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Lokales

24. März 2017 | 22:43 Uhr

"Fürstentum" breitet sich aus

vom

Das im Februar im Schloss Krampfer gegründete "Fürstentum Germania" will ein Gelände in Kleinow bewirtschaften und eine ehemalige Stallanlage in Guhlsdorf nutzen.

Krampfer | Das ehemalige LPG-Gelände in Kleinow war bereits 2007 in die Schlagzeilen geraten, als der Verdacht aufkam, der Eigentümer könnte das 14 000 Quadratmeter große Gelände für ein Schulungszentrum an den NPD-Anwalt Rieger verkaufen. Eben dieses Grundstück will nun das "Fürstentum" nutzen, in den Gebäuden Werkstätten einrichten, das Gelände aber auch für Lagerzwecke und Tierhaltung verwenden. Unter anderem soll Nutzhanf zu einem Serum verarbeitet werden, das, krebskranken Menschen injiziert, angeblich vollständige Heilung bringen soll. Weiterhin verkünden die "Fürstentümler", eine ehemalige Schweinemastanlage in Guhlsdorf (Gemeinde Groß Pankow) übernehmen zu wollen. Der Eigentümer, ein Landwirt aus der Region, hätte sich bereit erklärt, ihnen die Stallungen zu überlassen.

Das "Fürstentum" steht indessen weiter unter Beobachtung durch die Gemeinde und Behörden. "Bislang gibt es aber nichts, wonach die Bewohner gegen Recht und Gesetz oder die öffentliche Ordnung verstoßen", so Detlef Brenning von der Gemeindeverwaltung Plattenburg. Auch die Polizei ist mehrmals täglich in Krampfer präsent, führt Verkehrskontrollen durch. Die Bauaufsichtsbehörde nahm vor kurzem das Gebäude in Augenschein. Nach Aussage der Bewohner wolle sie prüfen, ob das Gebäude als "unbewohnbar" erklärt werden müsse. "Keine Auskünfte zum schwebenden Verfahren", reagierte die Kreisverwaltung.

Unterdessen sieht sich das "Fürstentum" weiteren neuen kritischen Stimmen ausgesetzt. Daher distanzieren sich die Schlossbewohner immer stärker von einigen Internetseiten und Foren. "Wir wollen uns mit bestimmten Themen und Leuten nicht länger identifizieren und gleich gesetzt werden, um die große Idee nicht zu gefährden", so die Sprecher Jo Conrad und Jessie Marsson auf der "Fürstentum"-Internetseite.

Mit der "Staatsgründung" traten einige Reichsregierungsanhänger dem Volksstaat bei und riefen sogleich eine kommissarische Reichsregierung aus. Es gibt bereits mehr als 40 dieser dubiosen Regierungen, die die Existenz der BRD in Frage stellen und die Verfassung der Weimarer Republik als zur Zeit geltendes Recht betrachten.

In der Gemeindeverwaltung Plattenburg sieht Bürgermeisterin Gudrun Hoffmann das Treiben in Krampfer mit Argwohn. "Die Gefahr, die ich im Moment sehe, ist eine große Belastung für die Dorfgemeinschaft. Wir haben mit dem Ausbau der Betreuungsangebote für die Kinder und Jugendlichen aus Krampfer und Umgebung reagiert." Noch immer wisse man nicht genau, wohin die Reise in Krampfer geht.

Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel Jessie Marsson, Mitbegründer des "Fürstentums", von sich selbst behauptet, im Zuge von Clon-Programmen der Bostoner Universität zwischen 1979 und 1981 "entstanden" zu sein. An anderer Stelle findet sich der Hinweis, er sei am 26. Juni 1980 in Maracaibo in Venezuela geboren, hätte irische Wurzeln. Von 1999 bis 2003 will Marsson, der sich zuweilen auch Frank Büntert nennt oder als Captain Tom Marsson, Byron Michael Jessie Marsson oder als Michael Jessie Reichsfreiherr zu Pallandt durch die Welt zieht, im US-Heimatschutzministerium gearbeitet haben.

So kunterbunt die Person Marsson ist, so verworren sind die Ziele des "Fürstentums", die zwar in einer so genannten Verfassung niedergeschrieben sind, aber die Ziele der "Aktivisten" von Schloss Krampfer völlig offen lassen. Dass die Aktivitäten sehr wohl eine Gefahr für die Dorfgemeinschaft darstellen, zeigt sich zum Teil in Gesprächen mit den Einwohnern. Während die einen das Treiben skeptisch sehen und ablehnen, meinen andere, den "jungen Leuten im Schloss erst mal eine Chance zu geben und ihnen ohne Vorurteile zu begegnen".

Bürgermeisterin Hoffmann befürchtet, das sich die Situation in den nächsten Wochen weiter stark verändern werde, wenn weitere Mitstreiter ihren Aufenthaltsort in das Schloss und den Ort verlegen.

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erstellt am 02.Apr.2009 | 08:23 Uhr

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