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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

27. Juli 2016 | 13:36 Uhr

Betrug : Der 41-Millionen-Dollar-Bluff

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Post für Wilfried Koester, doch der Pampower fiel auf den Trick nicht rein.

Der arme Mr. Oliver Williams ist nicht zu beneiden. Ein berühmter Mandant von ihm ist gestorben und jetzt hat der Rechtsanwalt, Rechtsberater und Partner der Rechtsanwaltskanzlei Williams Law aus dem englischen Manchester ein Problem. Ein 41-Millionen-Dollar-Problem. So viel Geld hatte sein Mandant nämlich bei einem Finanzinstitut in Großbritannien hinterlegt. Ein Testament gibt es nicht, und Oliver Williams hat auch kein Mitglied der Familie seines betuchten Mandanten ausfindig machen können. Jetzt hat der Advokat von der Insel aber im mecklenburgischen Pampow den Herrn Wilfried Koester gesucht, gefunden und kontaktiert. „Mein Mandant hat zufällig den gleichen Namen wie Sie“, schreibt der so rührige wie hoch erfreute Mr. Oliver Williams. Und bescheiden ist er auch noch, denn er schlägt sogleich vor, 20 Prozent der Summe einer gemeinnützigen Organisation zu spenden, 40 Prozent dem Herr Koester in Pampow zukommen zulassen und sich selber auch mit nur 40 Prozent – also 16,4 Millionen Dollar – für seine Bemühungen zu belohnen. Ja, Gutmensch Williams wartet jetzt dringend auf Herrn Koesters Antwort, bevor die Bank von Großbritannien das Geld als unbeanspruchten Nachlass konfiszieren könnte. Außerdem können nach weiterer Kontaktaufnahme dann ja auch nächste Details geklärt werden. Geantwortet hat Wilfried Koester nicht, aber geklärt hat er schon, dass es sich um eine freche Betrugsmasche handelt. Das hat Wilfried Koesters Rechtsanwalt bestätigt. Ein echter Rechtsanwalt übrigens.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger – „das da was nicht stimmt, war mir ganz schnell klar“, sagt der pensionierte Zahnarzt. Kein offizieller Briefbogen, sondern ein billiger Computer-Ausdruck, und Verwandtschaft in England, „die habe ich auf keinen Fall“, sagt Wilfried Koester.

Diese Betrugsmasche taucht derzeit in vielen Regionen Deutschlands auf, und trotz der hanebüchenen Geschichte besteht die Gefahr, dass sich Menschen auf diese Abzocke einlassen. Ob im westfälischen Lengerich, im badischen Karlsruhe oder eben in Pampow – Mr. Williams hat viele Angehörige seines verstorbenen Mandanten gefunden.

Verbraucherzentralen warnen vor der Masche, die Polizei mahnt ebenfalls zur Vorsicht: „In der Regel gehen solche Geschichten so weiter, dass in späteren Schreiben Geld für Bearbeitungsgebühren fällig werden“, weiß Polizeioberkommissar Bernd Schumacher von der Polizeistation in Lützow. Wird gezahlt, sei das Geld futsch. Die versprochenen Millionen existieren genauso wenig wie Rechtsanwalt Mr. Oliver Williams. „Erst kürzlich hatten wir hier einen ähnlichen Fall. Da kam das Schreiben fast gleichen Wortlauts von einer fingierten spanischen Rechtsanwaltskanzlei. Schumacher rät, in solchen Fällen die Polizei zu informieren. Wilfried Koester hat keine Anzeige erstattet, aber er hat das Schreiben mit dem 41-Millionen-Dollar-Bluff dahin geworfen, wo es letztlich auch hingehört – in die blaue Altpapiertonne.

 

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erstellt am 29.Nov.2014 | 08:15 Uhr

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