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Bützower Zeitung

05. Dezember 2016 | 09:27 Uhr

Flüchtlinge in Baumgarten : „Sie gehören zu unserer Familie“

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Eveline Langheinrich und Rolf Junghans haben im Mai Flüchtlinge aufgenommen. Für die drei Kinder sind sie wie Oma und Opa

Ausgelassen tollen Yalda und Omed im Garten von Eveline Langheinrich und Rolf Junghans herum. Immer wieder fordern die Kinder die beiden zum Mitmachen auf, springen, singen und tanzen gemeinsam herum. Was auf dem ersten Blick nach einer gewöhnlichen Beziehung von Großeltern und Enkeln aussieht, verbirgt eine ganz besondere Geschichte. Denn Yalda und Omed stammen aus Afghanistan und flohen Ende 2015 mit ihren Eltern nach Deutschland. Heute, zehn Monate später, haben sie in Baumgarten ein neues Zuhause gefunden.

Nachdem die zuvor als Ferienwohnung genutzte Einliegerwohnung im Haus von Eveline Langheinrich und Rolf Junghans nach einem Wasserschaden saniert worden war, stand das Rentner-Paar vor einer Entscheidung: Wollen wir die Räume weiter an Touristen vermieten oder noch einmal etwas ganz anderes machen? „Da immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen, war für uns schnell klar, dass wir helfen wollen“, sagt Eveline Langheinrich rückblickend. So wandten sich die 67-Jährige und ihr Mann im März an das Migrationsamt Bad Doberan und boten an, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. „Unser einziger Wunsch war, dass eine Familie mit mindestens zwei Kindern einzieht, denn unser Grundstück bietet sich für Familien einfach an“, sagt Rolf Junghans. Nach der Zusage der Behörde ging dann alles ganz schnell. Noch nicht einmal 14 Tage vergingen, ehe die afghanische Familie um Mutter Parisa, Vater Taufiq und die beiden Kinder in Baumgarten einzog. Diese war Ende 2015 aus einem Dorf – 150 Kilometer von Kabul entfernt – geflüchtet. Der Grund: Vater Taufiq und sein Bruder arbeiteten in einer Stahlbaufirma, die Container für die Nato-Schutztruppe Isaf herstellte. Von den Mitarbeitern bekamen sie eine Bibel geschenkt, die Dorfbewohner später im Haus der Familie entdeckten. „Der Dorfrat unterstellte uns daraufhin Kontakt zum Christentum und wollte uns am nächsten Morgen abtransportieren“, sagt Mutter Parisa. Um dem zuvor zu kommen, floh sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern zunächst ins benachbarte Pakistan und später bis nach Deutschland.

„Hier wurden wir vor allem in Baumgarten sehr lieb aufgenommen. Für die Kinder sind Rolf und Eveline wie Oma und Opa“, sagt die 25-Jährige. Doch nicht nur das: Die gesamte Familie ist mittlerweile im Dorf integriert, Yalda und Omed besuchen den Kindergarten und Vater Taufiq beginnt demnächst sein Praktikum bei Landwirt Jens Lötter.

„Auch deutsch haben sie schnell gelernt und sind sehr wissbegierig“, sagt Eveline Langheinrich. Für die ehemalige Sonderschulpädagogin war schnell klar, dass sie sich auch im Rentenalter weiter gesellschaftlich engagieren möchte. „Für den Winter hat sich die Familie gewünscht, dass wir jeden Tag eine Stunde die deutsche Schrift üben“, sagt die Baumgartenerin. Für sie und ihren Mann ist die afghanische Familie mittlerweile ohnehin viel mehr als ein Gast auf Zeit. „Sie gehören fest zu unserer Familie“, sagen die beiden.

Der wohl größte Beweis dafür ist die Geburt des kleinen Johannes vor acht Wochen. „Als Parisa gefragt wurde, ob sie jemanden mit in den Kreissaal nehmen möchte, zeigte sie sofort auf mich. Für mich war das Gefühl während der Geburt dann einfach überwältigend“, sagt Eveline Langheinrich.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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