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Bützower Zeitung

08. Dezember 2016 | 23:01 Uhr

Zernin : Zufluchtsort für Mensch und Tier

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Neue SVZ-Serie – Eine kleine Kirchenreise (Teil 1): Heute: Zernin – ein Gotteshaus mit bewegter Geschichte

Alte Kirchen haben von Natur aus etwas Mystisches an sich. Das Gemäuer in Zernin bildet hier keine Ausnahme. Die dicken Feldsteine, die im Trockenbau zu den Mauern des Kirchenschiffs verarbeitet wurden, ringen um Platz mit Flicken roten Backsteins. Sie sieht alt aus, die Kirche die dort auf einem Hügel steht. Ihr Dach glänzt. Das ist ungewöhnlich – ungewöhnlich nicht nur wegen des Schimmers, sondern auch wegen der Dachbeschaffenheit. Denn die Kirche in Zernin hat ein Solardach. Das Einzige auf einem Gotteshaus in der Umgebung von Bützow. Doch das Gebäude hat noch mehr zu bieten. Eine Führung durch die Solarkirche von den Kirchen-Betreuern Rudi Köpke und Ralf Schröder offenbart noch mehr Besonderheiten.

 „Das Gebäude wurde im 12./13. Jahrhundert als Wehrkirche erbaut“, sagt Köpke. Das bedeutet, es war ein befestigtes Gebäude, in dem die Bewohner des Ortes Schutz vor Plünderung und Krieg suchen konnten. Wehrhafte Schießscharten haben die Zeit nicht überdauert. Als Platz, der Sicherheit bot, war sie im Leben der früheren Bewohner fest verankert. Damals stand nur das Kirchenschiff. Der Turm kam erst im 18. Jahrhundert hinzu. Die beiden gravierten Glocken aus dem 16. Jahrhundert wurden erst sehr viel später hinzugekauft. Alt ist also nicht nur der Altarraum, sondern auch der Turm und die Glocken. An das Alter des Taufsteines reichen allerdings alle drei nicht heran. Die steinerne Schüssel sei mindestens 1300 Jahre alt und somit ein echtes Relikt, so Rudi Köpke und verweist auf einen Historiker, der vor einigen Jahren über das Gefäß schrieb. Damals war es Nicht-Christen verboten, die Kirche zu betreten. Das Taufbecken stand damals vor der Kirchentür. Dort konnten sich die Dorfbewohner taufen lassen. So wurde der Nicht-Christ schnell zum Christen und konnte fortan ein– und ausgehen, wie es ihm beliebte.

Ein- und ausgehen kann man in der Kirche in Zernin noch immer nach Belieben, allerdings muss sich dazu nicht erst zu dem evangelischen Glauben bekannt werden. „Die Türen sind zwar meist verschlossen, allerdings öffne ich sie gerne jedem Interessierten“, so Schröder.

Heute wird die Kirche meist für das kirchliche Traditionen genutzt. Alle vier Wochen gibt es einen Gottesdienst und um Weihnachten herum Krippenspiele. Auch Beerdigungen werden hier abgehalten.

Die Kirche in Zernin erfreut sich aber auch darüber hinaus eines guten Zulaufes. Auch Touristenbusse machen hier Halt. Bestaunt wird dann das erwähnte Solardach. Das ursprüngliche Dach war in den 60er-Jahren eingestürzt und wurde erst 40 Jahre später, 2001 erneuert. Ein Jahr später kam es dann zur Wiederweihe.

Eine weitere Besonderheit ist der Kirchenturm, besser gesagt seine Bewohner. Seit einigen Jahren wurde der Turm zum Biotop für zwei Turmfalken und eine Schleiereule. Vor zwei Jahren wurde der Turm dann zur Heimat eines Waldkauzes. Für die Bemühungen des Kirchenvereins zum Erhalt des ungewöhnlichen Domizils der Greifvögel erhielt die Kirche eine Auszeichnung, die nun die Kirchentür schmückt.

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erstellt am 10.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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