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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

07. Dezember 2016 | 23:14 Uhr

Autor in Gadebusch : Die Fallstricke der digitalen Welt

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Thomas Feibel im Gespräch mit Schülern

Die digitale Welt, das Leben mit dem Smartphone, Facebook und Co – mit einem Erwachsenwerden beim Toben im Stroh auf dem Bauernhof, mit Freunden im Gespräch den Sternenhimmel zu beobachten und warten, was der nächste Tag so bringt, damit hat das Leben heutiger Jugendlicher auch in Gadebusch gefühlt wenig zu tun.

Eine ständige Erreichbarkeit prägt längst den Alltag. Wie damit umgehen? Wo lauern Fallstricke? Und was könnte ich anderen Menschen mit einer falschen Nachricht bei Facebook antun? Antworten vermittelte Thomas Feibel, Autor, Journalist und Medienexperte, in einer etwas anderen Deutschunterrichtsstunde in der Gadebuscher Stadtbibliothek.

In seinem Buch „Ich weiß alles über dich“ erzählt der Berliner Autor ein wenig aus seinem Leben und Geschichten, wie sie sich in der modernen Welt so zugetragen haben könnten und zutragen.

Feibel, er ist ein aufmerksamer Beobachter. Ein Mann, der die Sprache der Jugendlichen versteht und mit seinen Geschichten der Lebensrealität sehr nahe kommt. Der Protagonist in seinem Buch ist Joshua. Ein Junge mit einer großen Liebe, die er sich nicht anzusprechen traut. Seine Mutter hingegen empfängt ständig neue Bekanntschaften aus dem Internet. Er muss das Weite suchen, seine Zeit in Kosumtempeln oder am Handy verbringen, abtauchen in die Welt des Internets mit ihren sozialen Medien.

In der Stadtbibliothek Gadebusch verfolgen die Schüler Feibels Programm aufmerksam. Ein leichtes Grinsen verrät, dass sich die Jugendlichen angesprochen fühlen. In der Geschichte greift Joshua über einen Internetzugang seines Kumpels auf dessen private Daten zurück und veröffentlicht unter dessen Namen ein intimes Foto einer Schülerin. Die Folge: Unschuldige werden verachtet, die sonst unauffällige Schülerin wird gemobbt und versucht sich das Leben zu nehmen. Die Bildveröffentlichung entwickelt sich zu einem Streich mit ungeahnten Folgen, dessen Ausgang zur Zerreißprobe auch für den Protagonisten wird.

„Haben sie das alles selbst so erlebt?“, fragt Maximilian von der Heinrich-Heine-Schule. Er ist fasziniert von der Klarheit der Wortbilder. Feibel signalisiert, in Teilen seine Erlebnisse im Buch aufgeschrieben zu haben. Für Maximilian bleibt es spannend: „Ich lese eigentlich nicht besonders gern, aber dieses Buch klingt interessant.“

Bibliothekarin Martin Torner findet in solchen Worten Bestätigung für ihre Arbeit: „Das wollen wir erreichen“, sagt sie. Deutschlehrerin Steffi Wachter-Lehn fügt hinzu, dass die Themenvielfalt und die Zusammenarbeit mit der Bibliothek zielführend sei.

Das Werk „Ich weiß alles über dich“ verdeutlicht in jugendlicher Sprache, welche Auswirkungen eine fehlende Privatsphäre im Internet hat.

Feibel kennt sich aus in der digitalen Welt. Er selbst testet Computerspiele, verleiht kindgerechten Spielen das Gütesiegel „Tommi“ , mischt sich ein und spricht über mögliche Auswirkungen der so hoch gelobten digitalisierten Spielewelt auf dem Smartphone – die Nutzer ständig zurück ins Spiel beordert. Vergleiche mit dem realen Leben helfen, wieder klar zu denken: „Stellt euch mal vor, bei eurem Buch fangen die Seiten an zu flattern, als ein Zeichen dafür, dass die Helden darin auf eine Fortsetzung warten...“. Das Smartphone sei ein digitales Kaufhaus, das durch die Standortsuchfunktion Produktanbietern und Internetfirmen ständig verrate, wo sich der Nutzer aufhält und was er so konsumiere.

 

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erstellt am 10.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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