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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

27. Mai 2016 | 22:04 Uhr

Euroimmun Dassow : Ein Pionier der Medizintechnik

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Das Unternehmen Euroimmun ist einer der weltweit führenden Hersteller von Diagnosetechnologien

Eine ältere Frau kann vor allem morgens ihre Finger nicht mehr richtig bewegen. Ihr Hausarzt führt eine Blutuntersuchung durch, um herauszufinden, ob es sich um eine rheumatische Erkrankung handelt. Die Reagenzien für den Nachweis dieser Autoimmunerkrankung stammen in Deutschland in den meisten Fällen von der Firma Euroimmun. Denn mit mehr als 1800 Mitarbeitern in insgesamt zwölf Ländern zählt das deutsche Unternehmen zu einem der weltweit wichtigsten Herstellern medizinischer Labordiagnostika. Einen 16 500 Quadratmeter großen Standort mit 460 Mitarbeitern hat die auf medizinische Spitzentechnologie spezialisierte Euroimmun auch in Dassow, Nordwestmecklenburg.

„Alles, was der Labor-Arzt braucht, um Autoimmun- und Infektionskrankheiten und Allergien im Blut festzustellen, produzieren wir hier“, sagt Axel Blankenburg aus dem Finanzvorstand des Unternehmens. An den sechs deutschen Standorten Dassow, Groß Grönau, Pegnitz (Bayern), Rennersdorf und Bernstadt (beides Sachsen) und dem Stammsitz Lübeck entwickelt Euroimmun Testsysteme zur Bestimmung von Krankheiten sowie Software und Automatisierungslösungen zur Durchführung und Auswertung solcher Tests. In mehr als 150 Ländern finden die Euroimmun-Produkte Anwendung. „Wir produzieren hier ausschließlich Testsysteme für ärztliche Laboratorien – Untersuchungen und Therapien werden nicht angeboten“, sagt Annekathrin Staub, Sprecherin von Euroimmun, das 1987 gegründet wurde.

Im wahrsten Sinne des Wortes hat ein Hauch von Nichts das Unternehmen von Winfried Stöcker weltberühmt gemacht: die Biochip-Technologie. Dabei werden vier Mikrometer, also vier Millionstel eines Meters, tierisches Gewebe auf einer dünnen Scheibe Glas drappiert. Maschinell werden die hauchdünnen Folien dann in millimetergroße Fragmente geteilt. Für dieses Verfahren wurde Euroimmun 1989 mit dem Schmidt-Römhild-Technologiepreis ausgezeichnet. „Diese Biochips werden genutzt, um Antikörper nachzuweisen“, erklärt die 34-Jährige weiter. Dies seien Eiweißmoleküle, die vom Immunsystem gebildet werden und wichtige Hinweise auf die grundlegende Erkrankung liefern können.

„Und die Technik entwickelt sich immer weiter. Wir sind heute schon in der Lage, auf der Fläche eines kleinen Fingernagels in etwa 500 Chips herzustellen“, sagt Alex Blankenburg. Ebenso rasant wie der Fortschritt der Technik sei auch die Entwicklung des Unternehmens gewesen. „Als wir 2008 den Standort Dassow eröffneten, waren wir zu sechst. Zu sechst auf 16 500 Quadratmetern, das war abenteuerlich, aber traumhaft. Das Handy war natürlich unverzichtbar“, scherzt der 59-Jährige.

Heute arbeiten allein in Dassow 460 Mitarbeiter der insgesamt 1300 deutschen Angestellten in den Bereichen Immunologie, Zellbiologie, Biochemie und Molekularbiologie. Und das mecklenburgische Werk wächst weiter. „Im April ist Baustart für weitere 16 000-18 000 Quadratmeter direkt gegenüber. Bis spätestens Anfang 2016 sollen so neue Labore, Büros und Werkstätten entstehen“, erläutert Blankenburg. Damit würde sich die Zahl der Dassower Mitarbeiter auf etwa 800 erhöhen. „Wir sind ein junges Team, der Altersdurchschnitt liegt bei 35 Jahren. Außerdem sind mehr als 60 Prozent unserer Mitarbeiter Frauen“, so Blankenburg weiter.

Umso wichtiger seien deshalb die betriebseigenen Kindergärten, erklärt der 59-Jährige. Eingearbeitete und qualifizierte Fachkräfte könnten somit schneller ins Berufsleben zurückkehren. „Seit einem Jahr besuchen rund 20 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren den Kindergarten in Dassow“, ergänz Annekathrin Staub.

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erstellt am 26.Jan.2015 | 07:58 Uhr

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