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Bützower Zeitung

10. Dezember 2016 | 02:03 Uhr

Bützow : Gesichter aus Stein

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

In der Stiftkirche werden Restaurierungen an den Kapitellplastiken vorgenommen

Leere, kalte Augen starren blind in das ausladende Kirchenschiff. Ein einzelner Mann steht auf Gerüsten aus Stahl, viele Meter über den Kirchenbänken. Vorsichtig zieht er den Pinsel über die steinerne Fratze eines Löwens. Andreas Schröder ist von Beruf Restaurator und arbeitet gerade an den Kapitellen der Bützower Stiftkirche. Diese werden momentan im Zuge der Deckenausmalungen überarbeitet.

Seit 2007 wird die Kirche unter der Leitung des Bützower Architekten Hartmut Böhnke Abschnitt für Abschnitt restauriert und wieder instandgesetzt. Dieses Jahr waren die Deckenausmalungen des Mittelschiffes und des nördlichen Seitenschiffes an der Reihe. Und dabei nahm man gleich die Kapitelle in Angriff. „Wir versuchen sie dem Zustand von 1860 wieder anzupassen“, so Böhnke. „Früher einmal waren sie wohl farbig, aber das wäre jetzt kaum originalgetreu zu realisieren.“ Die um 1300 erbauten Säulen werden nun in hellen Pastellfarben gestrichen. Dabei werde darauf geachtet, dass die „kulturelle Vielfalt der Figuren“ erhalten bleibt, so Böhnke.

Auch Restaurator Andreas Schröder versucht, die Steinfiguren nicht zu verändern. „Ich habe die Plastiken von alter Farbe befreit und den Zustand von 1860 hergerichtet.“ Wegen der verschiedenen Farbgebungen, die sich an der Decke und an den Figuren fanden, mussten sich mehrere Experten aus dem Gebiet der Restauration und Kunsthistorie die Kapitelle anschauen. Andreas Schröder ist nun ausschließlich für die Steinfiguren zuständig.

Als Betrachter von den Sitzbänken ist es unmöglich, die Feinheiten der Gebilde zu erkennen. Dennoch legt Architekt Böhnke größten Wert auf die Genauigkeit, mit der gearbeitet wird. Dies sei schon wegen der Bedeutung der Reliefs notwendig, sagt Böhnke. „Sie erzählen eine christliche Geschichte. Welche genau? Das wissen selbst die Historiker nicht.“ Viele zeigen Löwen und Frauen. Er sei sich sicher, dass auch Wissenschaftler sich noch viele Jahre mit den Kapitellen beschäftigen und diese interpretieren können.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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