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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

09. Dezember 2016 | 18:26 Uhr

Gartenplanung in Stöllnitz : Der Schrebergarten war gestern

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Susanne Reiter plant und gestaltet naturnahe Gärten im ökologischen Gleichgewicht und nach den Wünschen ihrer Kunden

Schrebergarten war gestern - Naturgarten ist die Zukunft! Ganz so hart will es Susanne Reiter zwar nicht ausdrücken, aber ihr ganzes Bestreben besteht darin, Gärten und Landschaft so naturnah und ökologisch ausgewogen wie möglich zu gestalten. „Pflanzen und Tiere haben über Jahrmillionen hinweg eine Beziehung miteinander und viele haben sich spezialisiert, brauchen einander. Und eine Pflanze wächst nicht alleine, sie tun sich gegenseitig gut“, so das Credo der 50-Jährigen. Außerdem gehe es bei einer großen Artenvielfalt in der Umgebung auch den Menschen besser und ein Garten bereite nicht so viel Arbeit, wenn man nicht ständig gegen die Natur kämpfen würde.

Seit Dezember 2013 wohnt die in Halberstadt geborene Frau mit ihrem Mann in dem strohgedeckten Haus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts auf 9500 Quadratmetern Land. Erst im Januar des selben Jahres hatte sich die Mutter zweier erwachsener Kinder in ihrem vorherigen Wohnort Darmstadt auf diesem Gebiet selbstständig gemacht. „Wir wollten aber immer nach Mecklenburg“, sagt die Unternehmerin. Weil es noch viel an dem Gebäude zu tun gibt, die Eheleute das meiste selber machen, ist der eigene Garten noch nicht in fertigem Zustand. „Das behindert mich aber nicht in meiner Arbeit, da ich ja sowieso zu den Kunden fahre“, sagt die diplomierte Landwirtin.

Bei ihrer Beratung, die für einen Festpreis von 200 Euro zu haben ist, geht Reiter auf die Vorstellungen und Wünsche ihrer Kunden ein, zeigt ihnen aber auch, was möglich und machbar ist. Dabei geht es sowohl um die geografischen Gegebenheiten, was die Lage der Fläche und ihre Ausrichtung der Fläche zur Sonne betrifft, als auch die Beschaffenheit des Bodens. „Es muss schon alles zueinander passen. Auch ein Naturgarten muss gestaltet und angelegt werden. Nur wachsen lassen geht nicht, das wird in Deutschland zu Wald“, erklärt die Expertin. Zuerst kämen Brombeeren, dann die Eschen.

Nach der ersten Beratung mit konkreten Vorschlägen, inklusive Zeichnung, folgt die Planung und deren Umsetzung. Ab hier berechnet die Einzelkämpferin für sich einen Stundenlohn, der aktuell 60 Euro beträgt. „Ich mache aber nicht alles. Eine Trockenmauer zum Beispiel kann ich nicht bauen. Aber dafür habe ich auch Partner. Ich konzentriere mich aufs Pflanzen“, stellt der Naturgartenprofi klar.

Bei der Wahl der Pflanzen hat die Naturgärtnerin immer auch die partizipierenden Lebewesen, die Insekten, Vögel und Kriechtiere im Blick. Oder kleine Säuger, wie den Igel. „Immerhin gibt es in Deutschland zum Beispiel 560 verschiedene Wildbienenarten. Davon steht allerdings die Hälfte bereits auf der Roten Liste“, so Reiter. Viele von ihnen haben sich auf bestimmte Pflanzen spezialisiert, so die Fachfrau. „Wenn man dann noch bedenkt, dass viele dieser Bienen nicht Staaten bildend, sondern Einzelgänger sind und im Gegensatz zur Honigbiene, die bis zu drei Kilometer weit zu den Blüten fliegt, nur einen Flugradius von 50 bis 300 Meter haben, ist klar, wie wichtig eine ausreichende Anzahl Blüten mit Nektar und Pollen in der Umgebung sind“, erläutert die Unternehmerin. Deshalb seien hochgezüchtete Blühpflanzen, mit großen, dicht gefüllten Blüten denkbar ungeeignet, da sie meist keine Nahrungsquelle bieten. Wilde, ungefüllte Rosen, oder ausdauernde Pflanzen wie die Ochsenzunge, die von Mai bis in den November hinein blüht, seien da die bessere Wahl.

„Solche Wildpflanzen bekommt man natürlich nicht im Baumarkt. Ich besorge sie in speziellen Gärtnereien oder entsprechenden Versandhändlern“, lässt sich Reiter ein wenig in die Karten schauen. Sie hat da zwar bereits so ihre Anbieter, einen Geschäftskontakt möchte sie aber unbedingt recht bald noch knüpfen: „Die Staudengärtnerei Göbel in Schönfeld-Mühle. Das wäre für mich noch sehr interessant. Aber leider hat es bisher noch nicht geklappt. Immer, wenn ich dorthin gefahren bin, war Frau Göbel nicht da. Es hat eben noch nicht sollen sein“, sagt Susanne Reiter lachend. Aber sie will einen neuen Anlauf nehmen.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 04:45 Uhr

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