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Bützower Zeitung

06. Dezember 2016 | 11:15 Uhr

Schwaan : Schüler erleben Reformation

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Projekt bringt deutsche und italienische Schüler zusammen / Gemeinsam lernen sie etwas über die Kirchengemeinden in ihren Heimatregionen

Die Waldenser, eine kleine reformierte Kirche in Italien, mahnte schon im 13. Jahrhundert – also lange vor Martin Luther – Reformen an. Allerdings ist die Chiesa Valdese, wie die Kirche in der Landessprache genannt wird, selbst in Italien weitestgehend unbekannt. Die Zehntklässler der Prof.-Franz-Bunke-Schule in Schwaan haben die Kirche jetzt kennengelernt. Anlass dazu war das Projekt „Reformation woanders“, das die Arbeitsstelle für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Mecklenburg bereits 2015 initiiert hat. Hintergrund: Unterschiedliche Gruppen besuchen unterschiedliche Länder und lernen deren Reformationsgeschichte und das Leben der evangelischen Christen in der heutigen Zeit kennen.

Für die Schwaaner Schüler war allerdings erst einmal einiges an Vorarbeit nötig. Denn von 22 Schülern der 10. Klasse sind nur zwei getauft. So besuchten die Jugendlichen an einem Projekttag vor den großen Ferien die Kirchengemeinde in Schwaan. Dort lernten sie die Situation der evangelischen Christen in Mecklenburg anhand der eigenen Kleinstadt kennen, erfuhren etwas über die Aktivitäten der Kirchengemeinde und über die Zusammenarbeit mit den Katholiken vor Ort.

Kurz vor ihrer Fahrt fanden noch drei weitere Projekttage zu Themen wie „Reformation in Deutschland“, „Wer war Martin Luther?“ und „Evangelische Kirche in Mecklenburg“ statt. Darüber hinaus haben sich alle mit ihrem Reiseziel Italien beschäftigt. Unter der Fragestellung „Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh’n?“ wurden Vorträge vorbereitet, die von Mozarella bis Mafia die vielfältigsten Themen zu dem südeuropäischen Land streiften. Um der Sprachbarriere Herr zu werden, gab es auch einen Italienisch-Crashkurs.

In der letzten Septemberwoche waren dann 25 deutsche Jugendliche mit ihren Begleitern zu Gast im historisch wichtigen Zentrum der italienischen Waldenser, in Torre Pellice. Am Fuß der Cottischen Alpen im Piemont wohnten sie in italienischen Gastfamilien, ließen sich nach erster großer Unsicherheit, das vertraute Schwaan verlassen zu haben, täglich mehr von den temperamentvollen Schülern des Waldensischen Gymnasiums mitreißen, sprachen englisch und italienisch – mit Händen und Füßen.


Italienische Schüler besuchen Schwaan 2017


Gemeinsam wanderten die Jugendlichen zu den alten Höhlenverstecken der Waldenser in den Bergen, erfuhren etwas über die Verfolgung, Vertreibung und Not der kleinen Reformierten Kirche bis zum Jahr 1848, als die Mitglieder endlich die Bürgerrechte bekamen. Gemeinsam saßen die Schüler beider Länder auch im italienischen Deutschunterricht, gemeinsam besuchten sie das Fußballstadion von Juventus Turin – was vermutlich der emotionale Höhepunkt für die Heranwachsenden war. Gemeinsam feierten sie auch in Agape, dem ökumenischen Jugendzentrum der Chiesa Valdese, 60 Kilometer entfernt von Torre Pellice, ein nicht enden wollendes Abschiedsfest.

Aber man sieht sich immer zweimal im Leben: Im Mai 2017 kommen die Italiener nach Schwaan. Dann soll es mindestens genauso erfahrungsreich werden für sie, wie es jetzt für die Schüler aus der Warnowstadt war. „Wir haben zwar nicht so gutes Eis, aber die Ostsee“, sagen die zukünftigen Gastgeber und fangen jetzt schon an, Pläne für den Besuch ihrer neuen Freunde zu schmieden.

„Reformation woanders“ – was dieses Projekt bis jetzt bewirkt hat, ist, über den eigenen Tellerrand zu schauen, über die eigenen Grenzen zu gehen, mutig Neuland zu betreten, neue Menschen und sich selber besser kennenzulernen.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 09:00 Uhr

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