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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

27. September 2016 | 14:08 Uhr

Fahrbücherei : Abschied vom Bücherbus

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Fahrbücherei des Landkreises auf letzter Fahrt im Nordwesten / Kreisverwaltung bietet den Bus zum Verkauf an

Start auf Knopfdruck und ab geht die Fahrt mit dem Bücherbus des Kreismedienzentrums Nordwestmecklenburg. Gestern startete Busfahrer Dirk Horstmann zur letzten Runde mit dem betagten, aber gepflegten Volvo-Bus rund um Gadebusch. Er ist die Abschiedstour mit dem blauen Bücherbus.

Die 1992 vom Altkreis Gadebusch in Dienst gestellte Fahrbücherei wird entsprechend eines Beschlusses des Kreistages zum 31. Dezember auf dem Gadebuscher Betriebshof der Grevesmühlener Busbetriebe stillgelegt. Knappe Kassen und eine rückläufige Zahl von Mitgliedskommunen führten zur Entscheidung.

Mehr als 223 000 Kilometer hat der Bus in zwei Jahrzehnten im Nordwesten zurückgelegt. Im Koffer 5000 verschiedene Medien, eine Vielzahl von aktuellen Büchern, Zeitschriften und Spielen, die das Bibliothekspersonal an interessierte Bürger ausreichte. „Schade, einfach nur schade“, sagt Ingrid Hasselberg. Die Dame aus Schönfeld ist treue Leserin. Sehr treu, wie ihr persönliches Ausleihbuch belegt. „Schauen sie“, sagt Hasselberg und blättert in dem A5-Heft. „Am 6. Mai 2004 erfolgte der erste Eintrag mit Buchtitel und Rückgabe.“ 16 Seiten darauf hat die Schönfelderin die Einstellung der Fahrbücherei vermerkt. Insgesamt 288 Bücher habe sie in all den Jahren ausgeliehen und gelesen. „Früher, da war nie Zeit, aber als Seniorin, da habe ich meine Freude am Lesen entdeckt“, sagt sie. Wie es weiter geht, das könne sie nicht sagen „Fest steht nur, dass ich über kein Auto verfüge“, sagt Ingrid Hasselberg. Ihre Lieblingslektüre besteht hauptsächlich aus Familienromanen, Büchern mit den Themen Afrika und Australien. Geschichten aus Ländern und fernen Kontinenten, wie sie zumindest nicht mehr mit dem Bus vor ihre Haustür gelangen. Als Erinnerung bleibt ihr der Bibliotheksausweis. Sie verabschiedet sich und ruft ein letztes Mal in den Bus hinein: „Alles Gute und frohe Festtage.“

Schönfeld war eine von vier Stationen, die Busfahrer Dirk Horstmann und Diplombibliothekarin Annika Dörschel ansteuerten. Goddin, Demern und Dechow folgten. Orte, in denen die fahrende Bibliothek ein stückweit Kommunikation im Dorf bedeutet. „Die Leute, die uns besuchen, die haben die Fahrbücherei dankend angenommen. Vor allem ältere Menschen und junge Familien“, so Dörschel.

Nun heißt es Abschied nehmen. Wer seine Bücher und Zeitschriften bislang nicht dem Bücherbusteam übergeben konnte, der hat im Grevesmühlener Kreismedienzentrum die Gelegenheit dazu. Unter dem Dach des Medienhauses werden in den kommenden Wochen die Bücher, Tonträger und Spiele einsortiert.

Für die Grevesmühlener Busbetriebe enden die Sonderfahrten mit dem Bücherbus. Im Auftrag des Landkreises übernahmen SGS Bus- und Reisen Gadebusch und nach der Eingliederung, die Grevesmühlener Busbetriebe die Serviceleistung des Kreises. Dort bemüht sich aktuell die Verwaltung, den Bus unters Volk zu bekommen oder an interessierte Firmen zu verkaufen. Die Stadt Gadebusch hat im Vorfeld dankend abgelehnt. Trotz des von Landrätin Birgit Hesse ausgelobten Sonderpreises von einem Euro, blieb der Kaufpreis für Gadebusch wenig lukrativ. Bürgermeister Ulrich Howest: „Gadebusch verfügt über eine Stadtbibliothek, folglich war und ist ein Bücherbus für uns nie Thema gewesen.“ Schon allein haushaltstechnische Gründe würden gegen ein weiteres Angebot sprechen. Im Mittelpunkt sollte die Stadtbücherei und ihre Attraktivität für das Umland stehen.

Dennoch, der Landkreis gibt sich hinsichtlich der Veräußerung des 14-Tonnen schweren Gefährts optimistisch. Pressesprecherin Petra Rappen: „Einige Anfragen liegen uns vor.“ Wer Interesse an dem zwölf Meter langen Bus habe, der hat noch bis zum 10. Januar die Möglichkeit, dies gegenüber dem Fachdienst Bildung und Kultur zum Ausdruck zu bringen. Auch Preisangebote will der Landkreis unter dem Kennwort „Fahrbibliothek“ per Post entgegennehmen. Das Mindestgebot liegt laut Kreis bei 4000 Euro. „Besichtigungstermine sind in Absprache mit der Grevemühlener Busbetriebe GmbH am Standort Gadebusch möglich. Terminabsprachen sind zwischen 8 und 12 Uhr unter der Rufnummer 03886−700133 möglich“, sagt Rappen.

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erstellt am 17.Dez.2013 | 11:00 Uhr

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