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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

26. September 2016 | 14:13 Uhr

Rehnaerin verschenkt historische Dokumente : Der Weichenwärter von Lüblow

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Renate Neumann aus Rehna begeistert Heimatstube mit historischen Unterlagen des Eisenbahners Ernst Baars

Rehna/Lüblow Vergilbte Fotos, alte Urkunden, Tagebücher, einen Wehrpass und  Verdienstbescheinigungen  aus Reichsbahnzeiten – wenn Rita Neumann aus Rehna  im  beinahe unscheinbaren Karton auf dem Stubentisch kramt, steigt  bei Ortschronist Karl-Friedrich Groth die Neugierde.   Er ist zum Kaffee bei  Rita Neumann eingeladen.  Der Mann aus Lüblow bei Ludwigslust ist Eisenbahner mit  Leidenschaft und das selbst nach seiner Pensionierung. „Bei uns im Ort gibt es eine Heimatstube mit sieben Ausstellungsräumen, in der über die    Geschichte des Haltepunktes  bis zum Bahnhof und deren  Personal berichtete wird“, erzählt Museumsleiter Groth. 

Ein Engagement, das Rita Neumann faszinierte, als sie darüber im Mecklenburg Magazin der Schweriner Volkszeitung liest. Jener Bahnhof  und das, was sich im Laufe der Geschichte zutrug, ist Teil ihrer Familiengeschichte. „Mein Großvater Ernst Baars war Eisenbahner und das noch vor Reichsbahnzeiten, als die Strecke bei Lüblow von der Friedrich-Franz-Eisenbahn bedient wurde.“ Eine Urkunde des Großherzogs von 1914 gibt  Auskunft über die Bestellung von Baars vom Bahnwärter  zum Weichenwärter am Haltepunkt Lüblow.

Karl-Friedrich Groth ist fasziniert: „Ernst Baars taucht in den  Mitarbeiterlisten der Reichsbahn auf. Dass er bereits zu Zeiten der Friedrich-Franz-Eisenbahn dort tätig war, ist für uns neu.“   Für die Lüblower Eisenbahnenthusiasten   fügt  sich damit  ein weiteres Puzzleteil in ihre Museumsarbeit ein. Die Reise in die Geschichte geht weiter:  Groth  hält ein persönliches Tagebuch von  Baars in den Händen und blickt hinein. „Die Sütterlinschrift liest sich schwer.“ Es handelt sich um Aufzeichnungen   von der Einberufung zum Kriegsdienst, seinen Dienst als Feldeisenbahner mit russischen Kräften in  Szadow.  Bilder und weitere Dokumente finden sich. „Ein kleiner Schatz“, sagt Rita Neumann und überreicht Groth die Sammlung. „Ich denke, das ist im Sinne meines Großvaters, wenn  diese Daten und Geschichten für die Allgemeinheit und  museale Arbeit  bereitgestellt werden“, sagt sie.  Ihren Großvater, der 1951 starb, habe sie nie kennengelernt,  aber die Erzählungen ihres Vaters mit Neugierde verfolgt.

Damals mussten Eisenbahner mit 1290 Mark im Jahr ihr Leben bestreiten. Obendrauf gab es eine Dienstwohnung. Lüblow  war  nicht die einzige Station von  Ernst Baars. „Von dort ging es nach Lübstorf und später an den Bahnhof nach Rehna“, erzählt Rita Neumann.  Mit der Übergabe der Sammlung kehren die Dokumente zurück nach Lüblow, dem einstigen Haltepunkt, späteren Bahnhof  und wieder heutigen Haltepunkt der Deutschen Bahn.  Dafür aber in einen Ort mit Geschichte und nun vollständigeren Geschichtsbüchern, dank des  Eisenbahners Ernst  Baars und seiner Enkel.   Rita Neumann steht hinter ihrem Entschluss: „Für mich ist es wie die Schaffung eines Gedenksteines für meinen Großvater.“

Volker Bohlmann

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erstellt am 22.Sep.2016 | 04:45 Uhr

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