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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

08. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

Wismar : Ein „Make up“ für den Kutter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fischereiboot von Stefan Kübart, bekannt durch seine Auftritte im Hafen zum Start der jährlichen Heringstage, erhält neues Outfit

„Irgendwann muss der Kutter mal wieder raus aus dem Wasser“. Diese Erkenntnis und gleichsam Notwendigkeit reift bei Stefan Kübart in regelmäßigen Abständen. Inzwischen hat der Wismarer Berufsfischer den geeigneten Zeitraum gefunden und seit dem steht WIS 008 auf dem Trockenen. Genutzt wurde dazu eine Situation, wo es wegen der Wetterlage zum einen nicht lohnt, zu den Stellnetzen in die innere Wismarbucht zu fahren. Zum anderen sollte die Situation, um im Freien arbeiten zu können, auch passen. Als gelernter Bootsbauer weiß er zudem, dass es Temperaturen möglichst im zweistelligen Bereich bedarf, um die Bootshülle entsprechend neu zu konservieren. Vorangegangen war ein ordentliches Abschrubben des Unterwasserschiffes und am Ende auch Schleifen. Immerhin hatten Algenbewuchs und Muschelbefall am so genannten GFK-Rumpf in Scheinklinkerbauart einige Spuren hinterlassen.

Das ist inzwischen geschehen. Nur das Auftragen des Antifoulings, des Anstrichs unterhalb der Wasserlinie seines 7,20 Meter langen Kutters ist noch zu beenden. Damit erst im zeitigen Frühjahr zu beginnen, ist ihm zu unsicher. Schließlich hat er bereits zugesagt, mit seinem Kutter den maritimen Auftakt zum Start der nächsten Wismarer Heringstage zu übernehmen, die vom 18. März bis 2. April 2017 stattfinden. Da möchte er schon, dass sein „Schiffchen“ beim 15. Heringstageauftakt ordentlich in Farbe steht. Bisher hatte er mehr als die Hälfte von dem auch medienwirksamen , jährlichen Anlandungszeremoniell zu Ehren des Herings mit seinem Kutter vor den Augen hunderter Hafenbesucher bestritten.

„Ich mache es noch gern, auch wenn es im Fischerberuf derzeit gar nicht rosig aussieht“, konstatiert er nüchtern. Dabei kommt er aus aktuellem Anlass nicht umhin, das Reizthema Fangquotenregelung der EU anzusprechen. 56 Prozent weniger Dorsch fangen zu dürfen als im Vorjahr, sei für ihn schon heftig.

Doch der Leidensweg, der die insgesamt drei noch tätigen Wismarer Berufsfischer einschließt, hat bereits früher begonnen: Der als lukrativer „Brotfisch“ bezeichnete Dorsch macht sich schon länger in den Flachwasser-Stellnetzen der Wismarbucht rar. Und das ungeachtet der Fangquotenfestlegung. Etliche Vorschläge von „oben“ habe es bereits gegeben, um die Situation in diesem Gewerbe zu verbessern. Sogar von Entschädigungen bei Stilllegung von Kuttern ist die Rede. Abwrackprämien kassieren, um damit gleichzeitig den Beruf aufzugeben, käme für den 50-jährigen Wismarer nicht in Frage. Überhaupt, scheint die gesamte Fischereipolitik weiterhin im Argen zu liegen. „Für den Erhalt der traditionellen Fischerei, wie sie an den flachen Küstenabschnitten mit den Stellnetzen erfolgt, wird zu wenig getan“, findet Kübart. Zudem werde seiner Meinung nach zwar viel geredet, auch Ideen zur Verbesserung der Situation werden entwickelt, doch eine konkrete, staatliche Unterstützung habe ihn persönlich nur selten erreicht. Sein Fazit: „Wer von und mit diesem Beruf leben will, muss das irgendwie aushalten. Und es braucht dabei mehr als nur Enthusiasmus. Mit Eintritt in den Ruhestand ist bei mir Schluss, denn Nachwuchs ist definitiv nicht in Sicht“, so lautet die nüchterne Erkenntnis von Kübart.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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