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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

28. Mai 2016 | 22:06 Uhr

Gadebusch : Die Rückkehr des Chorbogens

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Mittelalterliche Schnitzkunst als Dauerleihgabe in der Stadtkirche Gadebusch

Zehn Männer, ein Holzbogen mit filigranen Schnitzereien aus dem Mittelalter, den Mut mit all dem Gewicht auf einem schmalen Gerüst zu balancieren und viel Organisationstalent: In Gadebusch wurde das möglich, was einige kulturhistorisch interessierte Bürger kaum noch für möglich hielten. Zum Weihnachtsfest bekam die Stadtkirche Gadebusch ihren mittelalterlichen Chorbogen zurück. Schnitzkunst aus der Gotik, die im Zuge der Reformation vor fast 500 Jahren aus der Kirche zurückgebaut wurden. „Wir freuen uns, dass die Verhandlungen mit dem Landesmuseum erfolgreich verliefen und wir den seit der Sanierung des Hauses gehegten Wunsch erfüllen konnten“, sagt Pastorin Ariane Baier.

Auf zwei Jahre erstreckten sich die Verhandlungen. Bis zum Ergebnis zahlreiche Fragen zur Sicherheit der Dauerleihgabe als auch um den geeigneten Standort endgültig geklärt waren.

Mit Giesbert Wolf als einen sich für die Stadtkirche engagierenden Architekten und Restaurator Peter Jankowski gelang der Kirchgemeinde letztlich, ihrem Gotteshaus die „Krone“ aufzusetzen. „Der Chorbogen ist das i-Tüpfelchen und wertet die Stadtkirche auf“, meint Baier. Es sei einfach schön, dass das Landesmuseum für Mecklenburg diesen Schritt getan habe. „Wir können diese Arbeiten einer spürbar zunehmenden Zahl von Touristen zeigen“, sagt Baier. Nicht zuletzt steht die Stadtkirche von Gadebusch auf der Liste der Denkmäler von nationaler Bedeutung.

Vor der Präsentation am Heiligabend lag die Arbeit. Restaurator Peter Jankowski beschrieb den Zustand der Schnitzereien als desolat. Alle noch vorhandenen 14 Einzelteile fügte er nach umfangreicher Behandlung zu einem Gesamtbild, das heute auf denen von Architekt Giesbert Wolf entworfenen Holzsäulen dem Chorraum ein neues Antlitz gibt. „Anfangs kannte ich den Bogen nur vom Papier, dann war ich skeptisch. Jetzt, wo alle Teile montiert sind, bin ich davon überzeugt, dass die Stadtkirche eine Aufwertung erfahren hat“, sagt Gerhard Schotte. Er gehörte zum zehnköpfigen Aufbauteam, das auf schmalen Gerüstbohlen den Chorbogen an die richtige Position brachte.

Die Geschichte des Chorbogens ist lang. Alle Details ließen sich heute nicht mehr zusammentragen, meint Pastorin Ariane Baier. Das Kunstwerk stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert und war Teil einer Chorschranke, die bis zum Boden reichte. Sie trennte die Sitzreihen der Geistlichkeit vom Volk. Mit der Reformation verschwanden die Bauteile aus der Kirche, und die Trennung wurde aufgehoben. „Der Bogen ist vermutlich noch geblieben, bis im 19. Jahrhundert die Schnitzereien innerhalb der Stadt an verschiedenen Standorten lagerten, unter anderem im Rathaus“, so Ariane Baier. Großherzog Friedrich Franz interessierte sich in dieser Zeit für die Kunstwerke und tauschte die mittelalterlichen Bauteile gegen ein neugotisches Altarbild, das Jesus beim Beten zeigt. Im großherzoglichen Museum und in Schwerin waren die Gadebuscher Chorteile bis ins 20. Jahrhundert ausgestellt. Mit der Neugestaltung der Stadtkirche zwischen 1914/16 fanden sie ihren Weg nicht zurück und verschwanden in den Magazinen des Museums. Nicht wenige Bauteile sind seit dem Mittelalter verschwunden.

„Mit der nun abgeschlossenen Sanierung unseres Hauses finden wir gute Bedingungen vor, diese Kulturschätze der Öffentlichkeit zeigen zu können“, sagt Ariane Baier. Möglich wurde dies durch das Engagement der Dom-Liesegang-Stiftung. Sie legte für die Stadtkirche ein Stiftungskapital fest. Die jährlichen Ausschüttungen dienen vor allem dem Erhalt des Bauwerkes und in diesem Jahr der Restauration und dem Aufbau des Chorbogens. 

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erstellt am 27.Dez.2014 | 00:17 Uhr

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