zur Navigation springen

Gadebusch-Rehnaer Zeitung

03. Dezember 2016 | 20:48 Uhr

Fahrverbote in Innenstädten : Die Sorge der Diesel-Fahrer

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die Diskussion um mögliche Fahrverbote in Innenstädten verunsichert Autofahrer. Kfz-Innung plädiert für Umstiegsprämien

Kein Aufatmen für die 24 483 Menschen oder Firmen, die im Kreis Nordwestmecklenburg Dieselautos der Schadstoffklassen Euro 1 bis Euro 5 besitzen: Zwar hat das Bundesumweltministerium gemeldet, es habe das Thema Blaue Plakette bis zum Herbst auf Eis gelegt. Das Umweltbundesamt bläst aber trotzdem weiter zum Sammeln für alle, die mittels blauer Umweltzonen rot-gelb-grünen Dieseln die Einfahrt in Stickoxid belastete Stadtzentren verbieten wollen. Es hält eine Blaue Plakette, mit der nur noch die Dieselfahrzeuge in die Innenstädte fahren dürften, die die Euro-6-Grenzwerte auch im Fahrbetrieb nicht überschreiten, für die effizienteste Maßnahme. Eine der größten Kraftfahrzeuginnungen Deutschlands plädiert hingegen schon länger für ein anderes Konzept: Umstiegsprämien von alten auf neue Diesel oder Benziner oder Elektroautos. Aber nur, wenn dafür auch alte Diesel verschrottet werden und die Luft sauberer wird.

Beim jetzigen Stand der Dinge gäbe es im Kreis Nordwestmecklenburg für rund 93,8 Prozent aller Diesel keine blaue Plakette. Und wenn aktuell sogar noch 6712 Fahrer mit Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro 1 bis Euro 3 unterwegs sind, wie die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes für 2016 ausweisen, dann gilt für die, was auch in der Feinstaubhauptstadt Stuttgart gilt. Dort wies Torsten Treiber als Obermeister der Innung darauf hin, dass die Blaue-Plaketten-Idee nicht nur die Besitzer von Dieselfahrzeugen bis Euro 5 jetzt bares Geld kostet, weil der Wert ihrer Pkw bereits durch die Diskussion sinke. Er kritisierte auch, dass alle, die auf den Diesel eindreschen, vollkommen vergessen hätten, wen das träfe: „Menschen, die ältere Pkw fahren, tun dies meistens nicht, um der Umwelt bewusst zu schaden, sondern weil das Haushaltseinkommen begrenzt ist. Wenn die Politik die gestern hochgelobten Umweltdiesel morgen aus dem Verkehr ziehen will, dann geht das nur mit Umstiegsprämien.“

Bei Dieseln sind die Partikel krebserregend und der Stickoxidausstoß ist gesundheitsgefährdend. In beiden Fällen gilt die Faustregel, je älter der Diesel, desto problematischer. Deswegen gibt es unterschiedliche Schadstoffstufen und bei denen sah die Verteilung zu Jahresanfang und im Vergleich zu 2015 bei uns so aus: Euro 1: 188 Diesel-Pkw (Vorjahr: 221). Euro 2: 1828 Diesel-Pkw (Vorjahr: 2023). Euro 3: 4696 Diesel-Pkw (Vorjahr: 5090). Euro 4: 7492 Diesel-Pkw (Vorjahr: 7811). Euro 5: 10.279 Diesel-Pkw (Vorjahr: 8.805). Euro 6: 1.434 Diesel-Pkw (Vorjahr: 371). Ohne Emissionsgruppe, weil zumeist Oldtimer, sind 77 Diesel-Pkw (Vorjahr: 85).

Das Problem der Partikel- und NOx-Schleudern erledigt zumindest teilweise auch der Zahn der Zeit: In der Gruppe der Euro 1-Diesel sank die Zahl der Pkw im Kreis Nordwestmecklenburg binnen eines Jahres um 33 Fahrzeuge. In der Gruppe Euro 2 betrug der Rückgang 195 Pkw. Euro 3-Diesel wurden von 2015 auf 2016 um 394 weniger. Euro 4-Diesel verringerten sich im gleichen Zeitraum um 319 Pkw. Neue und gebrauchte Diesel der Gruppe Euro 5 kamen aber noch 1474 zusätzlich auf die Straßen. Die Euro 6-Diesel nahmen um 1063 zu.

Wenn's schneller gehen soll, muss der Austausch durch Anreize beschleunigt werden. Jetzt liegt der Ball bei den Verkehrsministern. Eine Arbeitsgruppe der Verkehrsministerkonferenz soll Vorschläge machen. „Wir sind offen für Alternativen“, heißt es aus dem Umweltministerium.

Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Kraftfahrzeuggewerbes, kennt schon eine: „Die Hersteller von Nachrüstsystemen sind dabei, Euro 6-fähige Systeme zu entwickeln.“ Das System ist so aufgebaut, das es sowohl beim Personenkraftwagen als auch Nutzfahrzeug einsetzbar sein soll.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen