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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

05. Dezember 2016 | 21:40 Uhr

Kulturtage Dechow : Bleib immer schön entspannt!

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Tastenkabarettist Axel Pätz erfüllte Dechows Dorfbühne mit beißender Satire und (Selbst-)Ironie

Die jugendsprachliche Aufforderung „Chill mal!“ – zumeist an nervende Erwachsene gerichtet – gab Axel Pätz den Titel und Rahmen für sein aktuelles Soloprogramm, mit dem der selbsternannte „Tastenkabarettist“ nun schon zum dritten Mal die anspruchsvolle Dorfbühne in Dechow buchstäblich zum Beben brachte.
Dabei hatte die Kulturtage-Erfinderin und charmante Gastgeberin Irmgard von Puttkamer ihr treues Publikum vorgewarnt, Axel Pätz würde „zynisch auf die Irrwege des Lebens“ weisen, darunter auf Tage, die scheinbar „ganz normal“ begännen und sich dann aber „plötzlich von ihrer grotesken Seite“ zeigten.

In der Tat zog der schwarzhumorige Hamburger wieder alle Register seines Repertoires scharfzüngig wortgewaltiger Texte in wandelbarem Dialekt und treffender Körpersprache zu eingängigen Melodien an Klavier, Akkordeon und sogar der verblüffend vielseitigen Ukulele. Mit letzterer Mini-Gitarre begleitete der studierte Sänger und Schauspieler u.a. den emotionalen Höhepunkt des Abends, bei dem er die legendäre Country-Melodie „Ring of Fire“ intonierte und dazu inbrünstig seine norddeutsche Herkunft leugnend „I bin a Bayer“ schmetterte.

Sein mittlerweile für schier unglaubliche Absurditäten und wohl gezielte Provokationen „reif geschossenes“ Publikum nahm es ihm nicht übel, auch wenn bei mancher Pointe das Lachen im Halse gefror wie etwa über „bösartige“ Schlagersänger, Selbstmordattentäter als aussterbendem Beruf oder den unterschwellig irrationale Ängste aufgreifenden Spruch „Sozialtourismus in Deutschland“ sei ihm dann doch „lieber als Asozial-Tourismus auf Malle“.

Im Gegenteil: Je mehr sich der Kabarettist an gefühlten Alltagserfahrungen entlang hangelte, um so treffsicherer die Publikumsreaktion etwa zu seiner Geschichte über vermeintlich günstige Gutschein- und Rabatt-Einkäufe oder das Fernsehprogramm, zu dem er meinte, heute seien „wir nicht viel weiter als die Alten Römer – Brot und Spiele“.

Nahmen sich bei seiner computeraffinen „Conny“, die ein Update braucht (sprich: ihren Freund abservieren will) und dem Monolog über „Alles muss raus!“ als aberwitzigen Therapieansatz für „mein Körper - mein Schwachpunkt“ Lacher und Schenkelklopfen schon kaum noch Pausen, so trampelte der ganze Saal hemmungslos bei Axel Pätz genial präsentiertem System der „Notentri(e)gelung“ am Beispiel der Lieder „Hänschenklein“ und „Ich war noch niemals in New York“.

Auch seine Überlegungen zur apokalyptischen Konsequenz einer EU-Hygieneverordnung für die latexbehandschuhten Hände einer Fleischfachverkäuferin und eine zeitgemäße „Ü 80-Party“ für „betagte Damen und umnachtete Herrn“ rissen das Dechower Publikum dermaßen mit, dass der dankbare Künstler als Zugabe nicht nur seinen legendären Hit vom „Aufsitzrasenmäher“ zum Mitsingen zelebrierte, sondern obendrein noch einen Vorgeschmack auf sein im kommenden Frühjahr startendes neues Soloprogramm gab: Das Lied „Ich weiß nur, dass ich alles war, nur nicht schwarz-weiß!“

Bevor die Kulturtage dann in ihre schon 13. Saison starten, steht auf dem Programm noch Weltklasse-Pantomime. Am 9. Dezember, 20 Uhr, kommen Wolfram v. Bodecker und Alexander Neander „Hereingeschneit“ und servieren weihnachtliche Geschichten für die Gänsehaut.

 

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