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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

04. Dezember 2016 | 11:07 Uhr

Gadebusch : Bauern in Sorge um ihre Agrarprämie

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Kreisbauernverband warnt aufgrund der momentanen Landwirtschaftskrise vor einer verspäteten Auszahlung der Agrarprämie

Ob und wie gut ein Landwirt ins neue Jahr starten kann, richtet sich nicht zuletzt danach, wie hoch die ihm zustehende Agrarprämie ausfällt und ob sie pünktlich gezahlt wird. Letzteres scheint in diesem Jahr in Gefahr zu sein, wenn man den Aussagen des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg Glauben schenkt. „Wir haben ernsthaft die Befürchtung, dass in diesem Jahr nicht wie sonst üblich das Geld am 31. Dezember bei den Bauern auf dem Konto ist“, sagt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes NWM, Petra Böttcher.

Grund dafür seien nach Verbandseinschätzung die neuerlich verschärften Regelungen und Kontrollen der einzelnen Auflagen und Parameter, nach denen diese überlebenswichtige Alimentierung der Landwirtschaft berechnet wird. Laut Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) betrage der Anteil der Agrarprämie in MV für konventionelle Landwirtschaftsbetriebe derzeit 52 Prozent des Gesamteinkommens. Bei Öko-Betrieben sind es nach Aussage von Böttcher sogar 95 Prozent. „In diesem Jahr mit den Ernteverlusten und der Milchkrise bedeuten das für alle eher 100 Prozent“, moniert Klaus Babbe, Landwirt aus Demern.

Dass die Landwirtschaft in Deutschland wie in der gesamten EU ohne Subventionen nicht überleben kann, ist hinlänglich bekannt. Ursachen dafür gibt es viele, die meisten davon sind politischer Natur. „Grundgedanke, als die Agrarprämien Mitte der siebziger Jahre eingeführt wurden, war die Stützung der Lebensmittelpreise. Und dieser Tenor gilt noch immer“, erklärt Jörg Haase, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes NWM, der in Gadebusch selbst einen Landwirtschaftsbetrieb führt.

Mittlerweile sind diese Zahlungen mehrfach moduliert und angepasst worden - aktuell werden sie von Brüssel als Flächenprämie gezahlt und betragen maximal etwa 280 Euro pro Hektar im Jahr bei konventionellem Anbau. Im so genannten Bio-Landbau ist die Förderung deutlich höher.

Diese Zahlungen sind an viele Bedingungen geknüpft, die eines erheblichen Kontrollaufwandes bedürfen. So müssen mindestens fünf Prozent der Gesamtfläche so genannte ökologische Vorrangfläche, also nicht genutzte Fläche, sein. Das sind unter anderem Sölle, wie die Kleingewässer auf den Äckern genannt werden, Pufferstreifen um Gewässer oder entlang von Alleen, Blühstreifen, der Anbau von Zwischenfrüchten oder Leguminosen (Hülsenfrüchte, wie z. B. Lupinen). „Jedes Jahr muss jeder Landwirt bis zum 31. Mai seine Flächen einschließlich ihrer Nutzung beim Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) melden und dann setzen die Berechnungen und Überprüfungen ein. Und wehe, irgendein angegebener Wert stimmt nicht haargenau...“, lässt Klaus Babbe die Folgen im Raum stehen. Das bedeutet im besten Fall eine Korrektur der zugrunde gelegten Parameter, über Kürzung der Prämie, bis schlimmstenfalls sogar Sanktionen. Und die beginnen bereits ab drei Prozent Abweichung. Ein großer Aufwand und eine noch größere Verantwortung für den 52-Jährigen, der mit der Agrargenossenschaft Demern mit 600 Hektar Land und dem Landwirtschaftsbetrieb Babbe mit 800 Hektar Fläche gleich zwei Unternehmen mit deren Mitarbeitern leitet. Bei Reinhard Drews von der Agrargenossenschaft Köchelstorf sind es gar 4000 Hektar Landwirtschaftsfläche, für die es eine Prämie von derzeit maximal 258 Euro je Hektar gibt.

„Nicht einmal zehn Prozent der Landwirtschaftsbetriebe würden ohne diese Agrarprämie überleben“, sagt Kreisbauernverbandsvorsitzender Jörg Haase nüchtern. Umso wichtiger sei es, dass diese Zahlungen pünktlich erfolgen. Denn gerade zum Jahreswechsel würden viele Versicherungsprämien und Kredittilgungen fällig, sei es wichtig für die Planung des neuen Jahres und die dafür notwendigen Kapitalrückstellungen die nötige Sicherheit zu haben, bekräftigt auch Geschäftsführerin Petra Böttcher.

Das StALU habe mitgeteilt, alles in seiner Macht stehende zu tun, damit die Prämienzahlungen pünktlich fließen. Notfalls wäre auch ein Abschlag denkbar.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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