussreif ist. Bei den Äpfeln sind die „Champagner Renette“ und der „Rheinische Bohnapfel“ die Favoriten im Lagerregal. Je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind diese Äpfel bis Mai oder Juni des nächsten Jahres haltbar.

Die Apfelernte auf dem Kastanienhof erstreckt sich jedes Jahr von August bis zum ersten Frost im Herbst und fordert in dieser Zeit meinen vollen körperlichen Einsatz. Viele Früchte der fast dreißig Apfelbäume auf dem Hof werden übrigens zu Most verarbeitet, der eingekocht als Apfelsaft viele Monate hält. Andere werden getrocknet und mit Bitterschokolade verfeinert als Konfekt genossen oder einfach zu Apfelmus verarbeitet und eingekocht.

Äpfel dürfen übrigens nicht mit Kartoffeln, Wurzelgemüse oder anderem Obst in einem Raum gelagert werden. Das während der Lagerung von Äpfeln frei werdende Gas Äthylen beschleunigt den Reifeprozess bei Früchten und Gemüse. Kartoffeln und eingelagertes Wurzelgemüse werden durch dieses Gas schnell schrumpelig und verderben. Ich lagere unsere Äpfel immer auf dem Dachboden, weitab von den Kartoffeln, Pastinaken und Möhren im Keller.

Um Druckstellen zu vermeiden werden die handgepflückten Früchte in flache, stapelbare Holzkisten gelegt, ohne dass sie sich berühren.
Es hat keinen Sinn, Fallobst zu lagern. Dieses hat immer Druckstellen, die nach wenigen Tagen faulig werden.

Der weitaus größte Teil unserer Äpfel wird jedoch zu unserem wichtigsten hofeigenen Produkt, dem Apfelwein vergoren, der besonders an warmen Sommertagen gut gekühlt nicht nur von unseren Café-Besuchern geschätzt wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen