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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

02. Dezember 2016 | 21:02 Uhr

Flüchtlinge in MV : Angriff auf Syrer und Deutsche

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Unbekannte werfen Fensterscheiben bei einer 90-jährigen Mieterin und ausländischen Nachbarn in Kirch Grambow ein .

Eingeworfene Fernster, eine verängstige ältere Dame und schockierte Bürger rund um Wedendorf sind das Resultat eines gezielt durchgeführten Angriffs mit Sachbeschädigung am Wohnblock von Kirch Grambow. Ziel waren die dort lebenden syrischen Kriegsflüchtlinge.

Im Wohnblock Kirch Grambow warfen die bislang Unbekannte am Sonntag gegen 5 Uhr mehrere Fenster ein. „In einer Wohnung lebt meine 90-jährige Oma“, schreibt Steven Röder an die SVZ. Als die ältere Dame am Sonntag gegen 8 Uhr aufstand, wunderte sie sich über die Scherben in der Wohnung. „Es ist einfach schlimm, dass so etwas gemacht wird“, sagt Röder.

Die Tat steht in Zusammenhang mit den dort lebenden Kriegsflüchtlingen. Dafür sprechen einige Anhaltspunkte. Nach SVZ-Recherchen wurden verschiedene Fenster mit ummantelten Straßenpflastersteinen eingeworfen. Darüber hinaus soll sich an der Eingangstür des Wohnhauses ein professionell vorbereitetes Schreiben mit den Worten „Syrer verschwindet“ befunden haben. Ein Schreiben ähnlichen Wortlautes platzierte womöglich die gleiche Tätergruppe am Eingang einer Backstube am Discounter in der Gletzower Straße von Rehna.

Bürgermeister Hans Werner Gaul soll unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat sich um die Lage in seiner Gemeinde gekümmert haben. Er war gestern telefonisch nicht erreichbar. Sein Stellvertreter Thomas Behrens verurteilte die Tat. Er wünscht sich ein friedliches Miteinander. „Die sollen die Leute in Ruhe lassen“, sagt Behrens. Nach Köln und Hamburg koche die Sache hoch, aber niemand dürfe all diese Menschen über einen Kamm scheren. Auch die Tat in Kirch Grambow sei nicht tolerierbar.

Steven Röder bringt es auf den Punkt: „Hier wohnen 40 friedliche Flüchtlinge.“ Auch er hofft, dass der oder die Täter schnell gefasst werden. Zu groß ist die Angst, dass Unruhestifter die friedliche Ruhe im Wohnblock und der Gemeinde durch weitere menschenverachtende Aktionen stören und gefährden. „Was passiert als nächstes“ fragt sich auch Behrens.

Die Polizei in Gadebusch und die Polizeidirektion Rostock haben die Ermittlungen aufgenommen. Ein Diensthabender der Polizeidirektion in Rostock bestätigte den Vorfall. Er sprach von drei eingeworfenen Fensterscheiben und den Plakaten mit „asylkritischem Inhalt“ in Kirch Grambow und Rehna. „Von den Sachbeschädigungen sind zwei Wohnungen betroffen. Eine der Wohnungen wird durch syrische Asylbewerber, die andere durch eine 90-jährige Frau mit deutscher Staatsangehörigkeit bewohnt“, so die Polizei.

Der Sachschaden beläuft sich auf rund 600 Euro. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei waren die Täter mit einem schwarzen Toyota Kombi unterwegs. Laut Polizei handelt es sich bei einem der Verdächtigen um einen zirka 1,80 Meter großen, korpulenten Mann. Er soll eine Jeans und eine helle Jacke getragen haben.

Wie es nun weitergeht in Kirch Grambow wird sich zeigen. Einen wichtigen Grundstein legten die Menschen in der Gemeinde Wederdorfersee bereits mit Ankunft der Asylbewerber. Sie feierten gemeinsam in der Adventszeit, tauschten sich aus. Vor Freude sprachen die Syrer eine Gegeneinladung zum Kennenlernen ihrer Heimat aus – in friedlichen Zeiten.

„In Wedendorf läuft alles gut. Die Menschen besuchen die Deutschkurse und wenn wir uns sehen, dann freuen und grüßen wir uns“, sagt Thomas Behrens. Anfängliche Vorbehalte, die hätten viele bereits nach wenigen Tagen ablegen können.

Zur Aufklärung der Straftat bittet die Polizei um Mithilfe. Hinweise nimmt das Revier Gadebusch telefonisch unter der Nummer 03886-7220 entgegen.

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erstellt am 17.Jan.2016 | 21:00 Uhr

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