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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

28. Juli 2016 | 20:20 Uhr

Asylbewerber in Gadebusch : 320 Stunden Deutsch gebüffelt

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die ersten 16 Asylbewerber aus Syrien haben den Einstiegskurs an der Volkshochschule Gadebusch erfolgreich abgeschlossen

Sie heißen Ibrahim, Hazan, Ali oder Dania. Sie sind Ärzte, IT-Spezialisten, Lehrer, Hotel-Manager, Verkäufer, Bauer oder Wirtschaftsstudent. Doch so verschieden sie sind, sie haben eines gemeinsam: Sie sind aus Syrien nach Deutschland geflohen und sind die ersten, die an der Volkshochschule Gadebusch den Einstiegssprachkurs für Asylbewerber „Deutsch in der Alltagssprache“ erfolgreich abgeschlossen haben.

Sie sind stolz auf das Erreichte und bedenken jeden, der nach 320 Unterrichtsstunden die Teilnahmebescheinigung von Roland Hollmann überreicht bekommt, mit herzlichem Applaus. „Ich wünsche euch, dass ihr eine Bleibe in Deutschland findet, einen guten Aufenthalt und Arbeit“, so der Leiter der Kreisvolkshochschule Nordwestmecklenburg. Denn genau dafür sei der von der Bundesagentur für Arbeit finanzierte Einstiegskurs so enorm wichtig. Sprache als Basis für eine Zukunft in Deutschland.

Doch wohin es die Kursteilnehmer nach Deutschkurs und Erteilung des Aufenthaltstitels einmal zieht, ist unterschiedlich. Einige wollen bleiben, Dania Kezzea hingegen könnte sich vorstellen, nach Hamburg zu gehen. „Ich bin Zahnärztin und möchte gern in meinem Beruf eine Arbeit finden“, sagt die 23-Jährige, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Shady die Schulbank gedrückt hat. Doch wie für diese beiden ist auch für einige andere der Deutsch-Unterricht damit nicht vorbei. Um in ihrem Beruf arbeiten zu können, wollen sie so bald wie möglich die so genannte C1-Stufe der Deutschkurse erfolgreich meistern. In diesen werden Fachsprache und relevantes Fachwissen in bestimmten Disziplinen in deutscher Sprache vermittelt. „Das ist Hochschul-Niveau“, erklärt Carmen Gramm. Die Arbeitsstellenleiterin der Volkshochschule Gadebusch ist mächtig stolz auf die Schüler ihres ersten Deutschkurses, aber auch auf Rosemarie Schwank.

Die 69-jährige hat ihren Schützlingen seit November an fünf Tagen in der Woche und fünf Stunden täglich die Grundlagen der deutschen Sprache vermittelt. „Das war nicht immer einfach, aber immer von Vertrauen und Herzlichkeit geprägt“, sagt die Gadebuscherin. Und manchmal auch amüsant. Da erklärte einer ihrer Schüler, dass er gern Enten esse, diese aber tatsächlich am Burgsee nur mit Essen versorgt hatte. Da erfuhr sie, dass syrische Frauen immer schön aussehen müssten und dem einen oder anderen deutsches Brot nicht wirklich zusage. „Wir haben viel voneinander gelernt. Meine Schüler von mir und umgekehrt“, so Rosemarie Schwank. Jetzt hofft sie auf ein Wiedersehen in einem Jahr. Ein solches Treffen haben die Dozentin und die Absolventen vereinbart.

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erstellt am 27.Feb.2016 | 04:45 Uhr

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