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Bützower Zeitung

05. Dezember 2016 | 21:38 Uhr

Laase : Kampf ums Kopfsteinpflaster

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Bürgerinitiative setzt sich den für Erhalt des Dorfbildes ein

Als die Laaser kürzlich erfuhren, dass es Sanierungspläne mit ihrer Dorfstraße gäbe, taten Anwohner ihren Unmut darüber kund, dass ihr geliebtes Kopfsteinpflaster Asphalt weichen könnte. Nun hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die für den Erhalt der Kopfsteinpflasterstraße kämpft.

„Wir sind der Meinung, dass die Straße noch weitestgehend okay ist“, sagt Katharina von Stralendorff. Ein Loch gebe es, auch die Buswendeschleife müsste gemacht werden. Aber die gesamte innerörtliche Straße asphaltieren? Das will die Bürgerinitiative nicht, die mittlerweile in etwa das halbe Dorf hinter sich weiß. Die Straße sei weit über 100 Jahre alt und ein Zeichen regionalen Handwerks. „Das Kulturgut zu schützen steht vor allen anderen Interessen“, meint von Stralendorff.

Was wäre, wenn das Kopfsteinpflaster asphaltiert würde? „In Mecklenburg-Vorpommern ziehen viele bewusst auf das Land, auch um dem Verkehrslärm aus dem Weg zu gehen“, sagt Matthias Krempien. Aber „schöne“ Straßen würden ein erhöhtes Verkehrsaufkommen nach sich ziehen. Die Mitglieder der Bürgerinitiative wollen nicht nur das Kulturgut erhalten und die Ruhe wahren, sie fürchten auch um die Sicherheit der Kinder. „Eine schnellere Fahrgeschwindigkeit erhöht das Unfallrisiko auf enger, kurvenreicher Strecke für Kinder und Erwachsene“, heißt es auf einem Flyer. Und: „Für Durchgangsverkehr ist die enge Dorfstraße nicht geeignet.“

Gabriele Taleb ist Laaserin durch und durch, dort geboren und fest verwurzelt. Etwas anderes als die Kopfsteinpflasterstraße kennt sie im Herzen des Dörfchens gar nicht. Eine Asphaltierung komme ihr nicht in die Tüte: „Das wollen wir nicht und wir kämpfen bis zum Ende um den Erhalt der Straße!“ Ihr Ort solle sehenswert bleiben, fordert auch Claudia Lochmann. „Die Leute kommen her, finden Laase schön und schwärmen von diesem Kleinod.“

Die Mitglieder der Bürgerinitiative fürchten, dass sich das Dorfbild verändert. „Unser unverbautes Dorfbild mit der mittelalterlichen Kirche, der Kopfsteinpflasterstraße und der Lindenallee bilden ein kulturhistorisches Ensemble“, heißt es im Flyer, der die Laaser Standpunkte aufführt. Die Bürgerinitiative weist darauf hin, dass der Schutz von Kopfsteinpflasterstraßen in der Landesverfassung und im Landesnaturschutzgesetz geregelt sei. Aus diesem Grund wollen die Mitglieder die Straße sogar unter Denkmalschutz stellen lassen.

Die Bürgerinitiative verschließt sich nicht gänzlich Baumaßnahmen. Sie möchte allerdings, dass das Kopfsteinpflaster saniert wird. Eine gemeinsame Lösung finden und dabei noch Geld zu sparen, daran müssten doch alle interessiert sein, meint Matthias Krempien.

Um über ihr Ansinnen und ihre Ziele zu informieren und Gleichgesinnte zu gewinnen, wurde eine Facebook-Seite erstellt, liegen Unterschriftenlisten in der Bützower Buchhandlung, im Naturpark Warin sowie in Laase und Rühn aus. Außerdem wollen die Mitglieder in der zweiten Januarwoche eine Informationsveranstaltung organisieren. Dafür sollen auch der BUND, Anwohner gegenteiliger Meinung, das Straßenverkehrsamt und die Landesdenkmalpflege an einen Tisch kommen.

Natürlich will auch Bürgermeisterin Astrid Peters der Runde beiwohnen. Sie kann den ganzen Trubel derzeit gar nicht so recht verstehen: „Wir haben lediglich den Beschluss gefasst, dass die Straße saniert werden soll. Mehr nicht.“ Dies sei Voraussetzung dafür, dass sich gewisse Töpfe an Fördermitteln öffnen. Da die Kreisstraße zwischen Wendorf und Laase ohnehin saniert werden soll, böten sich auch Arbeiten direkt in Laase an. Dies könne Kosten sparen, da die Arbeiten im selben Atemzug geschehen könnten. Aber, so die Bürgermeisterin: „Was, wann und ob überhaupt ist noch unklar.“

Unklar sei aber noch, ob Fördermittel fließen. Der jetzt umstrittene Beschluss der Gemeindevertretung beinhalte auch die Kostenkalkulation für eine Asphaltierung. Dies könnten einige Laaser so aufgefasst haben, dass die Planungen bereits abgeschlossen wären. „Gedanklich sind wir aber noch gar nicht so weit“, sagt Astrid Peters. Wenn es an der rechten Zeit ist, werde noch eine Bürgerversammlung einberufen. Schließlich gehe es auch um eventuelle Anliegerbeiträge. Bis dahin gilt laut Astrid Peters, dass sich um ungelegte Eier noch keine Gedanken gemacht werden müssten. „Es fließt noch viel Wasser die Warnow herunter, bis das in Sack und Tüten ist. Aber es ist ja positiv, wenn die Leute sich engagieren. Das ist ihr gutes Recht.“

Dass sie vorschnell handle, sieht die Initiative anders. „Wenn ein Projekt beantragt wird, muss man auch ein Konzept haben. Sonst gibt es keine Gelder“, sagt Katharina von Stralendorff. „Das ist das Spielchen momentan.“ Aus diesem Grund habe sich die Initiative gegründet. Sie will rechtzeitig klar machen: „Wir wollen keinen Asphalt statt des Kopfsteinpflasters.“


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erstellt am 02.Dez.2016 | 05:00 Uhr

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