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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

27. Mai 2016 | 06:32 Uhr

Wismar : Die Welt der Seefahrt in der Stube

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Beruf und Hobby in Einklang: Hafenfachmann sammelt maritime Erinnerungsstücke von Schiffen und Reedereinen

Es ist behaglich warm und gemütlich in der „guten Stube“, sprich dem Hobbyraum von Harry Tischmann. Von so einer separaten Möglichkeit kann manch anderer nur träumen, um so einer Sammlerleidenschaft zu frönen.

Rund um die bequeme Sitzecke bestimmen Vitrinen, Regale und Borte, die teilweise bis unter die Decke ragen, den museal-maritim anmutenden Charakter. Zudem sind etliche Schiffsporträts zu entdecken, so genannte Kapitänsbilder, dazu maritime Literatur und die verschiedensten Erinnerungsstücke aus der Seefahrt und zur Wismarer Hafengeschichte. „Die wollte damals niemand mehr haben als das historische Zollhaus als früherer Verwaltungsbereich des Hafens beräumt wurde“, so der Sammler. Schließlich ist er dort mehr als 41 Jahre lang tätig und das verbindet.

Dann ist da noch die Kanada-Ecke, denn fast jährliche Besuchsreisen führen ihn und seine Frau während des „Indian Summers“ dorthin. Was vor allem ins Auge sticht sind maritime Tischwimpel in schier unüberschaubarer Zahl. In Gruppen auf den verschiedensten Regalen verteilt, hängen aus Platzmangel einzelne Borte sogar hoch oben, unter der Decke. Da fällt es dem Außenstehenden schwer, den Umfang der Sammlung zu schätzen.

„Bisher so um die 600“, antwortet Tischmann mit einem verschmitzten Lächeln. Und jedes einzelne Fähnchen kann er, weil mit System sortiert, der jeweiligen Reederei zuordnen. „Hier ist zum Beispiel der Bereich der 20 größten weltweit agierenden Containerschifffahrtslinien, dort stehen nur solche von den Tankerreedereien und hier hinten sind es die von Schiffen des Güter- und Fährverkehrs im Ostseeraum“, so die weitere Erklärung. Und wenn es mal um Detailwissen geht, dann hilft seine zahlreiche Fachliteratur. Folglich liegt einer der Titel: „Giganten der Meere“ griffbereit ganz in der Nähe.

Wie man zu einem solchen Fundus gelangt, erklärt der 58-jährige Hafenfachmann so: „Bei der Vielzahl der Schiffe, die über Jahrzehnte den Wismarer Hafen anliefen, war beim Zusammentragen einfach nur Ausdauer und Kontinuität gefragt.“ Doch nicht jeder Kapitän konnte sofort helfen. So entstand im Laufe der Zeit eine umfangreiche Korrespondenz mit großen und kleinen Reedereien rund um den Globus. Leider existieren von den Unternehmen, die ihn einst in seiner Sammelleidenschaft unterstützten, aufgrund der Auswirkungen der weltweiten Schifffahrtskrise nicht mehr alle. Einen noch größeren Umfang nehmen die meist großformatigen Bilder an, die er von Schiffen, meist mit Wismarer Hafenbezug, zusammengetragen hat. Davon hat er inzwischen etwa 5000 aufbewahrt. Der originale Schiffsstempelabdruck vom jeweiligen Kapitän sorgt für zusätzliche Authentizität.

Gerade ist ein schicker Großkalender 2016 der Reederei Hamburg Süd bei ihm eingetroffen. Der Grund: „Ich hatte mich mal mit einer anspruchvollen Bildreproduktion eines der Reederei-Schiffe bedankt, welches in den 1950-er Jahren in Wismar Autos lud. Seitdem darf ich mich zum Ende jedes Jahres über einen Kalendergruß freuen.“

Doch Tischmann weiß ebenso: Ohne maritime Kontaktpflege läuft gar nichts. Dies betrifft nicht nur den Erhalt der Sammlerleidenschaft. Neues und Wissenswertes schöpft er seit etwa zehn Jahren aus der Mitgliedschaft im Nautischen Verein zu Wismar. Neben interessanten Vorträgen nutzt er gern Exkursionsangebote des Vereins, die ihn schon mehrfach in ausländische Häfen führten. „Es ist außerordentlich interessant, wie rasant sich das Umschlagsgeschehen zum Beispiel im litauischen Hafen Klaipeda über die Jahre entwickelt hat, den wir in diesem Jahr besuchten“, so seine Erinnerung.

Sein maritimes Hobby verbindet er gleichzeitig mit Ehrenamt. Dazu trägt er den Arbeitsschutzhelm mit der Aufschrift ITF. Es ist die Abkürzung für: International Transport Förderation, mit Hauptsitz in London. Zum besseren Verständnis: Darin ist auch die deutsche Gewerkschaft Verdi integriert. Dazu noch einmal Tischmann: „In Englands Hauptstadt war ich in dieser Eigenschaft zwar noch nicht, dafür standen Schiffsbegehungen zugunsten der Rechte der internationalen Seeleute auf dem Programm.“ Die führten den Wismarer in dieser Eigenschaft bereits nach Hamburg, Lübeck und Rostock.“

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erstellt am 13.Jan.2016 | 00:02 Uhr

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