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Bützower Zeitung

08. Dezember 2016 | 12:56 Uhr

Bützow : Vierbeiner versüßen den Alltag

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Reinhard Sugge aus Wolken besucht mit seinen Dackeln Pflegeeinrichtungen in der Region zur tiergestützten Therapie

Zwei Dackel flitzen durch den Eingangsbereich in der Bützower Warnow-Pflege. Reinhard Sugge eilt hinterher, fängt die kleinen Ausreißer ein und bringt sich wieder in einen Raum, wo bereits zwei weitere Dackel warten. Nein, in der Pflegestation herrscht nicht der Ausnahmezustand – es ist Zeit für die Hundetherapie. Im Raum mit den vier Hunden sitzen zwölf Bewohner, um sich von Reinhard Sugge und den „kleinen Rackern“ verzücken zu lassen. Die Dackel wuseln durch die Beine, erkunden den Raum und wollen vor allem eines: Gestreichelt werden.

Brigitte Basugge ist eine der Bewohnerinnen des Pflegeheims und zähle zu den Freiwilligen, die an der Hundetherapie teilnehmen. „Ich habe gern Hunde um mich und sie kommen auch zu mir.“ Ihr Vater habe früher auch einen Hund gehabt.

Auch Hertha Woelm habe gern die Vierbeiner um sich. „Ich hatte früher fünf Hunde Zuhause“, erinnert sich die Bewohnerin der Einrichtung. Jedes Mal freue sie sich über den Besuch von Reinhard Sugge und seine Begleiter.

Dieser kommt einmal im Monat vorbei. An diesem Nachmittag hat er Olivia, Jenna, Roxi und Rudelführer Joker mit. Alle vier sind Amerikanische Tigerdackel. Reinhard Sugges Tochter betreibt eine Hundezucht, aus dieser stammen alle Vierbeiner.

Reinhard Sugge zieht mit den Hunden ehrenamtlich durch zehn Pflegeeinrichtung in der Umgebung und erfreut damit regelmäßig die Bewohner. Acht Dackel leben derzeit auf seinem Hof in Wolken, sechs davon sind für die Therapiestunden geeignet. Aber nicht nur die Tiere müssen dafür ausgebildet sein, auch der Halter. Für seine Idee – die er übrigens im Fernsehen aufschnappte – erwarb er die Qualifikation des Altenbetreuers und absolvierte ein Fernstudium zum tiergestützten Therapeuten. Aufgrund der guten Ausbildung wird nichts dem Zufall überlassen. „Es hat noch nie ein Hund gebellt“, versichert der Wolkener – und gebissen erst recht nicht.

Dass es ausgerechnet Dackel sind, hat aus therapeutischer Sicht keine Relevanz. „Viele stehen auf Labradore oder Golden Retriever“, sagt Reinhard Sugge. Die größeren Hunde hätten den Vorteil, auch mit Rollstuhlfahrern auf Augenhöhe zu sein. Aber: „Dackel kommen den Bewohnern näher. Sie spüren die Wärme des Tieres und können den ganzen Körper streicheln, auch gegen den Strich. Die Tastempfindlichkeit ist auch bei Dementen noch ausgeprägt“, weiß Sugge.

Dem Gerücht, dass Dackel eigenwillig und für so etwas nicht geeignet wären, hält der 65-Jährige ein entscheidendes Argument entgegen: die Erziehung. „Man muss konsequent bleiben und der Rudelführer sein.“

Dass ihm das geglückt ist, beweisen die tollenden Dackel und die lächelnden Gesichter der Heimbewohner. Auch die beiden Betreuungskräfte Margret Helle und Rosemarie Drews sitzen mit im Kreis der Patienten. Sie wissen um die Vorteile der Therapie. „Für die Bewohner ist das eine willkommene Abwechslung. Viele hatten selbst Hunde und es kommen Erinnerungen hoch“, so Margret Helle. Die Bewohner seien vor der Stunde gefühlt aufgeregter als die Vierbeiner, ergänzte Rosemarie Drews.

Als Beleg dafür, dass die Therapie Früchte trägt, richten die Betreuungskräfte beispielhaft die Aufmerksamkeit auf zwei Bewohner. Der eine hat knapp 30 Minuten lang einen der Hündchen auf dem Schoß – und genießt dies sichtlich. Ein weiterer Bewohner findet sein Lächeln wieder, als er einen Vierbeiner knuddelt. Sonst sei er meist eher in sich gekehrt und mürrisch.

Auch Reinhard Sugge hat noch ein Beweis parat. Eine Schlaganfall-Patientin aus Güstrow, die unter den körperlichen Folgen litt und eigentlich schon mit ihrem Leben abgeschlossen hatte, fand mit einem von Reinhard Sugges Dackeln am Bett wieder Lebensmut.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 09:00 Uhr

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