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Bützower Zeitung

07. Dezember 2016 | 21:13 Uhr

Jürgenshagen : Hier tauschen sich Jung und Alt aus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine kleine Kirchenreise (Teil 2): Eine Dokumentruhe in der Kapelle dient als Archiv zur Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit

Das kleine Gebäude in Backsteingotik duckt sich hinter Birkenzweigen, fällt von der Straße aus fast nicht auf. Die im neugotischen Stil errichtete Kapelle ist eine versteckte Perle. Ohne Kirchturm wirkt sie unaufdringlich. Die beiden Seitenfenster blinzeln verschlafen, spiegeln die dörfliche Gemütlichkeit des Gotteshauses wider.

Die Führung durch die Geschichte der Kapelle übernimmt Karl-Peter Marquardt, 2. Vorsitzender des Kirchengemeinderates aus Jürgenshagen. „Eröffnet wurde sie 1891, erbaut auf den Grundfesten der alten abgebrannten Kapelle“, sagt Marquardt. Geplant wurde die Kapelle von Gotthilf Ludwig Möckel, der viele neugotische Gebäude in Mecklenburg-Vorpommern baute. Klein ist die Kapelle zwar, doch 40 bis 50 Leute würden dort allemal hinein passen, so Marquardt. Und das Angebot wird auch gerne genutzt. Neben üblichen Kirchendiensten hat sich in Jürgenshagen die Tradition etabliert, die Kapelle zum Volkstrauertag zu nutzen. Von Protestanten und Katholiken.

Neben besonderen Tagen wie Weihnachten, Ostern und Volkstrauertag findet dort dank des nahen Hauses für altersgerechtes Wohnen ein sehr aktives Kirchenleben statt. Auch die Jugend engagiert sich mit Gesang und Musikspiel. „Es ist schön, wenn sich die Jugendlichen in das Kirchenleben integrieren“, sagt Marquardt.

Besonderes Interesse bei Jung und Alt gilt zudem einer 2015 anlässlich des Volkstrauertages aufgestellten Truhe. In ihr finden sich freiwillig abgelegte Dokumente zum Thema der Flucht aus dem Osten während des Zweiten Weltkrieges, ebenso wie Dokumente des Krieges und Feldpost. Die Truhe und ihr Inhalt bieten viel Gesprächsstoff, denn erst jetzt öffnet sich die Kriegsgeneration, um über ihre Erlebnisse während dieser Zeit zu reden. „Die Truhe dient auch der Aufarbeitung und Erinnerung“, so Marquardt. Die Zeitzeugen können den jungen Leuten von ihren Ereignissen berichten und diese mit den Dokumenten bildlich untermalen . So können sich die Jungen ein Bild von damals machen und die Zeitzeugen das Passierte aufarbeiten. Die Idee war das Archivieren. Denn auch zukünftige Generationen sollten das Aufgeschriebene nicht vermissen müssen. Diese Truhe ist wohl die größte Besonderheit in der Kapelle Jürgenshagen, dennoch hat das kleine Gotteshaus noch mehr zu bieten. Die Kirchenglocke ist zum Beispiel draußen unter dem Vordach angebracht. Außerdem wird sie traditionell per Seil von Hand geläutet.

Die letzte Komplettsanierung der Kirche wurde 2004 durchgeführt, so Marquardt. Nachgezeichnet wurden damals auch die bunten Ausmalungen der Kirchendecke. Finanziert wurden die Arbeiten durch Landes- und Kirchenstiftmittel. Andere Anschaffungen, wie eine neue Heizung, wurden wiederum von Spenden finanziert. Diese Spendenbereitschaft zahlt sich dank der so häufig wie möglich abgehalteten Gottesdienste aus. Denn schließlich wollen die Besucher auch im Winter warme Füße in ihrer Kapelle.

Karl-Peter Marquardt, der sich ehrenamtlich sehr für die Kapelle engagiert und sogar ein Kapitel in dem Buch „Neukirchen 1233 - 2008“ über das Gotteshaus schrieb, sieht die Kapelle als einen der Stützpfeiler von Jürgenshagen. „Die Kapelle hat eine zentrale Rolle in der Gemeinde“, so Marquardt.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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