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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

03. Dezember 2016 | 05:38 Uhr

Gadebusch : Der Traum vom sanierten Schloss

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Stadt lehnte nach der Wende Übernahmeangebot in Höhe von einer Mark ab . Verein Hoffnungsgut umstrukturiert und schwer erreichbar

Der Zustand des Schlossareals in Gadebusch bewegt die Menschen. Zahlreiche Bürger wünschen sich eine Sanierung sowie kulturelle und öffentliche Nutzung des ehemaligen Fürstensitzes. „Solch ein Projekt gehört nicht in private, sondern in öffentliche Hände mit Beteiligung von Bund, Land und Stadt“, sagt Kerstin Schnürl. Die Buchhändlerin spricht von zahlreichen Touristen, die im Geschäft nach dem Schloss fragen und enttäuscht sind, wenn sie auf einem verlassenen Hof und vor dem verriegelten Haus stünden.

Die Initiative von Klaus Leuchtemann, Kornelia Neuhaus Kühne und Gerald Brincker begrüßt sie und macht sich so ihre Gedanken: „Gadebusch kommt für mich gleich hinter Schloss Bothmer, auch dort waren die Eigentümerwechsel eine Odyssee.“ Jetzt investiert dort das Land MV.

Die Tragödie von Gadebusch ist in Teilen auch hausgemacht. Das empfindet zumindest Rudolf Pieper. Der erste nach der Wende frei gewählte Bürgermeister von Gadebusch erinnert sich: „Ich habe mich stets dafür eingesetzt, dass Gadebusch das Schloss übernimmt. Dafür gab es leider keine Mehrheiten.“ Ein Blick in die Geschichte: Die Zuordnung des Hauses gestaltete sich nach der Wende kompliziert. Grundlage der Zuordnung wurde der letzte Grundbucheintrag. „Zum Zeitpunkt der Wende war es das Deutsche Reich und nicht die Stadt“, erinnert sich Pieper. Damit wurde die Bundesrepublik Rechtsnachfolgerin. Horst Stutz und er hätten in Gadebuscher Gremien für eine Mehrheit zur Übernahme des Schlosses gerungen, dies vergeblich. „Der Bund hat uns das Areal für eine symbolische Mark angeboten. Wir legten ein Konzept für die Unterbringung von Archiv und Museum vor“, so Pieper. Dies ohne Erfolg. „Auf Vorschlag von Bürgermeisterin Ingrid Schafranski verzichtete Gadebusch damals auf das Übernahmeangebot, der Bund verkaufte das Haus an einen Privatmann“, so Pieper. Die Kommune war der Herausforderung nicht gewachsen, setzte auf die Stadtsanierung.

Für ihn sei das damals ein unüberlegter Beschluss gewesen. „Solch ein Projekt braucht Zeit. Rehna und Zarrentin demonstrierten eindrucksvoll wie sich Klosteranlagen sanieren lassen. Auch Gadebusch wäre nach mehr als 20 Jahren sicherlich im Besitz eines sanierten Schlosses“, so Pieper.

Dass das Haus heute noch steht, dürfte u. a. dem Engagement von Schleswig-Holstein zu verdanken sein. Das Nachbarland finanzierte die Dachsanierung. Ein Geschenk.

Vor wenigen Jahren wagte Pieper in Gadebusch erneut einen Vorstoß. Ohne Erfolg: Die Aktivierung der Kommunalvertreter schlug fehl. Rudolf Pieper: „Ich bin davon überzeugt, die Stadt hätte längst eine Initiative ergreifen müssen.“ Was der Kommune bleibt, ist die Hoffnung und das Warten auf den Verein „Hoffnungsgut“. Bürgermeister Ulrich Howest: „Die allerbeste Lösung wäre es, wenn der Eigentümer seinen Verpflichtungen nachkommt und ein Nutzungskonzept einbringt. Da das Schlossensemble im Sanierungsgebiet liegt, würden wir bei völlig artfremder Nutzung natürlich den Finger heben und ein Veto einlegen.“

Immerhin entwickeln sich innerhalb der Stadt Gadebusch neue Ideen. Christoph Struck: „Ich habe Kontakt zur Hochschule Wismar aufgenommen. Professor Dr. Frank Braun von der Fakultät für Ingenieurwissenschaften/Bereich Bauingenieurwesen hat sich das Areal angeschaut. Vorstellbar ist, dass Architekturstudenten der Hochschule im Zeitraum Oktober 2015 bis Januar 2016 verschiedene städtebauliche Entwürfe entwickeln, die man dann diskutieren kann.“

Die Gesprächsversuche mit den Eigentümern gestalten dafür schwierig. Das achtköpfige Kuratorium existiert scheinbar nur auf dem Papier. Nach mehreren Versuchen ist Gremiummitglied Ute Krause erreichbar. Als ihr klar wird, dass sie mit der Redaktion der SVZ spricht, sind eingehende Telefonate dringlicher. Sie wirkt nervös: „Ich habe damit nichts mehr zu tun. Fragen sie Frau Boll oder Herrn Beyersdorf. Ins Kuratorium bin ich nur gekommen, weil damals Leute gebraucht wurden.“

Christa Boll firmiert als Beraterin für Unternehmen. Sie meldet sich auf unsere E-Mail, ruft an. Sie erzählt, dass der Verein sich umbenannt hat und dass sie heute „weder im Kuratorium noch im Vorstand mitarbeitet“. Seit Monaten sei sie nicht mehr aktiv. Die erfolglose Vereinsarbeit habe an der Problematik Fördermittel gelegen. „Fragen Sie bitte Herrn Evers, er und Herr Beyersdorf arbeiten im Vorstand.“ Beide waren gestern nicht erreichbar.

 

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erstellt am 20.Mär.2015 | 06:00 Uhr

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