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Bützower Zeitung

24. Juli 2016 | 22:27 Uhr

Wiederaufbau in Rühn : Neubeginn auf dem Götze-Hof

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Der Wiederaufbau eines Hallenhauses hat begonnen / Tischlermeister Stephan Linde errichtet Fachwerkkonstruktion

Es sieht fast wie im Bilderbuch aus. Schneebedeckt ist alles, der Blick geht über den See, ein Hund bellt und in der Mitte erhebt sich die Konstruktion aus hellem Eichenholz. Nur die Ruine eines Hauses auf der linke Seite muss der Betrachter ausblenden. Vor knapp sieben Monaten sah hier alles anders aus. Am Abend des 5. Mai zerstörte der Tornado das historische Hallenhaus, verwüstete den Götze-Hof, wie viele das Gut nennen. Innerhalb von nur acht Minuten wurden Fred Götze und seine Mutter Brunhilde obdachlos. Nun entsteht an gleicher Stelle ein Neubau.

Stephan Linde hat die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Der Tischlermeister errichtet das Fachwerk aus hellem Eichenholz. Das Material stamme von tot gestandenen Eichen. Das heißt, Eichen die abgestorben sind, aber nicht sofort gefällt werden. „Sie sind dennoch sehr robust, fallen nicht gleich um. So können sie austrocknen“, erklärt Linde. In ihnen finden zum Beispiel Spechte ideale Lebensbedingungen.

Die Eichenstämme für das Hallenhaus auf dem Götze-Hof stammen aus einem Revier bei Teterow. Solches Holz sei in der Region rar, zumal Stephan Linde einiges in den zurückliegenden Jahren auch in der Bützower Stiftskirche verarbeitet hat, erzählt er.

Auch wenn es sich um einen Neubau handelt, haben sich die Architekten Christoph und Hartmut Böhnke an das Original gehalten. „Von der Gestaltung, von der Optik und der Größe ist es das alte Hallenhaus“, sagt Hartmut Böhnke. Vor allem sei wichtig, dass auch der Neubau wieder ein Rohrdach bekommt. Im Inneren werde das Haus natürlich den moderneren Anforderungen entsprechen.

Auffallend sind inmitten der hellen Hölzer dunkelbraune Streben. „Wir verarbeiten hier auch Holz aus dem alten Hallenhaus“, erklärt Böhnke. Das Interessante dabei: Eichenstämme sind nicht immer gerade. Für Querstreben im Fachwerk, die in einer Zeichnung glatt aussehen, wird auch Holz verwendet, dass krumm ist. Diese Krummstreben verleihen dem Haus, dem Fachwerk, ein besonderes Aussehen. Wie alt die Stämme sind, ist nicht genau bekannt. „Das Haus stammte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“, sagt Hartmut Böhnke.

Die Arbeit von Stephan Linde beobachtet jeden Tag Brunhilde Götze. Die 83-Jährige und ihr Sohn konnten Ende Oktober wieder auf ihren Hof ziehen, wohnen in einem kleinen Bungalow. Sie bewundert den Tischlermeister. „Ob bei Regen, Schnee und Frost, er ist immer am arbeiten“, sagt die Seniorin.

Auch wenn man schon erahnen kann, wie das Hallenhaus einmal aussehen wird, sagt Brunhilde Götze: „Noch ist es nicht meins. Es fehlen die Bäume, die Sträucher, kein Vogel ist zu hören.“ Dennoch ist sie froh, dass sie mit ihrem Sohn wieder hier auf dem Hof leben kann. Und damit es wieder so schön wird, wie vor dem 5. Mai würden sich die Götzes freuen, wenn sie Nadelbaum-Spenden, Ableger von Tannen bekommen könnten, um sie auf ihrem Hof wieder einzupflanzen.

Stephan Linde wird, wenn das Wetter mitspielt, bis Mitte Februar mit den Holzarbeiten beschäftigt sein. Bis dahin soll dann auch der Dachstuhl gerichtet sein. „Bei Temperaturen von minus vier, fünf Grad ist das kein Problem“, sagt der Tischlermeister. Man müsse sich nur richtig anziehen. Mehrere dünne Teile übereinander, das bekannte Zwiebelprinzip.

Ist Stephan Linde mit dem Errichten des Fachwerks und des Dachstuhls fertig, können die Dachdecker folgen.

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erstellt am 23.Jan.2016 | 08:00 Uhr

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